Rezension: Werkzeuge des Meisters

Vorbemerkung: Den Kern des Werkzeuge-Crowdfundings macht ja eigentlich nicht der vieldiskutierte Print-Band Aventurische Meisterschaft aus, sondern im Prinzip handelt es sich um die Aufnahme einer sehr alten Idee aus den Kindertagen von DSA, als in der gleichnamigen Box Aufsteller verwendet werden sollten, um Spiel- und Kampfsituationen darzustellen. Aufgrund der skurrilen Umsetzung in den 80er Jahren lag dies lange brach, ehe in der Einsteigerbox Das Geheimnis des Drachenritters eine ähnliche Verwendung von Bodenmarkern, von Ulisses Blips genannt, vorgenommen wurde. Da das Feedback hier offenbar gut gewesen ist, wurde der Ansatz im Crowdfunding fortgeführt und erweitert. Die folgende Rezension bezieht sich allerdings ausschließlich auf die Werkzeuge des Meisters- Box I, da ich die beiden anderen Boxen nicht besitze.

In Zahlen:

– 175 Acrylmarker

– 4 großformatige Bodenpläne

– 2 Begleithefte (darunter das 46seitige Regelheft Auf ins Gefecht)

I. Inhalt

Wichtigstes Element sind natürlich die Acrylmarker selbst, von denen der Box insgesamt 175 beiliegen. Darauf sind die einzelnen Wesen abgebildet, ein Pfeil markiert zudem die Vorderseite (quasi die Blickrichtung). Diese sind in vier unterschiedliche Größenkategorien unterteilt, von riesig bis klein, was jeweils auch der Größe des abgebildeten Wesens entspricht: So sind die Marker für Krakenmolch und Waldschrat besonders groß, Trolle und Oger sind wiederum großer als Menschen und Orks, während Gotongis und Ratten die kleinsten Marker erhalten. Positionieren kann man die Marker auf großen doppelseitigen Bodenplänen in 2x DIN A1 (mit Abbildungen von Burg, Kulttempel, Marktplatz und Wiese) und 2x DIN A2 (mit Abbildungen von Wegherberge, Höhle, Straßenabschnitt und Wald). Entfernungen können mit je zwei Radius- und Bewegungsschablonen abgemessen werden, was für Zauber, Nah- und Fernkampfangriffe wichtig ist. Zur Markierung von weiteren besonderen Punkten auf den Bodenplänen sind zusätzlich noch einige Questmarker aus Pappe enthalten, mit denen man Gegenstände, Missionsziele etc. kennzeichnen kann.

Viel los im Gasthaus

Weiterhin sind zwei Printhefte enthalten, wobei die Markerübersicht einen Abdruck der einzelnen Marker enthält und konkret benennt, was sie abbilden (denn es steht auf dem Marker selbst keine Bezeichnung, also dass es sich z.B. um einen Räuber handeln soll), geordnet nach den Größenkategorien. Besonders wichtig ist aber das Begleitheft Auf ins Gefecht. Hier werden auf 46 Seiten alle regeltechnischen Aspekte erläutert. So finden sich zunächst Erklärungen zu den Markern und den Bodenplänen (eben die oben genannten Informationen zu Markergröße, Planinhalten etc.). Dann werden konkrete Regelaspekte benannt, z.B. wie man die Bewegungs- und die Radiusschablone verwendet. Zur Veranschaulichung sind dabei auch immer visuelle Darstellungen beinhaltet, die die Bodenpläne und Marker in Beispielsituationen zeigen. Gleichermaßen werden die Reichweite von Angriffen und der Umgang mit Hindernissen thematisiert. Dem schließen sich Ergänzungen zu einigen Kampfsonderfertigkeiten an, wie diese bei der Verwendung der Acrylmarker modifiziert werden müssen. Um die Box direkt einsetzen zu können, sind abschließend vier doppelseitige Beispielszenarien existent (Der Streit auf dem Marktplatz, Die Räuber im Wirtshaus, Der Hinterhalt im Wald, Die verbotene Höhle). Eine Illustration zeigt den entsprechenden Bodenplan und die Markeraufstellung, auf der anderen Seite wird im Text der Hintergrund des Szenarios erläutert (mitsamt einem Infokasten mit allen benötigten Komponenten und Besonderheiten), außerdem gibt es einen kurzen Vorlesetext zur Einführung.

II. Kritik

Als ich damals im Zuge der Einsteigerbox erstmals von der Idee mit den Bodenmarkern gehört hatte, war ich eher skeptisch, ob das nicht eher eine unnötige (und wahrscheinlich für SpielerInnen recht kostspielige) Angelegenheit ist. Allerdings habe ich dann die Marker selber als Spielleiter für das Einstiegsszenario der damaligen Box (Die Räuber vom Dunkelwald) verwendet und fand sie tatsächlich ausgesprochen nützlich zur visuellen Darstellung der Kampfsituationen.

Die Werkzeuge des Meisters setzen an dieser Stelle nochmal deutlich tiefgehender an, indem neben der bloßen Visualisierung nun viel mehr Zusatzaspekte angesprochen werden, bis hin zu regeltechnischen Grundgedanken. Was mir dabei gefällt, ist der Umstand, dass es tatsächlich bei durchaus sinnvollen Grundgedanken bleibt und es nicht zu extrem in die Tiefe geht. Im Kern sind die Marker immer noch primär eine visuelle Hilfestellung. Und umgekehrt kann es sicher nicht schaden, zumindest ein paar taktische Aspekte hinzuzufügen, z.B. wenn Entfernungen zwischen Gegnern einfach ermittelt und logisch durchdacht ins Spiel eingebunden werden.       

Nach wie vor ist aus meiner Sicht der wertige Inhalt hervorzuheben. Die Marker sind stabil und mit den bekannten, hübschen Illustrationen versehen. Besonders gut gefallen mir die großformatigen Bodenpläne, auf denen man die Szenarien aufbauen kann. Durch die sehr generische Wahl an Hintergründen sind diese sicher auch vielseitig einsetzbar. Tatsächlich regen Karten wie der Kulttempel die Fantasie schon ausreichend an, um auch im Storybereich schon eigene Ideen zu entwickeln.

Die Begleitung durch Auf ins Gefecht ist aus meiner Sicht weitgehend gelungen. Alle notwendigen Aspekte werden anschaulich erläutert, sowohl auf der Textebene als auch mit grafischen Hilfestellungen. Was mir an dieser Stelle lediglich auffällt, ist die Größe der Abbildungen. Hier hätten oft sicher auch kleinere Illustrationen ausgereicht, das längt das Heft doch sehr, aus meiner Sicht hätte ein dünneres Heft mit entsprechend kleineren Illustrationen genügt. Ebenso ist das Heft mit den reinen Abbildungen der Marker nicht unbedingt notwendig, letztlich leistet es lediglich eine Zuordnung der Marker zu ihren Bezeichnungen. Sehr gut gefällt mir dafür die Idee, noch vier kleine Szenarien zur Verfügung zu stellen. Diese sind wohlgemerkt nur sehr grobe Anregungen im Bereich der Hintergrundgeschichte und fokussieren sich natürlich eher auf die Kampfaufstellung, liefern trotzdem aber einen Mehrwert, vor allem dann, wenn man bereit ist, hier noch ein wenig Eigenarbeit zur Ausgestaltung zu investieren.   

Was ich schwer einordnen kann, ist der Preis. Ich kann die Produktionskosten nicht wirklich einschätzen, gerade was die Acrylmarker betrifft. Wie oben erwähnt halte ich den gesamten Inhalt für durchaus wertig, allerdings sind 60 Euro auch nicht gerade ein Pappenstiel, vor allem wenn man sieht, was man teilweise an Printmaterial für den gleichen Preis bekommt. Letztlich hat mich das auch davon abgehalten, die beiden anderen Boxen zu kaufen. Hier spielt sicher auch der Aspekt hinein, dass es sich eben nicht um Produkte handelt, die man zum Spielen unbedingt benötigt, sondern die eher in die Kategorie nettes Hilfsmittel (nett ist hier ausdrücklich positiv besetzt) fallen. Zudem muss jeder auch für sich selbst entscheiden, wie realistisch ein häufiger Einsatz am Spieltisch ist.

III. Fazit

Die Werkzeuge des Meisters stellt mit den Markern und den Bodenplänen sehr nützliche Hilfsmittel zur Verfügung, um Kämpfe im Rollenspiel auch visuell darstellen zu können. Das Material wirkt sehr wertig, das zusätzliche Begleitheft gibt dem Ganzen noch etwas mehr taktische Tiefe, ohne ins Komplexe und Anstrengende abzurutschen. Ob der Preis abschreckend wirkt (vor allem wenn man gleich alle drei Boxen ins Auge fasst, womit man dann immerhin schon bei 180 Euro liegt), muss man letztlich für sich selbst entscheiden, gerade auch bei einem Produkt, dass eher in die Kategorie „hilfreiche Ergänzung“ fällt.

Bewertung: 5 von 6 Punkten                    

2 Kommentare

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