Aus Liebe zum Spiel…

„Romantik & Liebe“ als Thema des Karnevals der Rollenspielblogs im Juli ist grundsätzlich ein Zugriff, der für mich immer nur ein Randaspekt innerhalb des Spiel war, schlichtweg weil es dem Spielstil meiner Gruppen nicht entsprochen hat, da war immer mehr Kampf und Intrige angesagt. Mein Zugriff kommt daher mehr von außerhalb des Spiels, indem ich mich mit der Frage auseinandersetzen möchte, inwiefern hier die Liebe zum Spiel die Triebfeder unseres Tuns ist. Schließlich ist ja keiner als Rollenspieler geboren worden, sondern auch dies unterliegt einer Entwicklung.

Phase 1 : Das erste Date

Tatsächlich äußert sich dies in mannigfaltiger Form, indem die Liebe zum Rollenspiel uns in viele unterschiedliche Rollen schlüpfen lässt. Letztlich ist jeder Rollenspieler doch zunächst einmal auf Neugierbasis über Freunde, Bekannte etc. an das große Unbekannte herangeführt worden, etwas, das sich von den Spielen (Brettspiele, Kinderspiele, Computerspiele), die wir bis dahin kannten, insofern unterschied, als dass im Zentrum das Spiel im Kopf steht. Das bringt anfangs oft eine gehörige Skepsis mit sich, die erst überwunden werden will.

Phase 2: regelmäßige Treffen

Nicht jeder kann sich für Rollenspiel begeistern, wen es dann aber gepackt hat, der giert schnell nach mehr. Dazu gehören einerseits regelmäßige Treffen (real oder online), in denen man das Spiel vertiefen kann. Und andererseits gehört auch zumeist ein tieferes Eintauchen in die jeweilige Spielwelt. Hintergrundwelt und Regeln werden sich angeeignet, wozu das Ganze natürlich auch etwas technischere Aspekte erhält. Ohnehin ist das Rollenspiel im übertragenen Sinne eine anspruchsvolle Geliebte, schließlich ist es anders als andere Spiele, verlangt es doch oft stundenlange Treffen und ist keine Sache von 15-45 Minuten, wie bei dem durchschnittlichen Brettspiel.

Phase 3: Vereinnahmung

Zuletzt kommt der Bereich, in dem man eigeninitiativ wird. Man organisiert selber Spielrunden und ist nun eventuell selbst derjenige, der andere Leute an das Spiel heranführt. Dazu gehört im Regelfall auch der Aspekt, dass man die meisten Spielbereiche umfassend erschlossen hat und in vielen Themenfeldern mitreden kann und eigene Positionen zu schwierigen Fragen entwickelt hat.

Mitunter kann dies auch zu gewissen Stilblüten führen, was sicherlich der eine oder andere auch bei sich selbst kennt. So kann ich beispielsweise von mir selbst behaupten, dass ich mich in aventurischer Geographie zumindest in einigen Bereichen besser auskenne als in irdischen Gefilden. Bei manchen Regeldiskussionen oder Hintergrundfragen kommt es mir umgekehrt so vor, als gehen einige derart darin auf, dass das fast schon an missionarischen Eifer grenzt (oder darüber hinaus geht), mit welcher Emotionalität über Kleinstfragen diskutiert werden kann. Hier tun sich für den aufmerksamen Beobachter auch teilweise sehr amüsante Widersprüche auf, wenn manche Diskutanten von sich behaupten, mit einem Spiel nichts mehr zu tun haben zu wollen und ohnehin alles schlecht zu finden, was daraus gemacht wurde, trotzdem aber die Bereitschaft mitbringen, fast täglich darüber zu diskutieren und offenbar immer noch auf dem neuesten Stand sind.

Umgekehrt beginnt hier dann natürlich auch der Horizont, an dem man kreativ mit System und Spielwelt seiner Wahl umgehen kann: Sprich, man ist in der Lage, neben Kaufprodukten auch eigene Abenteuer zu kreieren und die Spielwelt selber weiterzuentwickeln (so man das wünscht). Ein Extrembeispiel aus dem DSA-Bereich wäre dabei Tharun, das schnell eingestellt wurde, von einigen Spielern bis zum Reboot über viele Jahre trotz des Mangels an externem Input einfach weitergestaltet wurde.

Das kann sogar noch weitergehen, bis hin zu dem Moment, an dem man selbst im Publikationsbereich tätig wird, sei es im Eigenverlag oder als Schreiber, Zeichner, Verlagsangestellter etc. bei professionellen Verlagen. Aber auch auf anderen Ebenen kann das Rollenspiel einen weiter vereinnahmen, sei es durch Konventions, die Teilnahme an diversen Foren oder das betreiben eigener Webseiten.

Ewige Liebe?

Auch hier scheint es durchaus Parallelen zum realen Leben zu geben: Nicht jeder bleibt bei der „ersten Liebe“, stattdessen ergeben sich schnell andere Optionen, schließlich gilt es auch hier, seine Vorlieben zu ergründen und das zu finden, was am besten zu einen passt. Und letztlich mag auch hier eindeutig nicht jeder monogam leben, schließlich gibt es jede Menge Spieler, die weit mehr als nur eine Spielrunde und nur ein System/ eine Spielwelt haben.

Und natürlich verläuft auch ein Rollenspielerleben nicht immer frei von (Sinn-)Krisen, einerseits kann mit der Zeit auch eine langweilige Routine auftauchen, wenn man das Gefühl hat, nichts Neues mehr zu erleben in einer vielleicht ausgespielten Welt. Genauso kann es schwierig werden, Veränderungen zu akzeptieren (Stichwort: Editionswechsel), die das Spielgefühl verändern und dafür sorgen, dass man sich nicht mehr heimisch fühlt. So oder so registriert man Veränderungen im Spiel umso intensiver, je besser man sich innerhalb einer Spielwelt auskennt. Wie man damit umgeht, hängt dann wohl auch vom Grad der eigenen Liebe zu Spiel ab.

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