Rezension: Meisterpersonen – Mentoren und Lehrmeister

Vorbemerkung: Fast ein wenig untergangen unter den vielen Neuerscheinungen im November ist das neue Kartenset Meisterpersonen – Mentoren und Lehrmeister. Genau wie bei dem ersten Set mit dem Oberthema Handel und Wandel ist die Idee dahinter, Figuren im Spielkartenformat zur Verfügung zu stellen, mit denen man Abenteuer ausschmücken oder Zufallsbegegnungen generieren kann. Dieses Mal sind die NSC allerdings keinem bestimmten Lebensbereich wie der Wirtschaft zugeordnet, sondern einer Funktion, eben der von Mentoren.

In Zahlen:

– 55 Karten mit 53 Meisterpersonen

– Preis: 9,95 Euro

– erschienen am 28.11. 2019

I. Aufbau und Inhalt

Der Aufbau aller Karten ist gleich gehalten. Auf der Vorderseite befindet sich ein farbiges Charakterporträt, das um den Namen und die Herkunft bzw. Profession ergänzt wird, z.B. Olko Elkensen – bornischer Eulenhexer. Die Rückseite enthält dann Textinformationen, wobei zunächst herausragende Talente und Sonderfertigkeiten genannt werden (für die sie ja beispielsweise als Lehrmeister fungieren könnten), bei magiebegabten Figuren wird dies noch um die Zaubertradition erweitert. Dem schließt sich eine Kurzbiografie an, in der vor allem typische Verhaltensweisen beschrieben werden, was durch die Angabe einiger Charakterzüge in Stichworten noch veranschaulicht wird. Für jede Figur wurde eine Plotidee entwickelt, wobei der Charakter im Regelfall der Auslöser für das geschilderte Geschehen ist. Zuletzt gibt es eine stichwortartige Zusammenfassung.

II. Kritik

Nach wie vor sollte man die Figuren natürlich als das ansehen, was sie leisten sollen: schnell verfügbare Ergänzungen zur Anreicherung von kleinen Szenen oder Plots. Was sie eindeutig nicht sind, sind ausgearbeitete NSC mit einer umfangreichen Agenda und vollständigen Werten. Das können die Karten selbstverständlich aus Platzgründen nicht bereitstellen. Wer also schnell ein paar Figuren zur Ausgestaltung einer Anwerbungsszene in einer Taverne benötigt, der wird hier fündig, wer mehr umfangreichen Hintergrund haben möchte, muss die komplette Ausgestaltung selbst leisten. Bei Mentoren ist dabei vor allem die Beziehungsebene zu nennen, also die Umstände der Verbindung, die man zu dieser Person hat (Wie wurde sie zu einem Lehrmeister/einer Lehrmeisterin? Handelt es sich um eine rein professionelle oder eine tiefergehende emotionale Ebene?), dies kann hier ja auch gar nicht näher beziffert werden. Allerdings empfinde ich die kleinen Plots, die auf jeder Karte hinzugefügt sind, mehrheitlich als sehr interessante Anregungen, mittels derer sich beispielsweise einzelne Episoden zwischen und inmitten größerer Abenteuerhandlungen entwickeln lassen.

Beim vorherigen Kartenset war einer meiner Kritikpunkte, dass bei weitem nicht alle Figuren gut zum gewählten Oberthema passen. Das gestaltet sich hier aus meiner Sicht nicht so, dass es auffällige Abweichungen gibt, die große Mehrheit lässt sich relativ problemlos in die Kategorie Mentor bzw. Lehrmeister einfügen. Einzelne Ausnahmen gibt es, z.B. wenn ein Mohakrieger als jemand beschreiben wird, der selbst in seinem eigenen Stamm für seine Grausamkeit gefürchtet wird und der allen Fremden mit Hass begegnet, stellt sich mir schon die Frage, wie er ein Mentor werden soll. Eher aus einer Relevanzfrage heraus halte ich auch eine Schneiderin, die eher als Klatschbase geschildert wird, für ungeeignet. Für die große Mehrheit sehe ich das Thema aber als getroffen an.

Was ich allerdings kritisch anmerken muss, ist dass Vielfalt nur stellenweise geboten wird. Auffällig ist vor allem, dass die Figuren fast alle aus der Kategorie Mensch stammen (48), daneben gibt es nur noch 2 elfische und 3 zwergische NSC. Orks, Goblins, Trolle, Grolme, Necker, Echsenmenschen etc. sucht man vergeblich. Auch wenn Menschen in Aventurien die absolute Mehrheit darstellen, halte ich es in einer Fantasywelt für wichtig, auch solche Figuren zu verwenden (und auch diese sind als Mentoren denkbar), sonst verliert es für mich ein wenig das Fantastische, allerdings ist das auch eine Tendenz, die ich in Abenteuern genauso sehe, oft gibt es fast nur Menschen als Figuren. Auch die geografische Verteilung ist ungleichmäßig: Während sich 31 Figuren eindeutig dem Norden Aventuriens (also Mittelreich oder nördlicher) zuordnen lassen, sind nur 11 Charaktere im Süden beheimatet. Auch das entspricht zwar den Publikationen, die eher nordlastig sind, widerspricht aber einer gesamtheitlichen Nutzbarkeit.

Deutlich besser fallen diese Verhältnisse in anderen Bereichen aus: So sind neben einer (auch in der Normalverteilung existenten) Mehrheit an profanen Charakteren auch 15 magiebegabte und 5 geweihte Figuren vorhanden. Auch reicht die Bandbreite von Kriegern, Händlern, reisenden Abenteurern bis zu ganz einfachen Leuten. Innerhalb der magiebegabten Figuren sind neben Gildenmagiern auch andere Konzepte präsent, u.a. Druiden, Schamanen und Sonderfälle wie Scharlatane, Schelme und Zaubertänzer. Das Geschlechterverhältnis ist mit 24 Frauen und 29 Männern in etwa ausgeglichen.

III. Fazit

Das Kartenset Meisterpersonen – Mentoren und Lehrmeister stattet Spielleiter/Spielerinnen mit einer großen Anzahl an kurzen Figurenkonzepten aus, die sich gut als Ergänzung für kleine Plots, Zufallsbegegnungen oder zur Ausgestaltung von Abenteuerszenen eigenen. In einigen Bereichen fehlt mir allerdings eine angemessene Vielfalt für eine Fantasiewelt, sind doch fast ausschließlich Menschen vertreten.

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