Rezension: Die kleine Zauberin Nahema

Vorbemerkung: Nahema – ein Name, der den durchschnittlichen DSA-Fan nicht kaltlässt, sei es aus Faszination für eine der mächtigsten Figuren der Spielwelt oder aus blanker Wut über die personifizierte Willkür in Form einer Übergestalt, die den Helden gerne die Show stiehlt. Allerdings handelt es sich hierbei (zum Glück) mitnichten um einen ersten Teil der Lebensgeschichte von Ulrich Kiesows Kreation, sondern tatsächlich um eine ganz andere Figur mit einem weit harmloseren und unschuldigeren Auftreten. Die kleine Zauberin Nahema ist vielmehr die neue bebilderte Märchenerzählung des Verlag Schwarzer Ritter. Erneut zeichnen sich Autor Hagen Tronje Grützmacher und Illustrator Rudolf Elzenhöfer verantwortlich, die zuvor schon Alrik der Basiliskenschreck erschaffen haben.

In Zahlen:

– 48 Seiten

– Preis: 12,00 Euro

– Erschienen am 12.11. 2018

I. Aufbau und Inhalt

Wie schon bei dem Vorgänger handelt es sich wieder um eine ausgesprochen reich bebilderte Erzählung, bei der zumeist auf eine Textseite eine Illustration kommt. Die Zeichnungen sind dabei bewusst kindgerecht gehalten, Gewalt ist somit kein Bestandteil. Anders als Alrik der Basiliskenschreck ist dieser zweite Band in einer Hardcover-Variante erschienen.

Inhaltlich wird die Geschichte der kleinen Zauberin Nahema erzählt, die als Schülerin beim Khunchomer Magister Rashim al´Saher lebt und dort als großes Talent brilliert. Ihre Wissbegier reicht sogar soweit, dass sie sich in der Nacht des Öfteren in die Bibliothek ihres Lehrmeisters schleicht, um dort in dessen Zauberbüchern zu schmökern. Aus den kleinen Abenteuern wird allerdings ein großes, als sie plötzlich auf einen Einbrecher stößt. Kurz entschlossen beschließt Nahema, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, unter anderem mit Hilfe der Zauberformeln, die sie sich selbst angeeignet hat. Neben dieser Handlung werden einige Figuren vorgestellt, z.B. der Hausmeister Brindimold aus Maraskan. Überall werden zudem kurz Information über Aventurien im Allgemeinen eingebunden, z.B. über Drachen, aber eben auch die Zauber, die von Nahema verwendet werden.

Am Ende finden sich wieder ein paar Konzeptskizzen zu den farbigen Illustrationen im Band und eine jeweils einseitige Vorstellung der beiden Macher.

II. Kritik

Wie schon bei Alrik der Basiliskenschreck gilt natürlich auch hier die Einschränkung, dass man als Leser keine dramatische und spannungsgeladene Geschichte erwarten darf, in der ein Held einen Kampf auf Leben und Tod bestehen muss. Die kleine Zauberin Nahema ist eindeutig ein Kinderbuch und an die Bedürfnisse solch junger Leserinnen und Leser ist die Geschichte auch angepasst.

Trotzdem gibt es natürlich eine abenteuerliche Handlung, wenn Nahema bei ihrem nächtlichen Ausflug einem Einbrecher begegnet und mit ihren Möglichkeiten versuchen muss, die aufregende Situation zu meistern. Hier gefällt mir besonders die Einbindung des Hintergrunds, wen sie sich zum Beispiel der Zaubersprüche bedient, die auch entsprechend kindgerecht in ihrer Wirkung erklärt werden. Insofern kann das Märchen tatsächlich ganz gut als ein kleiner Einstieg in die Spielwelt funktionieren. Nur mit dem Abschluss der Geschichte hadere ich ein wenig: Von Grundsatz her bin ich allerdings kein Freund offener Enden und tatsächlich hätte ich mir auch hier gewünscht, dass Nahema mehr Erfolg hat. Auch ohne Gewalteinsatz hätte hier sicherlich eine befriedigende Auslösung gefunden werden.

Umgekehrt passt dies durchaus zu der Geschichte, in der der nächtliche Eindringling eben nicht als gemeiner Schurke dargestellt wird, sondern als eine Art von Berühmtheit, dessen Motive für den Einbruch nicht aufgedeckt werden. Ohnehin ist die beabsichtigte Botschaft ja eine andere, geht es doch wiederum eher um Freundschaft oder Vorurteile, die sich nicht bestätigen, wenn sie plötzlich aus unerwarteter Richtung Hilfe in höchster Not erfährt.

Sehr schön ist wieder die textliche als auch bildliche Machart gelungen: Der Text ist auf das Verständnis von Kindern abgestimmt, wobei verständlich die Handlung als auch der aventurische Hintergrund vermittelt werden, wobei Hagen Tronje Grützmacher auch sehr anschaulich und pointiert schreibt. Die Illustrationen sind wiederum grundsätzlich simpel gehalten, was die Figuren angeht, wodurch ein hoher Wiedererkennungseffekt erzeugt wird. Gut gefallen mir aber auch die Kontraste zwischen dem nächtlichen Khunchom und den kleinen Lichteffekten, die die Atmosphäre von Einbruch und Heimlichkeit unterstreichen.

Als positiv empfinde ich zudem die Änderung, diesmal auf ein robusteres Hardcover zurückzugreifen, das ich allgemein für Kinder handlicher finde und das dem Märchenbuch auch einen wertigeren Eindruck verschafft.

III. Fazit

Nach Alrik dem Basiliskenschreck hat der Verlag Schwarzer Ritter mit Die kleine Zauberin Nahema erneut ein schönes Märchenbuch herausgebracht, das meiner Meinung nach den aventurischen Hintergrund noch stärker verwendet und ihn kindgerecht aufarbeitet. Die Geschichte ist gut geschrieben und (für Kinder) spannend ausgestaltet, hier fehlt mir allerdings noch eine befriedigende Auflösung. Die Illustrationen ergänzen den Text auch dieses Mal sehr anschaulich und erzeugen eine anschauliche Atmosphäre der Heimlichkeit. Da ich allerdings sicherlich nicht der beabsichtigten Zielgruppe entspreche und aus der Erwachsenenperspektive urteile, enthalte ich mich in diesem Fall einer konkreten Punktewertung.

2 Kommentare

  1. Nachdem der Basiliskenschrecker Alrik meiner fünfjährigen Tochter so gut gefallen hat, scheint mir die kleine Nahema wohl ein Pflichtkauf zu sein.
    Bei Alrik ist mir als kleiner Nachteil aufgefallen, dass die Wechsel in er wörtlichen Rede nicht per Zeilenumbruch kenntlich gemacht waren. Da ich mit verstellter Stimme vorlese (Zweistimmiger Gesang – kein Problem^^), war das ärgerlich, da ich so ein paar mal mit der Basiliskenstimme einen Text Alriks vorgelesen habe und umgekehrt. Nur eine störende Kleinigkeit, aber ich würde dennoch gerne wissen, ob das bei Nahema genauso ist.
    Liebe Grüße

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    1. Ich habe das mal verglichen, das hat sich bei Nahema tatsächlich geändert, wörtliche Rede ist immer durch einen neuen Absatz abgesetzt. Allerdings gibt es im Prinzip auch nur einen aktiven Dialog, sonst ist wörtliche Rede fast immer monologisch angelegt.

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