Orte und Locations – Meister Thurosch plaudert aus dem Nähkästchen

Locations„, so lautet der Titel des Karneval der Rollenspielblogs im Monat Oktober. Welcher Held kennt das nicht, das Abenteuerleben wird erst so richtig spannend, wenn man auf seinen Reisen etwas rumkommt und als Vorteils eines gefährlichen Jobs jede Menge faszinierender Örtlichkeiten kennenlernen darf.

Was läge da näher, als einen Experten zu diesem Thema zu fragen? Darum hat der Dereblick keine Kosten und Mühen gescheut, einen wahren Fachmann zu dem Thema zu konsultieren. Erfreulicherweise hat sich niemand geringeres als der anerkannte Baumeister Thurosch, Sohn des Balosch, die Zeit genommen, ein wenig Einblick in seine Tätigkeit zu geben.

Dereblick: „Meister Thorosch, vielen Dank, dass Ihr uns die Gnade einer so kurzfristig ermöglichten Audienz gewährt habt.“

Thurosch: „Nichts zu danken, Söhnchen. Aber auch kein Grund, so geschwollen daherzureden. Was willst du denn wissen?“

Dereblick: „Nicht ohne Grund steht Ihr im Ruf, einer fähigsten Baumeister Aventuriens zu sein. Ich habe daher die Hoffnung, dass Ihr unseren Lesern ein wenig Einblick in Euren Alltag ermöglicht.“

Thurosch: „Orkendreck, verdammter! Fähiger Baumeister, pah! Und was hab ich davon? Wer weiß denn heute noch echte Baukunst zu schätzen?“

Dereblick (irritiert): „Ich verstehe nicht ganz? Soweit ich weiß, habt Ihr doch ein volles Auftragsbuch?“

Thurosch: „Und was wollen diese ganzen Kretins von mir? Blödsinnige und stumpfe Heldenfallen, absurde Katakomben und langweilige Wehranlagen!

Erst neulich war schon wieder so ein Verrückter hier: schwarzer Mantel, tief ins Gesicht gezogene Kapuze und so ein alberner verwachsener Stab, leichter Schwefelgeruch um ihn herum. Eine Anhäufung von Klischees! Und seine Wunschliste kannte ich schon, als er gerade zur Tür reingekommen ist und noch kein Wort gesagt hat. Angeblich hat der alte Zausel ein Problem mit den lieben Nachbarn. Weil er ja ach so laut schnarche, wolle er gerne einige Räume so abdichten, dass kein Laut nach außen dringen würde. Und wenn meine Leute schon mal dabei wären, hätte er auch noch gerne ein paar kleine „Schönheitskorrekturen“. Der Weg in seinen Keller, wo er seinem Kunsthandwerk nachgeht (Komisches Zeugs, lauter sternförmige Kritzeleien mit komischen Fratzen auf dem Boden, nur mit Kreide und hässlicher roter Farbe dahingeschmiert), solle abwechslungsreicher gestaltet werden, ob ich ihm da nicht mal eben so ein Labyrinth einbauen könnte.“

Dereblick: „Ein Labyrinth?“

Thrurosch: „Ein Labyrinth! Und die Zwinger mit seinen beiden Riesentölen sollte ich auch noch gleich anbinden, die würden gerne etwas mehr Auslauf haben. Und draußen ginge das nicht mehr so gut, seit das Viech mit den zwei Köpfen – keine Ahnung, warum man so eine Missgeburt behält – versehentlich eine Schafsherde gefressen hat. Obwohl die provokante Art der Schafe ja angeblich schuld gewesen sei. Rausgeschmissen habe ich ihn dann, als er dann nach einer Fallgrube gefragt hat, die mit der Türglocke verbunden sein sollte. Er spiele seinen Gästen gerne Streiche…“

Dereblick: „Aber das kann doch nur eine Ausnahme gewesen sein.“

Thurosch: „Papperlapapp. Seit dieser unglücklichen Sache von damals, rennen mir solche Spinner tagtäglich die Türe ein.“

Dereblick: „Die unglückliche Sache…?“

Thurosch: „Ach, im Prinzip war das nur ein bedauerlicher Irrtum. Man kann ja nicht jedem Kunden in den Kopf reinschauen, es gibt immer wieder Leute, die uns arglose Baumeister missbrauchen. Der Kerl so vollkommen vertrauenswürdig aus, er wolle seiner Heimatstadt einen neuen Tempel stiften. Er hat mir auch leidgetan, nur neun Finger, das muss doch einschränken Und die Sache klang doch auch so reizvoll. Etwas abgelegen, an einer Steilküste gelegen, die ich dann untertunneln sollte. Allein die Statik, das war eine echte Herausforderung, das Ganze nur mit den gewünschten 13 Säulen abzustützen. Gut, ich hätte argwöhnisch werden sollen, als meine Leute den Altarraum komplett in Purpur streichen sollten. Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt, sieht man da nur noch das Projekt und sonst nichts mehr. Gemeingefährlich! So hat mich der garstige Mistkerl von der Stadtgarde genannt, ich solle froh sein, dass ich nicht in den Kerker wandere. Kannst du dir das vorstellen, Söhnchen?“

Dereblick (höflich): „Schockierend, diese Impertinenz! Aber Ihr habt doch auch offizielle Aufträge?“

Thurosch: „Pah, der Gipfel der Langeweile. Klar, die Nostrianer zahlen sogar ganz anständig. Aber was wollen die? Dicke Mauern und höhere Türme, hier und da ein paar Schießscharten. Wo ist denn da die architektonische Herausforderung? Als ich denen ein paar schöne Fallenkonstruktionen angeboten habe, mit denen die ihren lächerlichen kleinen Krieg schon längst gewonnen und jeden Angreifer nur so weggefegt hätten, haben die doch rundweg abgelehnt. Zu kompliziert in der Bedienung für ihre Soldaten. Die wollen nur mit Steinen von oben runterschmeißen, diese Ignoranten.“

Dereblick : „Und abseits von Festungsbauten?“

Thurosch: „Nix, seit dieser verdammte Borbarad sein Unwesen getrieben hat, wollen ja alle nur möglichst sicher wohnen. Selbst meine Brüder und Schwestern wollen nur noch stumpfe Tunnel mit massiven Toren. Keine pompösen Festhallen mehr, keine Tempelbauten mehr für Väterchen Angrosch.

Und was kommt stattdessen rein? Leute wie dieser nach Duftwasser stinkende Schönling aus Vinsalt. Ob ich ihm einen Springbrunnen in seine Empfangshalle setzen könnte? Als ich nach dem Gestaltungsschwerpunkt gefragt habe, hat er doch allen Ernstes gefragt, ob „Elfen beim Liebesspiel“ möglich wären. Kopulierendes Elfenpack! Im hohen Bogen rausgeflogen ist der verfluchte Stutzer!

Seitdem steht das Schild da draußen: Keine Horasier und keine Geheimdienstler! Mit solchen Kunden hat man nur Ärger! Unsinnige Konstruktionswünsche und später bei der Abnahme stellen sie sich nur an! Dexter Nemrod – Angrosch habe ihn selig – der wollte doch allen Ernstes Mengenrabatt auf Geheimtüren.“

Dereblick (begeistert): „Ihr habt für den Reichsgroßgeheimrat gearbeitet?“

Thurosch: „Ach, lass uns bloß nicht davon reden. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ständig Nachtarbeit, bei jedem Wetter. Monatelang hab ich für den Burg Rabenmund untertunnelt, Tag und Nacht, die ganze Zeit im Dreck gewühlt, jede Menge Wassereinbrüche inklusive. Und dann hatten die mir die falschen Pläne gegeben und statt im Keller bin ich direkt in der Dienstbotenunterkunft ausgekommen. Das Zimmermädchen nahm gerade ein Bad. Und in dem Moment, wo ich in Schockstarre da stehe und denke, die schreit jetzt los, guckt die Dame mich plötzlich so lüstern an und verkündet, sie könne jetzt einen Riesenalarm machen oder aber, ich täte ihr einen kleinen Gefallen. Sie wollte nämlich schon immer wissen, ob Zwerge wirklich auch untenrum…“

Dereblick (pikiert): „Meister Thurosch, ich danke Euch für Eure interessanten Ausführungen!“

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