Aventurien für die Ohren: Freund oder Feind

Vorbemerkung: Nach dem für mich durchwachsenen Start ist nun mit „Freund oder Feind“ der zweite Teil der neuen DSA-Hörbuchreihe von Audionarchie und WinterZeit Audiobooks erschienen, der die Erlebnisse der Gruppe um den Zwerg Gundar Gemmenschneider fortführen soll. Der Auftakt wusste durch seine hochprofessionelle Machart zu überzeugen, hatte aber in Sachen aventurische Stimmigkeit seine Defizite.

Die Story

Die Geschichte setzt genau da an, wo „Im Kerker von Gareth“ endete: Gundar und seine Gefährten machen sich im Auftrag von Lares vom weißen Turm auf, um seinen verlorenen Siegelring zurückzubringen, welcher sich im Familienwohnsitz befindet, der nun unglücklicherweise in den Schwarzen Landen liegt (die Geschichte spielt im Jahr 1027 BF). Zuvor jedoch gilt es ein erstes wichtiges Problem zu lösen, bis auf die Kriegerin Leonida sind alle Mitglieder der Gruppe nach ihrer Flucht aus dem Gefängnis ohne Waffen unterwegs. Bei der Beschaffung verlassen sie sich auf die Streunerin Alinne, die offensichtlich über Unterweltkontakte verfügt.

Allerdings läuft dabei – wie sollte es bei aventurischen Helden auch anders sein – längst nicht alles glatt und so werden sie mit gleich zwei gefährlichen Gegenspielern konfrontiert, zum einem dem Banditen Renk und zum anderen ihrem Verfolger, Bardo von Faldir, dem offensichtlich korrupten Befehlshaber der Stadtwache von Gareth. Ein Schwerpunkt liegt natürlich auch auf der zunehmenden Interaktion der Charaktere, die sich zumeist noch in kleinen Streitereien äußert, allerdings gilt es nun auch ein erstes Mal, sich als Kampfgefährten zu beweisen. Zudem wird ein Teil der Hintergrundgeschichte von Alinne aufgedeckt.

Kritik

An und für sich könnte ich an dieser Stelle mit kleinen Änderungen meine Kritik zu „Im Kerker von Gareth“ erneut einfügen, da Lob und Kritikpunkte sich im Falle von „Freund oder Feind“ nicht wesentlich verändert haben.

Nach wie vor weiß der hohe Produktionsstandard zu gefallen, die bekannten und markanten Sprecher füllen ihre Rollen gut aus und können auf diese Art ihren Figuren eine gehörige Portion Charakter und Unterscheidbarkeit verleihen.

In die Geschichte kommt insgesamt jetzt auch mehr Bewegung, da die Charaktere nun ein gemeinsames Ziel haben. Zwar sprießen die Entwicklungen bisher noch eher spärlich, aber zumindest Alinne erhält jetzt mehr Profil. Dafür hoffe ich, dass sich in der Konstellation Gundar/Hothgar/Filoen bald mehr ergibt als die langsam ermüdenden ständigen Zankereien, was gerade in der Zwerg/Elf-Beziehung ohnehin sehr klischeehaft wirkt. Beispielsweise ist es etwas merkwürdig, dass sich die Figuren viel zu häufig mit ihren Charakterklassen (Streunerin, Kriegerin etc.) ansprechen, statt ihre Namen zu verwenden. Der Sinn dahinter ist zwar klar, die Zuhörer sollen die Rolle verinnerlichen, auf Dauer klingt das aber arg künstlich. Zudem erweist sich die alte Weisheit als richtig, dass die Schurkenrollen attraktiver sind, die Szenen, in denen Bardo seinem Auftraggeber Bericht erstattet, sind mitunter die besten.

Nichtsdestotrotz sind einige Logiklöcher vorhanden. (Ab hier massive SPOILER) So wirkt das Opfer von Renk massiv unglaubwürdig: Wieso sollte man für jemanden eine tödliche Verletzung riskieren, den man nur Momente zuvor noch voller Inbrunst massakrieren wollte? Auch erschließt es sich mir nicht, wie ein Auftraggeber, der die Ressourcen für einen Angriff auf ein Gefängnis besitzt, die von ihm auserkorenen Streiter ohne Waffen in die wohl gefährlichste Region Aventuriens schicken sollte.           Ähnlich verhält es sich mit Bardo. Es ist vollkommen unrealistisch, den Kommandanten der Stadtwache der größten Stadt Aventuriens zu ermorden (noch dazu auf so eine offensichtliche Weise, bei der sich nichts verschleiern lässt, wie beispielsweise bei einem Giftmord), ohne dass dies immense Aufmerksamkeit erwecken würde.

Letzteres reiht sich ein in die Kritikpunkte in Sachen „aventurische Stimmigkeit“. Ich verstehe durchaus, dass es bei einer Publikation, die auch für den Massenmarkt tauglich sein soll, nicht unbedingt förderlich ist, massenweise Begriffe und Sachverhalte zu erwähnen, die man nur versteht, wenn man den Kurs „Aventurien für Fortgeschrittene im 3. Kreis der Verdammnis“ belegt hat, allerdings sind es hier auch schlichtweg eine Summe von Kleinigkeiten, die man nur leicht ändern müsste, ohne das es Neueinsteiger stören würde. So passt es beispielsweise nicht, wenn bei der Waffenbeschaffung die Örtlichkeit konsequent „das Dorf“ genannt wird, das wirkt sogar auf komplette Neulinge irgendwann verstörend. Irgendein Dorf in der passenden Lage auf der Reiseroute auf einer Regionalkarte auszuwählen, wäre kein großer Umstand gewesen. Zudem werden wieder vollkommen unbekannte Figuren zu Spielweltgrößen ernannt, immerhin wird Renk kurzerhand zum „Anführer der schlimmsten Räuberbande zwischen Gareth und den Trollzacken“ ernannt. Und wenn die Gruppe beim Waffenkauf als Bezahlung einen hochwertigen Ring verwendet, legt die Waffenhändlerin, die über Waffen von „den besten Waffenschmieden Aventuriens“ verfügt, mal eben noch „eine Packung Giftpfeile“ dazu. Auch hier handelt es sich um Kleinigkeiten, die dem DSA-Kenner merklich aufstoßen, das etwas runterzufahren, würde keinen Neuling stören.

Ich fürchte, dass sich dieser Kritikpunkt weiterhin durchziehen wird, da dem Anschein nach die erste Staffel schon komplett eingesprochen wurde. Für die zukünftigen Erscheinungen würde ich mir allerdings wünschen, dass doch noch einmal eine Expertenmeinung eingeholt wird, um zumindest grobe Patzer zu vermeiden.

Fazit

„Freund oder Feind“ entwickelt die Geschichte der unfreiwilligen Schicksalsgemeinschaft weiter und gibt den Figuren nun mehr Aktionsraum, auch die Dramatik der Handlung nimmt zu. Allerdings merkt man nach wie vor, dass die Macher die Spielwelt nur recht oberflächlich kennen und somit einige Unstimmigkeiten erzeugen, die zum Teil sehr einfach zu vermeiden gewesen wären. Gerade für Aventurien-Kenner ist die Summe dieser Punkte doch etwas ärgerlich.

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