DSA-Lesetipps zu Ostern

Vorbemerkung: In den meisten Bundesländern haben ja die Osterferien bereits begonnen und auch ich habe die Ferien ein wenig zum Reisen genutzt. In den letzten Jahren ist dabei auch der eine oder andere DSA-Roman im Gepäck gelandet. Nachdem ich normalerweise ja abseits der Retro-Checks die aktuellen Erscheinungen im Fokus habe, nutze ich Ferien im Regelfall dazu, die oft schon länger im Regal liegenden älteren Bücher endlich in Angriff zu nehmen. Dabei ist das hin und wieder ein zweischneidiges Schwert, nicht jedes Exemplar lebt und atmet DSA, gerade unter den in den 90ern entstandenen Romanen sind auch einige dabei, die ich wirklich nicht genießen kann. Als kleine Auswahl möchte ich im Folgenden hingegen einige kurz vorstellen, die ich gerne gelesen habe. Dabei soll es sich allerdings wirklich nur um kurze Lesetipps handeln, keine vollwertigen Rezensionen. Ebenso ist es auch kein ultimatives Best-of, dazu fehlen mir schlichtweg noch knapp 70% der Gesamtheit der DSA-Romane.

  1. Das Manifest: Das zerbrochene Rad

Ulrich Kiesows letzter Roman ist wahrlich kein Leichtgewicht, wird doch auf gut 1000 Seiten, ein nicht unbeträchtlicher Teil der Rückkehr Borbarads erzählt. Allerdings liegt der Fokus hier auf den Ereignissen, die das Bornland betreffend. Dementsprechend stellt den Höhepunkt die Schlacht auf den Vallusanischen Weiden dar. Einerseits erlebt man die Ereignisse aus der Sicht der „Großen“, also durch Protagonisten wie Thesia von Ilmenstein, Brin von Gareth oder Uriel von Notmark, womit kanonisch ein großer Beitrag zum Metaplot geleistet wird. Andererseits greift Kiesow genauso auf die Perspektive der kleinen Leute zurück, die von den Geschehnissen genauso mitgerissen werden, wobei er u.a. die Hauptfiguren seines vorhergehenden Romans Der Scharlatan miteinwebt.

Für mich stellt der Roman großes Kino dar, vor allem, wenn das große Schlachtgetümmel gezeichnet wird oder die Intrigen Uriels. Die Handlungen um die Bewohner des Örtchens Geestwindskoje sind hingegen deutlich weniger mitreißend, wobei der Gedanke, ebenfalls weniger bedeutende Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen, durchaus nachvollziehbar ist. Im Ganzen gefällt mir der bedächtige Erzählstil Ulrich Kiesows (wenn auch der eine oder andere kitschige Rückgriff vorhanden ist), zudem ist das Lesen für mich auch noch einmal eine schöne Reminiszenz an die Borbarad-Krise, nach wie vor der Höhepunkt aventurischer Geschichte. Zudem bleibt der Roman als letzter Beitrag des DSA-Schöpfers in gewisser Weise als wortgewaltiges Vermächtnis.

  1. Der Geniestreich: Westwärts. Geschuppte!

Die Abenteuer von Karl-Heinz Witzko konnten mich in meinen Teenager-Zeiten nicht überzeugen, was ich im Rückblick schon mal revidiert habe. Ebenso habe ich mich lange um seinen legendären Roman Westwärts, Geschuppte! gedrückt, klang mir die Handlung doch etwas arg abgedreht: Im Mittelpunkt der Roman steht eine Gruppe von Marus, die sich eine kleine Odyssee auf der Suche nach ihrem verloren gegangenen Mentor begeben und dabei unerkannt unter den Menschen wandeln. Besonders absurd wird die Handlung dadurch, dass die gesamte Handlung aus der Perspektive der Marus erzählt wird, die mit den Sitten und Gebräuchen der vornehmlich menschlichen Aventurier wenig anfangen können.

Grundsätzlich bedauere ich ausdrücklich den Roman erst so spät in die Hand genommen zu haben: Es handelt sich sicherlich um den literarisch hochwertigsten DSA-Roman. Getragen wird das Ganze einerseits von der ungewöhnlichen Ausgangssituation mit absoluten Antihelden (die auch noch alle Alrik heißen) als Zentralfiguren und andererseits von dem ironisch-distanzierten Erzählstil Karl-Heinz Witzkos. Dadurch ist das Lesen gleichermaßen saukomisch (ich habe selten so viel lachen müssen) und andererseits komplex, wenn man immer wieder durch die Beschreibungen aus Maru-Perspektive irritiert wird. Köstlich sind hier gerade auch die kleinen Szenen, in denen Alltagssituationen zu absurden Verwicklungen führen, genauso wie der Umstand, dass die eigentlich hochüberlegten Marus immer wieder die naive Perspektive von Ich-fixierten Kleinkindern einnehmen. Ein wirkliches Kleinod unter den DSA-Romanen, das ich wirklich jedem/jeder wärmstens empfehlen kann.

  1. Der Kontroverse: Im Schatten der Dornenrose

Ich bin tatsächlich überhaupt kein Freund von allzu plastischen Darstellungen von Gewalt, Folter etc. Das mag mitunter seinen literarischen und erzählerischen Wert haben (wenn es nicht zum Selbstzweck verkommt), trifft aber in der Regel nicht meinen Geschmack. Aber genau hier ist Bernard Craws (alias Robert Corvus) Roman Im Schatten der Dornenrose angesiedelt: Rengun, der Thronfolger von Gwerrat, eines kleinen Landstrichs bei Aranien, muss sich entscheiden, mit wem er sich strategisch vermählt. Nachdem die Werberin aus Aranien sich völlig deplatziert gezeigt hat, bleibt nur eine Oronierin. Um deren Tauglichkeit als zukünftige Herrscherin zu prüfen, zieht er mit einer kleinen Gruppe von Begleitern mitten in das oronische Machtzentrum, wobei die Gefährten die Abgründe der dortigen Gesellschaft erleben.

Tatsächlich ist das Lesen hier nicht immer ein absolutes Vergnügen, viele Szenen mit explizierter Darstellung von (sexueller) Gewalt haben mir weniger Spaß bereitet. Allerdings liegt der Wert des Romans aus meiner Sicht eher in dem Umstand, dass hier nachhaltiger denn je aufgezeigt wird, dass der Werte- und Verhaltenskodex des durchschnittlichen Aventuriers nicht auf irdische Verhältnisse zu übertragen ist. Wo wir klare Trennlinien zwischen Gut und Böse vornehmen, nehmen Rengun und seine Gefährten die ornischen Umtriebe mit einer gewissen Faszination auf. Hier kann man gut die Motivation nachvollziehen, warum aventurische Figuren andere Entscheidungen treffen, beispielsweise findet man auch kaum Identifikationsfiguren. Allerdings muss nach wie vor betont werden, dass es sich hierbei sicherlich um keine leichte Lektüre für Zwischendurch handelt.

Fazit

Wer noch auf der Suche nach einer passenden Lektüre für die Ostertage oder sonstige Ferien ist, dem kann ich durchaus den Rückgriff auf einige der älteren Romane empfehlen, gerade das Schwelgen in bereits vergangenen aventurischen Zeiten ist spannend und kann auch die Rollenspielerperspektive ergänzen, wenn DSA-Charaktere als Protagonisten mit ihrem Denken vorgestellt werden. Gerade bei Westwärts, Geschuppte! und Im Schatten der Dornenrose liegt der Reiz aber vornehmlich gerade darin, dass mit typischen Erwartungen eher gebrochen wird.

Dankbar wäre ich natürlich auch über Ergänzungen, welche Romane noch empfehlenswert sind, hierzu würde ich mich über die eine oder andere Anregung in der Kommentarspalte freuen.

8 Kommentare

  1. Mein Tipp – das Beste aus 1 und 2: aventurische Geschichte um Borbarads Rückkehr im KHW-Stil, der es hier aber (von Band zu Band besser) schafft, seinen Charakteren bei aller Verschrobenheit Tiefe zu geben und statt einer Nummernrevue eine spannende Geschichte zu erzählen. Die fünf Bände „Treibgut“, „Spuren im Schnee“, „Tod eines Königs“, „Die beiden Herrscher“ und „Die Königslarve“ bilden so etwas wie zwei Trilogien mit einem gemeinsamen dritten Band.
    https://de.wiki-aventurica.de/wiki/Sche%C3%AFjian_von_Tarschoggyn_(Romanserie)
    https://de.wiki-aventurica.de/wiki/K%C3%B6nig_Dajins_Leben

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  2. Ich finde nach wie vor die beiden Romane DIE BORONINSEL und KIND DER NACHT von Lena Falkenhagen im Halschen Havena für sehr lesenswert.
    Sie erzeugen so eine melancholische, aber hoffnungsvolle Stimmung

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  3. Die ersten beiden Romane sind auch meine Lieblinge. Bei Westwärts Geschuppte hatte ich stellenweise Tränen in den Augen vor Lachen!

    Unter den älteren Romanen hat mir damals „Die Gabe der Amazonen“ sehr gut gefallen. Das ist allerdings schon etwas her und mein Lesegeschmack hat sich durchaus verändert, aber ich glaube zumindest, dass er mir immernoch gefallen würde.

    Von den „neueren“ Romanen sind mir „Der Kreis der Sechs“ und „Der Nabel der Welten“ gut in Erinnerung geblieben und „Khunchomer Pfeffer“ fand ich auch ganz nett.

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