Rezension: Die Rüstkammer der Streitenden Königreiche

Vorbemerkung: Mit der Regionalspielhilfe zu den Streitenden Königreichen kam gleich eine erste Neuerung von DSA5 zum Vorschein, wurde doch nicht nur wie früher ein begleitender Abenteuerband angekündigt, sondern zugleich auch noch eine Soundtrack-CD, ein Spielkartenset, ein Landkartenset und eben die Rüstkammer, ein Ausrüstungsband. Gerade letzter wurde zum Gegenstand der meisten Kritik bzw. Spekulationen: Inwiefern handelt es sich bei einer solchen Publikation um eine reine Luxusbeigabe oder um eine Auslagerung von wichtigen Elementen, die vor allem reine Profitsteigerung zum Zweck hat?

In Zahlen:

– 33 Seiten

– 21 Waffen und Gegenstände

– 3 Händler

– Preis: 11,95 Euro

– Erschienen am 19.5. 2016

I. Inhalt und Aufbau

Dank seiner Konzeption zum einzigen Zweck der Darstellung von Ausrüstungsgegenständen hat der Band eine extrem einheitliche Aufmachung. Augenscheinlich spielte dabei die optische Komponente eine zentrale Rolle. Den größten Teil nehmen dabei die Waffen ein, wobei jede eine eigene Illustration erhalten hat. Dazu existiert jeweils ein Ingame-Text, in dem die jeweilige Waffe eine Rolle spielt. Darauf folgt eine Erläuterung der Beschaffenheit der Waffe und der Anwendung. Jede Waffe hat zudem einen kleinen Wertekasten, bei dem zusätzlich Vor- und Nachteile benannt werden. Auch die ikonischen Heldenfiguren erhalten ihren Auftritt, indem sie in kleinen Dialogkästen über die Waffen diskutieren dürfen.

Auf 17 Waffen und Rüstungen folgen mit dem Druidendolch und den Zauberstab aus Eichenholz noch zwei Traditionsartefakte, wobei jede Waffe knapp eine Seite Raum erhält. Weiterhin finden sich noch Gegenstände mit Ahnenzeichen und besondere Artefakte aus der Historie der Reiche, namentlich der Dragenhelm und das Joborner Liebeslicht. Aber auch profane Ausrüstungsgegenstände wie einfache bis teure Kleidung, einige Werkzeuge, Kunsthandwerk und landestypische Nahrungsmittel wurden aufgenommen.

Zuletzt sind als konkrete Spielfiguren drei Händler mit ihrem Warenangebot beinhaltet. Dabei handelt es sich um aufsteigende Sortimente, da ein Kiepenkerl, ein fahrender Händler und ein Markthändler berücksichtigt wurden.

II. Kritik

Sehr positiv ins Gewicht fällt für mich der Eindruck, dass die Rüstkammer die regionalen Zustände in den Streitenden Königreichen gut einfängt. Nimmt man die zugrundeliegende Spielhilfe, dann verfestigt sich der Eindruck eines von klaffenden Standesunterschieden geprägten Landstrichs, mit wenig Mittelstand zwischen dem Adel in seiner eigenen Parallelwelt und der einfachen Bevölkerung.

So finden sich viele Waffen, die die feudale Gesellschaft gut widerspiegeln, z.B. die Turnierwaffen, als auch die großen Zweihandwaffen Andergaster/Nostrianer, aber auch die Langschwerter, bei denen es sich oft um über Generationen weitergegebene Erbstücke handelt. Genauso entspringen viele Waffen anderen Spielformen adeligen Zeitvertreibs, haben ihren Ursprung in der Jagd, z.B. die Saufeder oder der Eberfänger.

Umgekehrt gestaltet sich das Arsenal der einfachen Bevölkerung, hier dominieren improvisierte Formen, wie die Sturmsense oder die Deichgabel. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die vielen Kriege die Notwendigkeit mit sich bringen, dass auch die einfachen und meist sehr armen Bewohner beider Reiche sich ihrer Haut erwehren müssen. Auch die weiteren Gegenstände passen gut in das Gesamtbild, die Händlertypen bringen zudem stimmiges zusätzliches Spielmaterial.

Tatsächlich bleibt am Ende aber tatsächlich die Kernfrage, ob man ein solches Produkt wirklich braucht. In dieser Hinsicht muss ich – was die reine Notwendigkeit angehen – klar verneinen. Die Rüstkammer ist für mich ein reines Luxusprodukt. Die beinhalteten Waffen sind fast ausnahmslos mit den Grundwerten in der Regionalspielhilfe bereits vorhanden. Hier ist natürlich nun der Platz vorhanden, breite Beschreibungen zu liefern, zumeist steht tatsächlich eine ganze DinA4-Seite zur Verfügung. Nicht alles davon ist wirklich in Gänze hilfreich, vor allem die Dialoge der ikonischen Helden finde ich eher überflüssig und nichtssagend (diese nehmen aber jeweils nur wenige Zeilen ein), zumeist kann man aber einen guten Eindruck der Besonderheiten der Waffe gewinnen. Zumal sich ein paar Doppelungen nicht vermeiden lassen, nicht alle Informationen sind neu, so sind z.B. die Funktion der Langbögen, die Bezeichnungsschwierigkeiten beim Andergaster/Nostrianer oder die Verwendung der Deichgabel auch schon in der Hauptspielhilfe thematisiert worden, natürlich aber nur als Randinformationen und nicht in einer solchen Ausführlichkeit.

Im Resultat sorgen diese langen Texte allerdings auch dafür, dass vergleichsweise wenige Waffen Aufnahme gefunden haben. Damit ergibt sich mit knapp 12 Euro für 33 Seiten ein vergleichsweise stolzer Preis (eine Seite in der Regionalspielhilfe kostet knapp 20 Cent, in der Rüstkammer kommt man auf ca. 36 Cent pro Seite). Das ist natürlich erklärbar durch die wesentlich höhere Bebilderungsdichte, die zur besseren Anschaulichkeit auch sinnvoll ist. Trotzdem muss man natürlich abwägen, ob einem die knapp 21 Waffen und Gegenstände, die Ahnenzeichen, Proviantpakete und die 3 Händler das wert sind. Zumal es sich bei den meisten Waffen ohnehin nur um regionale Spezifikationen von regulären Waffen handelt, die überall erhältlich sind. Und diese werden ja bald in der allgemeinen „Aventurischen Rüstkammer“ enthalten sein.

Insgesamt kann man auch ganz klar negieren, dass der Nichtbesitz negative Auswirkungen oder gar Nachteile für Spieler und ihre Helden bedeutet, die Regionalspielhilfe allein reicht vollkommen aus, um alles spielen zu können. Die Rüstkammer gibt Interessierten dafür dann tatsächlich einen gewissen Mehrwert, verraten die Texte eben nicht nur vieles über die Waffen, sondern auch über das Denken und Handeln der Nostrier/Andergaster selbst.

III. Fazit

Die Rüstkammer ist ein grundsätzlich schönes Produkt, das viel Raum zur Ausgestaltung gewährt. Die vorgestellten Waffen und Gegenstände haben tatsächlich einen gut dargestellten regionalen Bezug. Allerdings handelt es sich in der Tat um ein reines Liebhaberprodukt, das zum Spiel nicht unbedingt notwendig ist, zumal für die überschaubare Menge an Inhalten in Relationen zu anderen Bänden ein höherer Preis aufgerufen wird.

Bewertung: 5 von 6 Punkten (mit der oben genannten Einschränkung)

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