Rezension: Hundstage

Vorbemerkung: Wie zuletzt schon erwähnt, gibt es aktuell – anscheinend bedingt durch die große Crowdfunding-Schlange – keine Neuerscheinungen für DSA (zumindest in Print-Form, Vorab-PDFs erscheinen sogar sehr viele, die kann und will ich hier aber vor dem endgültigen Erscheinen nicht besprechen). Immerhin gibt mir das die Zeit, mal ins Regal zu greifen und wieder ein paar ältere Sachen anzuschauen. Kürzlich habe ich dabei die Novellen-Reihe Hundstage antiquarisch erworben (auf diesem Wege übrigens noch gut erhältlich). Die kurzen Bändchen zu je 60 Seiten laden tatsächlich dazu ein, zwischendurch in kleinen Pausen gelesen zu werden. Aufgrund der Kürze will ich aber nicht die Einzelbände besprechen, sondern gleich eine Gesamtschau vornehmen, immerhin handelt es sich ja um eine zusammenhängende Story, allerdings verfasst von verschiedenen AutorInnen.

I. Aufbau und Inhalt

Insgesamt besteht die Reihe aus 5 kurzen Einzelbänden. Im Einzelnen sind das:

Hundesöhne von Carolina Möbis

Hundswache von Henning Mützlitz

Hundeleben von Christian Humberg

Hundeelend von Dorothea Bergmann

Hundsfott von Carolina Möbis

Im Endeffekt ist die Grundgeschichte an den Kriegsfilm Das dreckige Dutzend angelehnt: 12 Gefangene erhalten eine Bewährungschance, die ihnen ein Wiedererlangen ihrer Freiheit und eine zusätzliche Belohnung in Form klingender Münzen verspricht. Allerdings handelt es sich dabei um ein wahres Alveranskommando, sollen sie doch einen jungen Widerstandkämpfer namens Travin aus dem besetzten Tobrien befreien. Ein Borongeweihter nimmt allen Teilnehmern der Mission zuvor einen Eid ab, der dafür sorgen soll, dass sie auch wirklich aus Sorge um ihr Seelenheil zurückkehren. Die zusammengewürfelte, aber kampferprobte Truppe schlägt sich dabei sogar nicht schlecht, doch einem ersten Erfolg in Form der Befreiung Travins folgt rasche eine herbe Enttäuschung, als der schnelle Fluchtweg jäh abgeschnitten wird und die Gruppe sich quer durch die von Borbarads Erben besetzten Lande durchschlagen muss.

Die einzelnen Episoden erzählen folglich die wechselhafte Geschichte dieser Flucht: Dabei gibt es einen stetigen Wechsel von Etappen, in denen die Söldner schnell vorankommen, immer wieder geraten sie aber auch an Gegner, denen sie entweder entkommen müssen oder die sie im Gefecht bezwingen müssen. Zwischenzeitlich stellen sich auch Phasen der Gefangenschaft ein, aus der es wiederum zu entkommen gilt. Im Zuge dessen bleiben Verluste nicht aus, so dass die Gruppenstärke stetig schwindet. Zudem ergeben sich neue Bekanntschaften: Travin wird von dem Meckerdrachen Culex begleitet, der sich als wertvoller Späher und Ratgeber erweist. Unklar ist die Rolle des Magiers Kuno, der lange im Verborgenen wirkt, allerdings immer wieder zugunsten der Söldlinge eingreift. Als hartnäckiger Verfolger fungiert zuletzt der Kor-Geweihte Wulf Korninger, der aus unbekannten Gründen Travin unbedingt fassen möchte. Als nützlich entpuppt sich die vielseitige Zusammensetzung des Söldnerhaufens, in denen jeder unterschiedliche Fähigkeiten einbringen kann, die dafür sorgen, dass sie viele Gefahren meistern können, obwohl die Chancen schlecht stehen.

II. Figuren

Die Söldnergruppe steht zunächst eindeutig im Mittelpunkt, wobei es sich um eine bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Figuren handelt. Als eine Art Anführer kristallisiert sich bald der umsichtige Al´Anfaner Anturon heraus, der bei weitem der umsichtigste Kämpfer ist und mit seiner bedachten Art seine GefährtInnen mehrfach vor groben Fehlern bewahrt. Als ortskundiger Tobrier ist Gladius sehr wertvoll, allerdings agiert er stets sehr verschlossen und als Einzelgänger, der an den anderen wenig interessiert ist. Viele der Söldlinge sind eher Frauen und Männer fürs Grobe, wie der derbe Thorwaler Lasse und die Gjaslkerin Dhara. Ebenfalls in diese Kategorie fällt der Söldner Hagen, der allerdings charakterlich vor allem Sadismus und Rücksichtslosigkeit einbringt. Als Gegenentwurf entwickelt sich hingegen Oswin, der sich – abhebend von dem Zynismus und Fatalismus seiner KameradInnen – einen Rest Menschlichkeit bewahrt hat.

Im Verlauf der späteren Episoden spielen Travin, Kuno und Wulf immer wichtigere Rollen. Travin ist dabei nicht nur die menschlichste Figur, die auch immer mehr positive Einflüsse auf ihre Befreier nimmt, sondern erweist sich auch als fähiger Heiler, was mehr als einmal lebenswichtig ist. Kuno mit seinen magischen Fähigkeiten ist ein häufiger Notretter, allerdings ist seine Figur so ambivalent angelegt, dass man seine Motive nie deutlich erfassen kann. Wulf hingegen kommt die Rolle des eindeutigen Antagonisten zu, der allerdings erst im letzten Erzähldrittel greifbarer wird, als er den Flüchtenden immer näher kommt.

III. Kritik

Ich muss eindeutig sagen, dass ich an die Novellenreihe mit großer Skepsis herangegangen bin, auch weil mir hier der Begriff der Novelle literarisch vielleicht etwas hoch gegriffen erscheint, da die Geschichten inhaltlich ziemlich pulpig/trashig daherkommen und somit eher in der Tradition von Heftromanen stehen (was jetzt keineswegs abschätzig gemeint ist).

Dafür spricht relativ deutlich der sehr holzschnittartige und gradlinige Aufbau der Erzählreihe. Die Charaktere mögen zwar in ihrer grundsätzlichen Beschreibung buntgemischt wirken, charakterlich sind sie aber extrem eindimensional gehalten und verkörpern klassische Figuren (oder eben auch Stereotypen), die man aus Filmen und Romane um Söldnergruppen kennt. Allesamt sind eher grobschlächtig und wenig zimperlich veranlagt und sind vor allem auf ihren Profit bedacht. Ihr hartes Leben hat sie zynisch gemacht und allen ist bewusst, dass ihre Leben sehr schnell vorbei sein kann. Grundsätzlich unterscheiden sie sich nur in einzelnen Eigenschaften, die sie für die Gruppe variabel einsetzbar werden lassen. Hagen und Gladius sind herausragende Kämpfer, Geppert ein fähiger Dieb, Anturon ist der Denker der Truppe usw. Bei fast allen Figuren wird die Vorgeschichte maximal angedeutet und gerade in der Söldnergruppe bleiben zu Beginn einige Mitglieder fast gänzlich ohne Profil, dementsprechend findet gerade in den ersten beiden Teilen eine massive Dezimierung statt.

Gleiches gilt für die Gesamterzählung, die ein stark unterschiedliches Tempo einnimmt. Gerade in den Übergängen zwischen den Einzelbänden wird oft Handlung gerafft, um dann die nächste Situation zu erschaffen, die dann im Detail geschildert wird. Im Regelfall handelt es sich dabei um das nächste Hindernis auf ihrer Flucht und gerade zu Beginn fordert jedes dieser Hindernisse fast schon vorhersehbar die nächsten Opfer unter den Söldlingen. Auch dort wird allerdings immer recht wenig das große Ganze beschrieben, sondern mehr Wert auf kleinere Details gelegt, z.B. die Beschaffenheit eines Terrains oder eines Raumes oder auf die teils sehr derben Gespräche der Figuren untereinander. An manchen Stellen konnte ich als Leser weder die Handlungen noch die Gedankengänge der Figuren nachvollziehen, z.B. wenn wiederholt Konfrontationen gesucht werden, die absehbar in neue Schwierigkeiten führen oder wenn manchmal die Motive einzelner Charaktere nicht wirklich hinterfragt werden (z.B. bleibt die Rolle von Kuno bis zur letzten Seite diffus, generell werden viel zu wenig Motive fast aller handelnden Figuren aufgelöst).  

Zusammengefasst ist das nicht unbedingt sonderlich originell und auch nicht allzu tiefgründig, vor allem führt dies auch kaum dazu, dass man sich mit den Charakteren irgendwie identifizieren könnte. Umgekehrt jedoch muss ich dann aber auch sagen, dass mich das episodenhafte Erzählen durchaus gut unterhalten hat. Konflikte werden schnell aufgebaut und ebenso rasch wieder aufgelöst, gerade für kurze Leseepisoden ist das sehr praktisch. Und letztlich ist auch ein gutes Maß an Spannung vorhanden, wenn man sich fragt, wie die Gruppe sich diesmal aus dem Schlamassel befreien wird (und wessen Kopf dies kosten wird und wer überlebt). Jede Episode setzt dabei einen anderen Schwerpunkt: Hundesöhne fungiert als grobe Exposition und hat als Höhepunkt die Befreiung Travins, Hundswache schildert die wechselhaften Begebenheiten auf der Flucht, während Hundeleben die unmenschlichen Zustände in Tobrien anschaulich zeigt, Hundeelend setzt in einem verlassenen Schloss auf einen hohen Horroranteil und Hundsfott inszeniert die finale Konfrontation mit den Verfolgern. Das ist unterm Strich abwechslungsreich und kurzweilig. Man merkt vor allem, dass die AutorInnen talentiert sind und aus der einfachen Grundgeschichte einiges machen, vor allem durch atmosphärische Einzelszenen.

IV. Fazit

Hundstage ist eine kurzweilige Novellenreihe. Die Story der 5 Einzelbände ist inhaltlich recht einfach gehalten und vor allem die Charaktere sind sehr eindimensional konstruiert. Die unterschiedlichen Episodenschwerpunkte sind dafür aber unterhaltsam und abwechslungsreich geschrieben und eignen sich somit als schnelle Lektüre für Zwischendurch, allerdings darf man eben keinen besonderen Tiefgang erwarten, vor allem sind einige Logiklöcher vorhanden.               

1 Kommentar

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