Rezension: Das Schiff der verlorenen Seelen (Aventuria)

Vorbemerkung: Nachdem das Grundspiel bislang weitgehend positive Resonanz erfahren hat, steht nun mit „Das Schiff der verlorenen Seelen“ die zweite Erweiterung binnen kurzer Zeit bereit. Genau wie im Falle von „Wald ohne Wiederkehr“ handelt es sich um die Spielumsetzung eines DSA-Klassikers, womit die Helden nun auch in der aventurischen Neuzeit auf hoher See einem Geisterschiff entgegentreten müssen.

In Zahlen:                 

– 122 Karten

– 2 Abenteuer (ein Drei- und ein Einakter)

– 1 Heldendeck

– Preis: 24,95 Euro

I. Inhalt

Erneut werden beide Spielmodi um weiteres Material ergänzt. Für den Duellmodus ist mit der Thorwalerin Tjalva Garheltdottir eine neue Heldin enthalten. Bei ihr handelt es sich um eine robuste Kämpferin mit ordentlicher Durchschlagskraft. Beweisen kann sie diese unter anderem im Abenteuermodus, der mit dem titelgebenden Dreiakter und dem Einakter „Rietholtz Schatz“ ausgebaut wird.

Zusätzlich sind drei neue Regelerweiterungen enthalten. Gruppenkarten wirken sich – wie der Titel schon sagt – mit ihren Effekten auf die ganze Gruppe aus. Negative Aktionskarten führen im Regelfall zu Verlusten, vornehmlich von Lebenspunkten. Thematisch eingefügt wurden zudem Piratenschätze, die sich als zweischneidiges Schwert erweisen. Zunächst laden sie bei Erhalt einen Fluch auf den betroffenen Helden, gelingt diesem allerdings die Fluchlösung, so profitiert man in der Folge umgekehrt von einem Piratensegen.

II. Kritik

Auf den ersten Blick behält „Das Schiff der verlorenen Seelen“ einen Negativaspekt der ersten Spielerweiterung bei, wie schon bei „Wald ohne Wiederkehr“ ist die Drehscheibe für die Lebenspunkte fehlerhaft verarbeitet, so dass sich die Scheibe nicht fixieren lässt. Dies ließ sich wohl in der Kürze der Zeit zwischen den beiden Erweiterungen offenbar nicht mehr ändern, Ulisses Spiele sollte allerdings für folgende Aventuria-Produkte darauf achten, wieder zur Qualität des Basisspiels zurückzukehren.

Positiv hingegen ist für mich die Abenteuerumsetzung, gerade die drei Akte von „Das Schiff der verlorenen Seelen“ spielen sich sehr abwechslungsreich, ergeben meiner Meinung nach zusammen das bisher atmosphärischste Abenteuer für Aventuria. Das liegt zum einem am knackigen zweiten Akt, der zwar ohne Anführer auskommt, dafür aber mit jeder Menge anderer Karten aufwartet, die man berücksichtigen muss, während man versucht, seine Helden in Sicherheit zu bringen, damit ist das Ziel zur Abwechslung auch gar kein Sieg. Zum anderen gefallen mir hier die Gegner gut, in den anderen beiden Aktien muss man sich vornehmlich mit einem Haufen von Piraten auseinandersetzen. Nach altem Vorbild sind dies aber keine anonymen Schergen, sondern haben größtenteils sehr blumige Namen erhalten wie „Schlitz“, „Eisensterz“ oder „Kahler Dieter“. Das ändert zwar nichts am generellen Kampfablauf, ist aber eine nette Idee, um dem Gegnern eine individuellere Note zu verpassen. Ohnehin zeigt sich erneut, dass die Klassiker eine gute Vorlage für den kampflastigen Spielablauf darstellen, bei dem die Story nachrangig ist. Dann stören auch die Ungereimtheiten wie Wasserbassins mit Haien oder Piranhas im Inneren eines Schiffes nicht sonderlich.

Die Piratenschätze sind zudem eine spaßige Spielerweiterung, die auch eine taktische Komponente hinzufügen, geht man auf diese Weise doch häufig schwächer in einen Kampf und erhält im Verlauf einen nützlichen Bonus. Allerdings denke ich umgekehrt, dass die Macher hier insgesamt behutsam vorgehen sollten. Natürlich sollen die Erweiterungen neuen Komponenten einbringen, um nicht nur bekannte Muster zu wiederholen. Allerdings sollte man auch darauf achten, dass Aventuria das bleibt, was es bisher ist, ein spaßiger Zeitvertreib, weit weniger komplex als die Rollenspielvorlage. Immer neue Regelerweiterungen dürfen auf Dauer nicht dazu führen, das Spiel zu kompliziert zu gestalten, was ja gerade auf Gelegenheitsspieler eher abschreckend wirkt. Solange die Regelerweiterungen aber – wie wohl hier die Piratenschätze – zum Teil auch nur für die aktuelle Box gelten dürften, stellen sie natürlich eher eine willkommene Abwechslung dar.

Als weniger überzeugend empfinde ich Tjalva als neuen Charakter. Ihre Deckkonstruktion erinnert mich zu stark an Arbosch, hier hätte ich mir mehr Karten gewünscht, die speziell auf eine Thorwalerin gemünzt sind, z.B. im Bereich der Waffen oder Ausrüstungsgegenstände. In dieser Hinsicht hat für mich Bruder Hilbert aus „Wald ohne Wiederkehr“ eine deutlich individuellere Gestaltung erhalten und verfügt somit über ein Spielgefühl, das sich klarer von den vier Basishelden abhebt.

III. Fazit

„Das Schiff der verlorenen Seelen“ stellt eine gelungene Erweiterung dar, vor allem der Dreiakter ist schön atmosphärisch gestaltet und spielt sich abwechslungsreich. Weniger überzeugt mich die neue Heldin Tjalva, der etwas an regionaler Prägung und somit ein individuelleres Spielgefühl fehlt.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

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