Eine Auszeit für den Dereblick

Vorbemerkung (und diesmal auch gleichzeitig Vorwarnung): Auch wenn der Fokus dieses Blogs eindeutig fernab der Realität liegt, muss ich meinen Fokus mit dem heutigen Beitrag als absolute Ausnahme einmal in irdische Gefilde verlegen und mich mit der aktuellen Politik auseinandersetzen, weil sie meine Blogtätigkeit unmittelbar betrifft.

Seit über 5 Jahren betreibe ich den Dereblick und nach wie vor macht es großen Spaß, sich 1-2 Mal pro Woche hinzusetzen und einen neuen Beitrag in die Tasten zu hauen. Und jeden Tag freut es mich, wenn ich sehe, dass das auch eine gewisse Resonanz erfährt, also jeden Tag Menschen neue oder ältere Beiträge lesen, um sich über DSA und meine Gedanken dazu zu informieren. Am Donnerstag, den 21.3. werde ich damit allerdings für einen Tag aussetzen, dann wird der Dereblick nicht erreichbar sein. Keine Sorge, ich plane natürlich nicht, hier den Laden dicht zu machen, dazu habe ich viel zu viel Lust am Bloggen.

Warum das Ganze?

Aber es gibt auch immer wieder Momente, in denen das Bloggen weniger Spaß macht, exakt immer dann, wenn man mit realitätsfernen Bestimmungen konfrontiert wird: Konkreter Anlass ist der geplante Artikel 13 der EU-Copyrightreform (mehr Informationen hier). Sollte dieser im April wirklich durchkommen, sind die Folgen für freie Meinungsäußerung im Internet kaum absehbar.

Sicherlich handelt es sich dabei um keine Frage, die in simplem Schwarz-Weiß-Denken abzutun ist. Ich verstehe, dass es viele Kreative gibt, die sich aus guten Gründen für eine Stärkung des Urheberrechts einsetzen. Allerdings ist das Mittel der Uploadfilter – zumindest in der angedachten Form – aus meiner Sicht keine taugliche Wahl. Vielmehr stellt es für mich eine Gefährdung vieler traditioneller Austauschformen im Netz dar.

Ich bin mir zwar relativ sicher, dass mein Treiben hier im Dereblick vergleichsweise wenig betroffen sein wird, allerdings ist auch dies nicht auszuschließen, da ich ja als Rezensent auch immer fremdes Gedankengut als Grundlage verwende, dabei auch Cover als Artikelbilder verwende oder auch schon mal Passagen aus Printwerken zitiere. Viel dramatischer sehe ich aber die Anforderungen, die damit Forenbetreibern und anderen größeren Plattformen aufgelastet werden. Immerhin geht es hier mehrheitlich um Menschen, die viel Freizeit opfern, um ihrem jeweiligen Hobby Präsenz zu verschaffen und nicht um solche Zeitgenossen, die aus kommerziellen Gründen gegen geltendes Urheberrecht verstoßen. Und nicht zuletzt halte ich auch eine missbräuchliche Nutzung für nicht ganz unwahrscheinlich.

Phantast*innen gegen Artikel 13

Aus diesem Grund schließe ich mich dem Protest vieler Internetseiten am 21.3. an. Erfreulicherweise hat sich gerade im Bereich der Rollenspielseiten eine relativ breite Front gefunden, die ähnliche Bedenken haben. Unter dem Label Aktion Phantast*innen gegen Artikel 13 am 21.03.2019 haben sich daher viele wohlgeschätzte Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedensten Bereichen der Phantastik zusammengefunden, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Sicherlich ist das trotz allem nur ein überschaubarer Kreis mit einer – nimmt man die gesamte EU als Maßstab – ebenso überschaubaren Reichweite. Trotzdem halten wir es für eine Möglichkeit, auf die Folgen einer solchen Einschränkung hinzuweisen, indem es im Bereich der deutschen Phantastikseiten am Donnerstag sehr still sein wird. Schon das neue Datenschutzgesetz hat viele Blogs, Foren, Vlogs etc. verstummen lassen und auch hier könnte es für nicht wenige der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Übertropfen bringt und einem die Lust an seinem Hobby nehmen kann. Daher ist eine solche Aktion unsere Möglichkeit, die Folgen solch einer zu kurz gedachten Gesetzgebung zu simulieren. Auch mir wird der Tat sicherlich komisch vorkommen, wenn meine gewöhnlichen Klickroutinen mehrheitlich ins Leere laufen werden. Und mit Schwergewichten wie Wikipedia befindet man sich mit dem Protest auch in sehr prominenter Gesellschaft.

Wer wissen möchte, wie man selbst seinen Widerspruch gegen die geplante Reform äußern kann, den verweise ich gerne auf diese Seite, dankenswerter Weise bereitgestellt von den Kolleginnen und Kollegen von PnPnews.

Ich lege großen Wert darauf, dass es hier keinesfalls um eine Beeinflussung gehen soll, im Endeffekt sollte sich hier jeder seine eigene Meinung bilden und ich erwarte nicht, dass jeder die meinige teilt. Allerdings halte ich den geplanten Eingriff für gewichtig genug, dass ich jedem dringend dazu raten möchte, sich über das geplante Vorhaben zu informieren.

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