Rezension: Die Verschwörung der Magier

Vorbemerkung: Es ist tatsächlich wieder einmal viel Zeit vergangen, seit das letzte Soloabenteuer erschienen ist („Der Vampir von Havena“ ist aus dem Oktober 2015). Umso schöner, dass nun mit „Die Verschwörung der Magier“ der zweite DSA5-Titel herausgekommen ist, fast schon selbstverständlich aus der Feder von Sebastian Thurau, der zumindest im Bereich Aventuriens dieses Feld seit vielen Jahren allein bestellt. Tatsächlich ist der Band sogar innerhalb der Solotitel eine echte Besonderheit, handelt es sich doch um ein Abenteuer speziell für einen Magier angedacht. Hier muss man schon in die grauen Vorzeiten des Jahres 1992 zurückblicken, um mit „Ein Stab aus Ulmenholz“ das letzte Exemplar dieser Art zu finden.

In Zahlen:

– 64 Seiten

– 222 Abschnitte

– Preis: 14,99 Euro

– Erschienen am 20.4. 2017

I. Aufbau und Inhalt

Das Abenteuer ist sehr klassisch aufgebaut, indem die einzelnen Abschnitte aufeinander verweisen und die Entscheidungen des Spielers den Weg vorgeben. Besondere Mechanismen sind aufgrund der Überschaubarkeit von Ort und Handlung diesmal nicht enthalten, lediglich an einigen bestimmten Handlungsstellen gibt es eine Art von Sammelpunkten, an denen der Held seine Recherchen betreiben muss und entsprechend viele Optionen hat und demnach auch öfter zu diesem Punkt zurückkehrt. Da es ein Abenteuer für einen Magier ist, werden dessen Fähigkeiten natürlich berücksichtigt, indem hin und wieder die Möglichkeit besteht, einen der Zauber zu wirken, über die er verfügt. Dazu findet sich im Anhang ein umfangreicher Charakterbogen mit allen notwendigen Werten (auch so gedacht, dass dieser Held im Anschluss weitergeführt werden kann).

Inhaltlich möchte ich nur die gröbsten Handlungselemente nennen: Der Spielercharakter ist ein junger Magier, der noch am Anfang seiner Karriere steht. Allerdings steht für ihn just zum Zeitpunkt des Abenteuers ein wichtiger Grundstein seines weiteren Daseins an, muss er doch seine bislang hervorragenden Leistungen an der Akademie der Verformungen in Lowangen nun zu einem hoffentlich krönenden Abschluss im Rahmen seiner finalen Prüfung unter Beweis stellen. Leider jedoch muss er feststellen, dass seine gesamte Prüfungskommission, darunter der Akademieleiter Elcarna, urplötzlich verschwunden ist und alle Umstände deuten auf ein Verbrechen hin. Somit ist es im weiteren Verlauf des Abenteuers an unserem jungen Magus, umfangreiche Recherchen in der Akademie anzustellen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dazu stehen unter anderem viele Örtlichkeiten zur Verfügung, die untersucht werden können, genauso gilt es, die anderen Bewohner der Lehranstalt zwecks Informationsbeschaffung zu befragen. Eine Ressource, die im Abenteuer eine Rolle spielt, ist der Faktor Zeit, hier existieren einige Abschnitte, die besonders lange Zeitabschnitte beinhalten, womit man eine Strichliste fortführt, die ein Ende des Abenteuers einleitet.

Zusätzlich zu der Handlungsbeschreibung findet sich im Einband noch ein Plan der Akademie, der zwar keinen konkreten Zweck in den Abschnitten erfüllt, dennoch aber der Veranschaulichung dient, zudem sind die wertetechnischen Angaben und Beschreibungen aller Zauberformeln enthalten, über die der Spielerheld verfügt.

II. Figuren

Es liegt offenkundig in der Natur eines Soloabenteuers, dass die wichtigste Figur der Spielercharakter selbst ist. Hier wird der namenlose Held als ein junger und unerfahrener Magier charakterisiert, zwar stolz auf das bislang Geleistete, dennoch in seinen Mitteln noch sehr limitiert. Das zeigt sich zum einen in den noch nicht allzu ausgeprägten Fähigkeiten als Zauberkundiger (es stehen nur 7 Zaubersprüche zur Verfügung), sondern auch an den Einschränkungen seiner Recherche. Als Schüler ist er letztlich nur eines kleines Licht im Subkosmos der altehrwürdigen Akademie, wodurch er z.B. sehr auf einen respektvollen Umgang mit den höhergestellten Lehrmeistern achten muss. Zudem gelten für ihn dieselben Einschränkungen wie seine Mitschüler, z.B. dürfen bestimmte Räumlichkeiten nicht ohne weiteres betreten werden.

Daneben ist die Akademie natürlich ein belebter Ort. Allerdings spielen die Gleichrangigen kaum eine Rolle, in erster Linie sind es seine Lehrmeister, mit denen der Held in Kontakt tritt. Hier finden sich im Prinzip alle Prototypen solcher Figuren: der Gebrechliche mit den gelegentlichen Geistesblitzen, die gestrenge Theoretikerin mit Karrierekomplexen, den wohlmeinenden, fast väterlichen Freund und Ansprechpartner etc.

III. Kritik

Ich halte Soloabenteuer für eine absolute Bereicherung der DSA-Vielfalt und habe es ausgesprochen bedauert, dass in Zeiten von DSA4 diese früher gut bediente Sparte fast „ausgestorben“ ist. Umso mehr freut es mich, dass in der fünften Edition nun wieder ein fester Platz für diese Publikationsform vorhanden ist. Allerdings ist die Funktion umdefiniert worden, ist der Zweck doch offenkundig, unterschiedliche Figurentypen exemplarisch vorzustellen, auf den unerfahrenen Streuner in „Der Vampir von Havena“ folgt nun ein Magier kurz vor seiner finalen Prüfung.

Demnach ist ein primäres Anliegen, dem Spieler eine magiebegabte Figur mit ihren Problemlösungsstrategien näherzubringen, z.B. auch in der Frage, wie man mit seiner begrenzten Astralenergie umgeht, so finden sich mehrfach Abschnitte, in denen es unterschiedliche Optionen gibt, die eben auch unterschiedliche Konsequenzen mit sich bringen. Wer z.B. per Zauber durch eine Wand in einen verschlossenen Raum schaut, gibt damit einiges von seiner Energie aus, wer stattdessen lieber die Kletterpartie über ein Außenfenster wagt, spart zwar an dieser Stelle, riskiert aber einen Absturz und damit verbundene Einbußen. In dieser Hinsicht liefert das Abenteuer gut Arbeit ab, wobei ich die Begrenzung auf einige ausgewählte Zauber für absolut nachvollziehbar halte, was zudem durch den Ausbildungsstand plausibel erklärt wird. Die Zauber werden dabei durchweg sinnvoll eingesetzt.

Die Atmosphäre innerhalb der Akademie wird ebenfalls gut umgesetzt, einerseits durch den nervösen jungen Magus selbst, der viel über seine Unerfahrenheit und Weltfremdheit reflektiert, z.B. dass er wenig Ahnung von der Welt außerhalb der Akademiemauern hat, andererseits durch die vielen Lehrertypen, die zwar beileibe nicht klischeefrei gezeichnet sind, trotzdem ein interessantes Spektrum darstellen. Im Rahmen der Kriminalermittlung stellen sie zudem passenderweise allesamt eher undurchsichtige Charaktere dar, womit sie ausgezeichnete Verdächtige darstellen.

Deutlich problematischer sehe ich allerdings einige inhaltliche Aspekte. Vor allem halte ich die titelgebende Verschwörung für etwas hochgegriffen, weil sie größere Dimensionen andeutet, als es das Abenteuer von Anfang an aufzeigt. Die Beschränkung auf wenige NSCs führt beispielsweise dazu, dass die Akademie merkwürdig leer wirkt, da z.B. lediglich ein einziger weiterer Schüler einen kurzen Auftritt hat. Das ist zwar (wenn auch nur eher beiläufig) mit einer Erklärung versehen, bringt aber einige Einschränkungen mit sich, die sich für diese Art von Handlung aus meiner Sicht nachteilig erweisen: Da man die Akademie eigentlich nur durch den oben genannten Fenstersturz verlassen kann, sind auch keine Außenstehenden involviert. Somit fällt es schwer, eine breite Palette an Verdächtigen aufzubauen, die anfänglichen Verdachtsmomente lassen den erfahrenen Leser von Kriminalgeschichten bzw. auch den durchschnittlichen Tatortschauer eher kalt, weil doch sehr offensichtlich gelenkt wird. Alternativ wäre die Leere der Akademie als spannungsbetonendes Element durchaus interessant gewesen, würde man die Einsamkeit des Helden mehr betonen, der allein einer Bedrohung gegenübersteht.

Für mehr Spannung fehlen letztlich auch mehr Spuren und Anhaltspunkte. Die Gespräche, die man mit den Lehrmeistern führt, haben im Regelfall auch eher allgemeine Bedeutung und dienen nur wenig zur konkreten Faktenrecherche. Hier vermisse ich etwas mehr falsche Spuren. Zum Beispiel mutet es etwas merkwürdig an, dass von vornherein einige Figuren gibt, die man direkt sprechen kann und andere nicht. Dafür wird nur bei letzteren die Option angeboten, deren Zimmer zu durchsuchen. An dieser Stelle ist die Leserführung arg offenkundig, sind doch somit sofort Verdachtsmomente erzeugt worden. Ähnlich verhält es sich mit der Möglichkeit, manche Orte bzw. Figuren mehrfach aufsuchen zu können, auch das lässt Rückschlüsse zu, wenn es in Übersichtsabschnitten optisch signalisiert wird, dass hier später noch etwas gesehen soll, während dies andernorts nicht der Fall sein wird. Letztlich ist die finale Auflösung auch etwas vorhersehbar ausgefallen.

IV. Fazit

„Die Verschwörung der Magier“ stellt atmosphärisch gelungen die ersten Schritte eines jungen Magiers in sein großes Abenteuer dar, wobei seine Gedankenwelt und seine Problemlösungsstrategien gut eingearbeitet wurden. In der Funktion als Kriminalhandlung bzw. als Verschwörungsthriller ist das Abenteuer allerdings zu vorhersehbar bzw. zu kleindimensional gestaltet, um echte Spannung aufkommen zu lassen.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

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