Rezension: Das Tosen über Liretana

Vorbemerkung: Was vor Jahresfrist noch unrealistisch erschien, nimmt immer mehr Formen an. Mit dem 5. Band Das Tosen von Liretana von Dominic Hladec, Nikolai Hoch und Rafael Knop bewegt sich die Sternenträger-Kampagne langsam auf ihre Zielgerade vor. Bisher hatte die Reihe aus meiner Sicht zwar starke Kulissen vorzuweisen, immerhin ist man ja auf den Spuren der alten Hochelfen unterwegs, dafür konnte sie mich allerdings inhaltlich weniger überzeugen. Vor allem liegen mir zu viele Handlungsschienen aus und der Einfluss, den man auf die Entwicklung nehmen kann, ist mir zu gering. Allerdings war der letzte Band Das Sturmgeheul Shiyadurs in dieser Hinsicht durchaus ein Schritt nach vorne, also hoffe ich, dass dies nun fortgesetzt wird.

In Zahlen:

– 64 Seiten

– 5. Band der Kampagne

– Preis: 17,95 Euro

– Erschienen am 27.1. 2022

I. Aufbau und Inhalt

Weiterhin handelt es sich um eine Reisekampagne, auch diesmal ist man mit der Bahalyr unterwegs, wobei man sich in der Region um das Bornland, die Rote und die Schwarze Sichel und sogar Transysilien befindet. Nach dem Abenteuerüberblick setzt das konkrete Geschehen an, das unter anderem davon bestimmt ist, dass das fliegende Elfenschiff mittlerweile in der Region einiges an Aufmerksamkeit erregt hat, was zu Begehrlichkeiten führt. Die Spielercharaktere folgen umgekehrt ihrem letzten Hinweis und sind auf der Suche nach der alten Hochelfenstadt Liretana, wobei ihnen eine Elfensippe behilflich sein kann.

Dabei ergeben sich einige besondere Begebenheiten, u.a. dringt man in das Einflussgebiet eines gefährlichen Gegners vor, der selbst für die Bahalyr eine sehr reale Bedrohung darstellt, was zu einigen sehr kampflastigen Szenen führt. Nach wie vor gibt es aber immer wieder auch Berührungspunkte zu den Etappen der Phileasson-Saga, so dass diesmal das Tal der Türme aufgesucht werden kann. Tatsächlich erfolgt daraus sogar eine sehr weitreichende Begegnung, wenn plötzlich merkwürdige Vorkommnisse das Bordleben beeinflussen. 

Wenn Liretana erreicht wird, setzt wieder eine längere Traumsequenz ein, in der man sich mit der hochelfischen Vergangenheit auseinandersetzen muss, wobei man einmal mehr Amalaias Spuren folgt. Diesmal gilt es allerdings, die Traumwelt in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Auch hier ergeben sich wieder jede Menge fantastische Momente, kann man doch im Abenteuer Feen, Hochelfen, Drachen, Werwölfen etc. begegnen. Für Liretana existiert eine Stadtbeschreibung mitsamt einer Karte, angereichert um viele Szenen, die man dort erleben kann. Der Abschluss sollte dazu führen, dass der Gruppe das letzte Ziel bewusst wird, zu dem man sich dann im abschließenden Band begeben muss. Das Finale dieser Episode findet allerdings wieder in der realen Welt statt und fordert ein weiteres Mal vor allem die kämpferischen Fähigkeiten.

II. Figuren

Veränderungen stehen an, was die Mannschaft der Bahalyr betrifft, wächst diese doch im Laufe des Bandes um zwei Besatzungsmitglieder an. Einerseits handelt es sich um eine geheimnisumwitterte Figur, die sich auch erst nach und nach zu erkennen gibt. Für die gesamte Mission besonders wichtig ist das Kind Dhashiya, da sie ebenfalls mit Amalaias Seelenlied verbunden ist und ihr Schicksal ergründen möchte.

Anastasius, Seri und Tasja kommen diesmal vor allem als Magiewirker zum Einsatz, gilt es doch, sich gegen einige Feinde zu verteidigen, die es gezielt auf die Bahalyr abgesehen haben, womit die Heldengruppe auf die NSC als Unterstützer angewiesen ist. Wie immer ergeben sich auch hier einige Antagonisten, die sich im Laufe des Abenteuers zu erkennen geben.

In der Traumwelt hingegen trifft man wieder auf Amalaia, die sich vornehmlich von ihrer ernsten Seite zeigt, befindet man sich doch nach wie vor in einer Vergangenheit, in der das Leben der Hochelfen vornehmlich aus einem fast aussichtslosen Stemmen gegen die schier übermächtigen Feinde besteht, die ihre Existenz in Frage stellen.

III. Kritik

Nach wie vor kann man der Reihe keinen mangelnden Epik-Faktor vorwerfen. Wo DSA aus meiner Sicht allzu oft zu bodenständig ist und man eher die kleinen Abenteuer erleben kann, wird in der Sternenträger-Kampagne durchaus immer wieder in die Vollen gegriffen. So muss man sich im Laufe der Handlung von Das Tosen über Liretana mit Feracinor mit einem ausgesprochen bösartigen und potenten Gegner auseinandersetzen (auch wenn der Kaiserdrache sein altes Machtlevel noch nicht wieder erreicht hat), muss sich Angriffen von Werwölfen erwehren und kann zuletzt sogar einer Göttin begegnen, während man nach wie vor mit einem beseelten Flugschiff unterwegs ist. All das sind natürlich besondere Begegnungen, die in einer Heldenkarriere echte Höhepunkte markieren.   

Und trotzdem ist es einmal mehr die Dramaturgie, die ich als großen Schwachpunkt des Abenteuers bzw. der Gesamtkampagne ansehe. Problematisch sind aus meiner Sicht immer noch die viel zu enge Schienenführung, die wenig Freiräume lässt und spürbar auf eine klare Handlungsabfolge ausgerichtet ist. Die Bahalyr bewegt sich auf einer klar vorgegebenen Strecke fort und entlang des Wegs ergeben sich dann neue Herausforderungen, die aber eben zumeist sogar in ihren Resultaten festgelegt sind. So ist Feracinor zwar ein eindrucksvoller Gegner und der Kampf mit ihm kann enorm effektreich werden (was auch durch viele Vorschläge für spannende Szenen untermalt wird), trotzdem ist klar, wie die Auseinandersetzung enden wird (mit der Flucht des Drachen), lediglich die Größe des Schadens stellt eine Variable dar. Gleiches gilt für die Ereignisse in der Traumwelt, alles zielt am Ende auf das Miterleben einer Begegnung zwischen Amalaia und Orima ab.

Letzteres findet einmal mehr in einer Traumwelt statt. Das allein ist natürlich noch kein Kritikpunkt, da es die Begegnung mit den Figuren der damaligen Zeit ermöglicht, aber erneut bedeutet dies auch, dass es nur wenig Möglichkeiten gibt, auf den Ausgang der dortigen Ereignisse Einfluss zu nehmen. Dabei fällt insbesondere auf, dass der Aufenthalt in Liretana vor allem eine Art Verschnaufpause darstellt, da die Mannschaft der Bahalyr davor und danach vor allem in Kämpfe verwickelt ist. Die Kämpfe sind zwar, wie oben angesprochen, als Herausforderungen durchaus Höhepunkte, allerdings nutzt es sich langsam ab, die Bahalyr in einen Luftkampf nach dem anderen zu verwickeln. 

Wie üblich sind dabei die Kulissen sehr eindrucksvoll und gerade im Fall von Liretana muss dabei ebenfalls wieder eine stärke der Reihe betont werden, der Schauplatz ist gut und sauber beschrieben worden, zudem gibt es interessante NSC, denen man begegnen kann und auch eine Karte ist vorhanden. Mit dem Tal der Türme sucht man zudem einmal mehr einen der Orte der Phileasson-Saga auf und begegnet auch einer zentralen Figur der damaligen Ereignisse, was für mich eine gute Vernetzung mit der DSA-Historie darstellt.

IV. Fazit

Das Tosen über Liretana reiht sich im Positiven wie im Negativen aus meiner Sicht nahtlos in die bisherige Sternenträger-Kampagne ein. Beeindruckend sind die Kulissen, indem man besondere Orte (die so im aktuellen Aventurien gar nicht mehr existieren) aufsucht und mit teils sehr schillernden Figuren zusammenkommt. Dem gegenüber steht aber nach wie vor eine merkwürdige Dramaturgie, indem die Bahalyr vor allem dazu genutzt wird, auf ihrer Reise in effektreiche Luftkämpfe verwickelt zu werden (was sich aber irgendwann abnutzt), zudem stellen die Traumereignisse für mich nach wie vor Schwachpunkte dar, weil man dort viel zu sehr auf Schienen durch die Handlung geführt wird.

Bewertung: 3 von 6 Punkten   

2 Kommentare

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