Rezension: Auf Avespfaden

Vorbemerkung: Ein Merkmal von DSA-Regionalbeschreibungen war und ist auch immer ein gewisser Anteil an Ingame-Texten, die den Informationstexten für Spieler vorgeschaltet sind, um ein Gefühl für die jeweilige Atmosphäre zu ermöglichen. Zum Aventurischen Almanach sind diese Texte aus der Feder von Florian Don-Schauen offenbar so umfangreich geworden, dass sich in der Genese daraus mit „Auf Avespfaden“ ein Extraband gebildet hat, der eine in sich geschlossene Geschichte erzählt. Die Ankündigung eines ähnlichen Bandes für die Spielhilfe zu den Streitenden Königreichen lässt vermuten, dass es sich um eine kontinuierlich fortzuführende neue Produktreihe handelt. Umso mehr lohnt sich ein Blick in den Band hinein, um der Frage nachzugehen, wieviel Mehrwert ein reiner Ingame-Band wirklich hat.

In Zahlen

– 160 Seiten

– 4 Erzähler

– Preis: 14,99 Euro

– Erschienen am 20.4. 2016

I. Aufbau und Inhalt

In einem kurzen Vorwort wird zunächst die Leitlinie des Bandes erläutert. Die Reisebeschreibung folgt einem rotem Faden und verfügt sogar über eine Art von Handlung. Fiktiver Hintergrund ist die Erstellung eines neuen Aventurischen Atlas, wozu sich eine kleine Reisegruppe im Auftrag der Hesindekirche auf eine große Tour durch ganz Aventurien begeben hat. Ähnlich einem Briefroman aufgebaut folgen immer kurze Abschnitte aufeinander, in denen die Etappen der Reise in Tagebucheintragungen der vier Protagonisten geschildert werden.

Jeder Protagonist hat dabei einen eigenen Grundton in seinen Texten, entsprechend seinen Charaktereigenschaften und seines Hintergrundes. Die Avesgeweihte Riziana verfolgt als Leiterin der Gruppe ihre Mission mit großem Ernst und Eifer, lässt aber immer auch eine gewisse Weltfremdheit durchblicken. Der Kartograph Josse hingegen wird meist von seinem thorwalschen Temperament geleitet, wobei gerade das leibliche Wohl für ihn eine große Rolle spielt, wodurch vielfach lokale Köstlichkeiten ihren Weg in die Reisebeschreibung finden. Einen meist sehr ironischen Unterton bringt die Hexe Nimia ein, die sich aber zumeist als das am praktischsten veranlagte Mitglied der Gemeinschaft entpuppt. Die schillerndste Figur stellt aber sicherlich der Gelehrte Quanion dar, der mit Josse die Begeisterung für weltliche Genüsse teilt, vornehmlich aber auch sehr gerne von sich selbst redet, wobei er so gar nicht wissenschaftlich wirkt.

Ausgehend von der Kaiserstadt Gareth kann der Leser die Rundreise der Gruppe nachvollziehen, wenn nach dem Mittelreich im weiteren Verlauf auch alle Randzonen bereist werden, wobei der Tiefe Süden genauso aufgesucht wird wie der Hohe Norden, dabei werden sowohl die Regionen selbst als auch die meisten größeren Städte beschrieben. Eine nicht unerhebliche Rolle innerhalb der Texte spielen aber auch die Erlebnisse der Reisegruppe sowie die Beziehungen der vier Teilnehmer untereinander.

II. Kritik

Ein reiner Quellenband für DSA ist tatsächliche etwas Neues, bewegt sich „Auf Avespfaden“ doch irgendwo zwischen einer romanartigen Handlung und den bekannten kurzen Textpassagen, die sich in vielen DSA-Quellenbänden als atmosphärische Einleitungen finden. Durch die fiktive Hintergrundgeschichte und die nachvollziehbare Reiseroute summiert sich aber im Gegensatz zu dem bekannten Muster wirklich eine zusammenhängende Erzählung.

Hier aber ergibt sich für mich auch das größte Problem. Das Endergebnis wirkt für mich etwas zu unentschlossen zwischen den Polen romanartiger Erzählung einerseits und Quellensammlung andererseits. Als reine Reisebeschreibung ist „Auf Avespfaden“ zwar sehr vielfältig gehalten durch die Erschließung des gesamten Kontinents, allerdings sind die Texte sehr uneinheitlich, da sich manchmal wirklich kurze (meist aber auf Einzelaspekte bezogene) Schilderungen der Begebenheiten vor Ort oder der Eigenarten der dortigen Bewohner ergeben, vielfach aber stehen die Befindlichkeit des jeweiligen Schreibers oder die Beziehungen und Konflikte untereinander im Vordergrund. Mehr als ein paar fragmentarische Informationen über die einzelnen Regionen lassen sich kaum entnehmen.

Dies liegt sicherlich auch an der Konstruktion als Begleitband zum Aventurischen Almanach, der ja die zentrale Informationsquelle sein soll und hier nur atmosphärische Ergänzungen erhalten soll. Nur wären dazu meiner Auffassung nach etwas mehr Schilderung von Land und Leuten sinnvoll gewesen. Neueinsteiger erhalten hier kaum umfassendere Hilfestellungen und Aventurien-Kenner erfahren dafür kaum Neues.

Diese persönlichen Hintergründe sind durchaus kurzweilig und mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl für die Reisegruppe und ihre Beziehungsstruktur. Nur sind auch hier die Texte zu knapp und die Ereignisse sind zu bruchstückhaft beschrieben. Somit stellt sich mir dann die Frage, ob nicht ein echter Roman mit höherer Seitenzahl die bessere Alternative gewesen wäre, um gründlicher erzählen zu können (und den Roman würde ich wohl ziemlich gerne lesen).  Abseits von dieser formalen Textebene hat mir dafür die Grundidee einer Heldengruppe mit sehr ungewöhnlicher Charakterzusammenstellung gut gefallen, vor allem auch, weil über die unterschiedlichen Reiseetappen eine Entwicklung zu sehen ist, von großer Distanz zum immer engeren Zusammenhalt. Zudem wirken die Figuren durchweg sympathisch, bringen zudem jeder eine eigene, unterscheidbare Facette ein, von dem bärbeißigen und bodenständigen Josse bis zu Quanion, dem Aufschneider und Scharlatan von Format. Stilistisch sind die Texte gut geschrieben, sowohl im Bereich der Landschafts- und Stadtbeschreibungen als auch bei den kauzigen Streitereien trifft Florian Don-Schauen den richtigen Ton.

III. Fazit

„Auf Avespfaden“ stellt ein durchaus interessantes Konzept dar, allerdings wirkt der Band insgesamt zu unentschlossen zwischen der Reisebeschreibung und einer Art Romanhandlung, die eher die Beziehungen der Protagonisten in den Vordergrund stellt als eine wirkliche Übersicht über den Kontinent und seine Bewohner aus Ingame-Sicht zu liefern. Positiv sticht dafür die grundsätzlich lesenswerte und unterhaltsame Geschichte einer ungewöhnlichen Heldengruppe auf ihrer großen Reise heraus.

Bewertung: 3 von 6 Punkten (wenn man wirklich den Aspekt eines Ergänzungswerks zum Almanach in den Vordergrund stellt, wer den Band als kurzweilige Unterhaltung sieht, kann sicherlich einen weiteren Punkt addieren)

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