Rezension: Kalias Labyrinth

Vorbemerkung: Das Sonnenküsten-Crowdfunding hat neben dem Begleitabenteuer noch weiteres Abenteuermaterial erhalten und zwar in der Formatgröße eines Heldenwerks. Kalias Labyrinth von Miriam Connely und Alex Spohr ist dabei nicht völlig neu entstanden, sondern war ursprünglich ein Kurzszenario für den Aventurischen Boten 160, damals noch im Regelformat von DSA4. Für das Crowdfunding ist Abenteuer noch etwas erweitert und an die neue Edition angepasst worden. Tatsächlich hatte ich das Abenteuer damals schon als durchaus interessant wahrgenommen, erhielt aber eben auch den Eindruck, dass es weitere Ausarbeitung verdient habe.

In Zahlen:

– 19 Seiten

– 2. Auflage des Abenteuers (ursprünglich erschienen im Aventurischen Boten 160)

– Preis: 29,95 Euro (zusammen mit dem Meisterschirmset Purpurschein und Heldensagen)

– erschienen am 22.11. 2021

I. Aufbau und Inhalt

Das Abenteuer beginnt zunächst mit einer in der Personenkonstellation sehr komplexen (und auch sehr blutigen) Vorgeschichte, die vor allem die Ressentiments verschiedener Figuren untereinander erläutert. Den konkreten Einstieg bietet dann eine Feier des Inselherrschers von Phrygaios, Avasios von Athyros. Dort ist die gesamte Prominenz der Insel versammelt und kann sich diversen Ausschweifungen widmen. Hier finden sich Kurzbeschreibungen der Anwesenden und einige Anregungen, was im Laufe des Festen an Rahmengeschehen stattfinden könnte.

Allerdings wird die Feierfreude jäh unterbrochen, als ein Gewaltverbrechen geschieht und die Heldengruppe sich auf die Spur des vermeintlichen Täters begeben soll. Schnell verschiebt sich der Fokus dabei auf einen anderen Schwerpunkt, indem ein altes Geheimnis mit dem aktuellen Geschehen verknüpft ist, was die Spielercharaktere dazu bewegt, sich in das titelgebende Labyrinth zu begeben. Dort warten herausfordernde Aufgaben auf sie, vor allem kämpferische Charaktere kommen auf ihre Kosten. Dazu ist auch eine Karte des Komplexes vorhanden.

Die Erkenntnisse, die insgesamt gewonnen werden können, dürften zu einem großen Finale führen, in dem es gilt, die Gerechtigkeit durchzusetzen. Im Anhang sind zuletzt noch einige Botenartikel vorhanden, die den Hintergrund des Abenteuers skizzieren.

II. Figuren

Als Autorität bestimmend ist natürlich zunächst der Inselherrscher Avasios, der einerseits als Herrscher die höchste rechtliche Instanz auf Phrygaios verkörpert, andererseits aber zusammen mit seiner Frau Amarenia die Rolle des Gastgebers einnimmt.      

Eine wichtige Rolle nimmt auch der Krieger Thyndarios ein, der als Rivale von Avasios gilt, sowohl was die vor kurzem noch vakante Position des Inselherrschers als auch die Gunst Amarenias betrifft. Aus diesem Grund stellt er auch den ersten Verdächtigen bei der Gewalttat dar, die sich im Laufe des Abends ereignet.

Bei dem titelgebenden Kalias handelt es sich um einen Minotaurus, der allerdings lange Zeit im Hintergrund bleiben wird und der vor allem mit der zweiten Hälfte des Abenteuers verbunden ist. Er nimmt die Rolle eines potentiellen Verbündeten ein.

III. Kritik

Ganz grundsätzlich muss ich erstmal betonen, dass ich im Rahmen eines solchen Crowdfundings Abenteuermaterial immer gut und vor allem auch wichtig finde, da ja hier der gesamte Hintergrund, den eine Regionalspielhilfe bietet, spielbar aufbereitet ist und somit lebendig wird. Und längst nicht jeder ist in der Lage bzw. mit der Zeit dazu ausgestattet, auf Basis der reinen Hintergrundtexte eigene Abenteuer zu gestalten. Aus diesem Grund finde ich es auch nicht weiter problematisch, dass es sich „nur“ um ein überarbeitetes älteres Szenario handelt.

Denn schon in seiner Originalversion ist Kalias Labyrinth ein reizvolles und lohnenswertes Szenario. Immerhin geht es letztlich um nichts Geringeres als die Herrschaft über eine der Zyklopeninseln, auf die man hier Einfluss nehmen kann. Dementsprechend ist die Skizzierung der Vorgeschichte sehr wichtig, da sie die aktuelle Personenkonstellation bestimmt. Die Motive sind hier sehr klassisch, geht es doch letztlich um die zentralen Themen Macht und Liebe.

Interessant ist an der Personenkonstellation, dass keiner der zentralen NSC eine weiße Weste vorweisen kann, sondern letztlich alle Blut an ihren Fingern kleben haben. Sprich: Egal, mit wem man sich zusammentut, es handelt sich um eine moralisch ambivalente Figur. Etwas schade finde ich den Umstand, dass relativ klar vorgegeben ist, mit wem man sich verbündet, aus meiner Sicht könnte man dies zunächst einmal grundsätzlich offen lassen. Dies hängt aber natürlich damit zusammen, dass das Abenteuer ja eigentlich nicht in der aventurischen Jetztzeit spielt, sondern streng genommen schon kanonische Vergangenheit darstellt, die auch im Ausgang gesetzt ist (also was die Person des derzeitigen Inselherrschers angeht).

Thematisch greift das Abenteuer in die Vollen und bedient sich genau bei den Versatzstücken, die zu dem Setting der Zyklopeninseln passen: Das Szenario eines ausschweigenden Festes, die intrigenreiche Konkurrenz innerhalb der Inseloberschicht, die mythische Vergangenheit der Inseln, auch verbunden mit typischen Fantasywesen, die sich bei der griechischen und römischen Antike anlehnen.

Dementsprechend ist das Labyrinth ein gut gewählter Kernschauplatz. Die Erforschung ist aufgrund der vielen Gefahren eine anspruchsvolle Aufgabe. Positiv ist, dass hierfür eine gute Karte und entsprechende Beschreibungen der zentralen Orte existieren. Sowohl die Gegner passen hier gut, zudem kann man gleich mehrere hilfreiche Artefakte für sich gewinnen. Gerade diese Ausbrüche aus dem üblichen Artefakt-Geiz von DSA finde ich gut und wichtig.

Etwas gröber ausgearbeitet ist hingegen das Finale, das ja eher stichwortartig skizziert ist. Hier hätte ich mir ebenfalls eine Karte des Anwesens gewünscht, um dem ganzen noch eine taktische Tiefe zu geben. Dafür existieren Werte der Gegner, die zudem durch die Verwendung einiger Festteilnehmer als feindliche Handlanger eine individuelle Note erhalten.

Im Vergleich zum Botenszenario sind die neuen Anteile tatsächlich eher überschaubar. Eingefügt wurden einige zusätzliche Figuren für das Fest sowie einige Stimmungstexte, zudem sind die Werte verändert worden, die ja für DSA5 mit den größeren Wertekästen auch etwas mehr Raum einnehmen. Die Botenanhänge sind nützliche Zusatzinformationen, allerdings wahrscheinlich im Abenteuer selbst kaum einsetzbar, wenn man nicht vorzeitig gewisse Verdachtsmomente erzeugen will. Dafür statten sie die Spielleitung noch einmal mit Fakten über die Vorgeschichte aus, getrennt nach dem, was die Öffentlichkeit denkt und dem, was wirklich passiert ist. Im Ganzen hätte ich mir hier aber noch ein wenig mehr Erweiterungen gewünscht. Z.B. wird gar nicht auf den Umstand eingegangen, dass Thyndarios und Kalias eigentlich früher Gegner gewesen sind, da Kalias vormals in Diensten von Avasios stand.

IV. Fazit

Kalias Labyrinth ist ein gutes Kurzabenteuer, das viele typische Elemente der Zyklopeninseln in sich vereint. Vor allem das titelgebende Dungeon ist gut ausgearbeitet und stellt die Heldengruppe vor eine passende Herausforderung. Das Abenteuer wurde allerdings im Vergleich zu seiner Version als Botenszenario nur wenig ausgebaut und gerade das Finale hätte noch etwas mehr Ausschmückung verdient.

Bewertung: 4 von 6 Punkten    

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