Rohals Erben – der erhoffte Kracher?

Vorbemerkung: Vor zwei Wochen habe ich mich ja schon einmal mit den nebulösen Ankündigungen eines neues Crowdfundings beschäftigt. Die Marketing-Strategie dahinter (viel andeuten, nichts Konkretes) war ja eindeutig nicht nach meinem Geschmack und wie vermutet wurde auch nichts von dem umgesetzt, was ich so als grundsätzlich erhoffte Produkte formuliert habe (was mich jetzt aber auch nicht besonders stört). Immerhin ist nun die Katze aus dem Sack, nachdem im Rahmen eines Live-Streams ja Rohals Erben angekündigt wurde, wobei der Schwerpunkt auf der Gildenmagie Aventuriens liegt. Nachdem gestern Nachmittag dann auch der offizielle Finanzierungsstart war, möchte ich kurz einen Blick auf das Angebot werfen und meine Eindrücke und Erwartungen dazu loswerden.

Zwei Kernbände

Zwei Bände werden besonders in den Vordergrund gestellt. Zum einen ist da die titelgebende Spielhilfe Rohals Erben, in der die Gildenmagie Aventuriens in vielerlei Hinsicht beleuchtet werden soll. Spannend wird die Frage, wie dort mit Akademien umgegangen wird, es soll sich ja explizit um keinen Akademieband im Stile der DSA4-Vorgänger handeln, trotzdem sollen laut Klappentext allgemeine Aspekte wie der Alltag an Akademien beleuchtet werden.

Ich persönlich habe Magie bei DSA immer etwas distanziert betrachtet, weil es nie meinem Spielerprofil entsprochen hat und ich lieber profane Figuren bevorzuge. Trotzdem klingt das grundsätzlich sehr interessant. Vor allem könnte hier eine Lücke gefüllt werden, war doch einer der zentralen Kritikpunkte, die ich an den drei Bänden von Aventurische Magie formuliert habe, dass vor lauter Verregelung der wichtige Bereich der Hintergrundinformationen weitgehend gefehlt hat. Ob eine solche Trennung von Regeln und Hintergründen auf verschiedene Publikationen dann am Ende auch sinnvoll ist, wird dann freilich erst der fertige Band zeigen.

Ebenfalls ein solcher Lückenschließer scheint mir auch der Grimorum Cantiones zu sein. Immerhin soll hier eine Zusammenführung stattfinden, indem damit endlich eine Komplettsammlung aller bisherigen Zauber, Rituale etc. präsentiert wird. Handlich wird das mit angekündigten über 500 Seiten wahrscheinlich nicht werden, aber als Nachschlagewerk (zudem in hübscher Ingame-Optik) sehe ich hier schon einen echten Nutzwert.       

Es gibt Abenteuer!

Zu meiner großen Freude wird auch meine Lieblingsrubrik bedient, indem zwei Abenteuerbände enthalten sind. Dämonenmacht und Sternenkraft ist ein Anthologieband, der drei Abenteuer beinhalten soll. Hier muss ich allerdings einmal mehr meine Kritik an der Informationspolitik loswerden: Bei Start eines Crowdfundings würde ich hier schon die Titel der Einzelabenteuer erwarten sowie die Autoren und 1-2 Sätze Inhaltsbeschreibung (die ja laut dem Credo, schneller publikationsfertig sein zu können, längst feststehen müssen, genauso wie die Schreibprozesse für die Einzelprodukte schon fortgeschritten sein müssten). Derzeit erfährt man nicht mehr, als dass jede der drei Gilden in einem Abenteuer das Kernthema sein wird.   

Etwas konkreter wird es im Fall von Das Geheimnis der Zauberschüler, indem hier die Abenteuer von Jungmagiern an einer Akademie angekündigt werden. Hier wird zwar noch nicht näher auf den Inhalt eingegangen, aber eine Magierakademie als Hintergrund mitsamt Beschreibung und Karten genannt. Ein wenig klingt das wie eine aventurische Harry Potter-Variante, allerdings fehlen dazu eben weitere Erläuterungen, ob das z.B. ein Produkt ist, das sich eher an jüngere Spieler:innen richtet oder nicht.

Das aus dem Stream bekannte Lowanger Lügenmärchen ist laut dem Bonusziel ein weiteres Heft aus der Reihe Auf ins Abenteuer, indem also einsteigergerecht Charaktere angeboten werden, die man dann mit individueller Exposition ins Abenteuer führen kann. Hier sind mit Julian Härtl und Fred Ericson die beiden Autoren ja auch schon bekannt.

Anlehnung an die Regionalspielhilfen

In der sonstigen Konstruktion findet eine deutliche Anlehnung an die Regionalspielhilfen statt: So gibt es ein Heldenbrevier mit den Erlebnissen dreier Magier:innen aus dem südlichen Bereich Aventuriens und ein Glaube, Macht und Heldenmut mit Regelergänzungen. Studierstube der Magier erscheint mir zuletzt das Äquivalent einer Rüstkammer zu sein, indem man mit diesem Band Zusatzausrüstung für magische Charaktere zusammenstellen kann. Obligatorisch ist ebenfalls ein Spielkartenset und es wird auch eine Sphärenklang-CD geben.

Viel Lesestoff

Aber auch abseits davon gibt viel Lesestoff. Die Vademecum-Sparte wird gleich zweimal bedient. Das Mada-Vademecum setzt die Reihe der Halbgötter fort und hat dabei aus meiner Sicht eines der spannendsten göttlichen Wesen Aventuriens zum Thema. Das ODL-Vademecum hingegen knüpft an das an, was im Sonnenküsten-Crowdfunding begonnen wurde, indem nach den Göttern und Halbgöttern eine neue Sparte eröffnet wird, in der nun einzelne Organisationen mit Ingame-Leitfäden für ihre Mitglieder ausgestattet werden. Thematisch passt der ODL natürlich hervorragend zum aktuellen Projekt.

Dazu wird auch einiges an alten Produkten neu aufgelegt. Mit Auf dem Weg ohne Gnade und Ein Stab aus Ulmenholz fiel die Wahl dabei auf zwei Magier-Soloabenteuer, die ich tatsächlich auch heute noch für spielenswert und unterhaltsam halte. Zudem werden gleich drei Romane aus der Feder des leider verstorbenen Jörg Raddatz und von Heike Kamaris neu gedruckt. Da ich die drei genannten Romane noch nicht besitze, freut mich dies natürlich sehr, auch weil ich viele andere Publikationen des Duos zu schätzen weiß.

Kein billiges Vergnügen

Was auffällt, ist ein gehobenes Preissegment. Schon die beiden Kernbände haben für sich gesehen einen stolzen Preis mit 45 Euro (Rohals Erben) bzw. 60 Euro (Grimorum Cantiones) bzw. 100 Euro als Kombination im Print. Wer an mehr interessiert ist, muss noch deutlich tiefer in die Tasche greifen, das Äquivalent der Regionalspielhilfen-Flöte kostet 200 Euro für die Printvarianten bzw. 100 Euro für die PDF-Versionen. Exkludiert sind dabei die beiden Vademecum-Bände sowie die Neuauflagen alter Produkte. Natürlich muss ich an dieser Stelle einräumen, dass die DSA-Sachen aus meiner Sicht absolut ihre Wertigkeit haben, trotzdem stelle ich mir das für viele Spieler:innen schon ganz schön happig vor, in meiner Zeit als Schüler wären solche Summen für mich nicht ansatzweise denkbar gewesen. Hier muss Ulisses natürlich selbst abwägen, wo der Punkt beginnt, an dem solche Preise für Verzicht sorgen, zumindest für die PDF-Variante halte ich das für etwas bedenkenswert.     

Fazit und Prognose

Trotzdem scheint dies kaum abschreckend zu wirken, immerhin wurde die Basissumme von 20.000 Euro schon nach 32 Minuten erreicht und die Unterstützerzahl wächst stetig. Ganz generell scheint mir hier die Mischung auch durchaus interessant: Es gibt viel aus dem Bereich von Hintergrund-Spielhilfen, Abenteuern und reines Lesematerial aus verschiedenen Sparten. Mit dem Grimorum Cantiones wird zudem ein Band präsentiert, der sicherlich besonders viele Interessenten finden wird, soll er doch endlich einmal das kompakt zusammenstellen, was man bisher nur verteilt haben konnte. Man kann natürlich auch hier das Thema der Doppelungen mahnend ansprechen (immerhin dürfte sehr viel des Inhalts ja schon aus den drei Magiebänden bekannt sein), aber auch das wird dem Erfolg aus meiner Sicht keinen Abbruch geben. Die Kombination wirkt aus meiner Sicht so, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass die Erfolge von der Sonnenküste (in Sachen Gesamtsumme) nochmal getoppt werden könnten. Nach meinem Eindruck scheint auch Ulisses selbst dieses Projekt als sehr erfolgsversprechend einzuschätzen, zumindest sprechen die ungewohnten 5000er bzw. später sogar 10.000er Schritte für die ersten Bonusziele diese Sprache. Entweder möchte man die Anzahl der Bonusziele reduzieren oder man glaubt, dass man diese durch den großen Erfolg weiter splitten kann.

Für meinen Teil bin ich zumindest darüber froh, dass man ein relevantes Thema in den Mittelpunkt gestellt hat, welches von allgemeinem Interesse sein dürfte. Das halte ich für deutlich wertvoller als Crowdfundings zu absoluten Randthemen wie Mythos-DSA oder das von mir besonders ungeliebte Wege der Vereinigungen (tatsächlich hatte mich bei der Ankündigung kurzfristig die Furcht vor einer Fortsetzung erfasst). Natürlich gilt aber auch hier, dass dies nur ein völlig oberflächlicher Eindruck meinerseits ist. Kritik muss ich nach wie vor an der Aufbereitung von Informationen loswerden. Wie oben angesprochen erwartet man ja von Unterstützer:innen eine völlige Vorfinanzierung. In diesem Fall erwarte ich dann aber auch deutlich mehr Anhaltspunkte, in was ich den genau investiere. Bereits intern bekannte Informationen z.B. über Autor:innen oder etwas präzisere Inhalte halte ich da für verlangbar. Beispielsweise fände ich die eine oder andere Beispielsseite wünschenswert, was bei einem fortgeschritteneren Arbeitsprozess auch machbar sein sollte. Das können auch irgendwelche Verweise auf kommende Streams etc. nicht ausgleichen, ich soll ja jetzt investieren. Ich habe kein generelles Problem mit Crowdfundings als Finanzierungsmethode (hier halte ich die von Ulisses vorgetragenen Beweggründe für nachvollziehbar), allerdings habe ich bei diesem Modell dann auch etwas andere Anforderungen an den Produzenten als bei Bänden, die ganz regulär erscheinen. Ob das damit unterm Strich dann auch der von mir im Titel erwähnte „Kracher“ wird, kann aber letztlich nur der Blick in die fertigen Bände beantworten, ich sehe aber gewisse Ansätze für begründeten Optimismus.         

6 Kommentare

  1. Zu den Preisen:
    Bei dei PDF unerheblich, aber bei den physischen Produkten eventuell relevant: Aktuell sollen Rohstoffe auch für die Papierherstellung nicht immer leicht zu beschaffen sein. Das spielt eventuell in die Kalkulation von Ulisses hinein.

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  2. So wie es aussieht bleibt Ulisses sich treu. Mich wundert ohnehin, dass ob der saftigen Preiserhöhung in jüngster Zeit kein Aufschrei durch die Community geht. Offenkundig reicht der Verstand der Hardcore Base nur bis zur eigenen Haustür. Die finanziert Ulisses die Überfahrt über den Teich und sorgt gleichzeitig für eine immer weitere Trivialisierung bzw. Beliebigkeit des Systems DSA, atmen tut es jedenfalls schon länger nicht mehr Und wenn ich mir dann anschaue, mit welcher Inbrunst auch noch Argumente zur Rechtfertigung für die Preistreiberei aus den Fingern gesogen werden (Kosten für Rohstoffe), verschlägt es mir den Atem. Wir reden hier von Papier und ein bisschen Farbe, nicht von Halbleitern. Das ist das große Problem, wenn Unternehmen die Sinne der Verbraucher mit fadenscheinigen Argumenten füttern bzw. vernebeln und versuchen Verständnis zu wecken. Das fällt oft genug auf fruchtbaren Boden. Ich nenne es beim Namen: Für mich ist das nur noch Abzocke und genau dieser Weg war schon Mitte DSA 4 abzusehen. Ulisses soll die Lizenz an einen Verlag abgeben, dessen Führung mit Herzblut UND Verstand agiert. Spontan fällt mir Pegasus ein. Das wIrd leider nicht passieren und in spätestens weiteren 10 Jahren ist das System in Deutschland ebenfalls absolut beliebig. An den Unis die ich kenne, kennt es kaum noch jemand, zu meiner Zeit undenkbar. Ich kenne jedenfalls viele Leute die sich schon vor langem ob der Produkt-, Unternehmens-, Personal- und Preispolitik von Ulisses abgewendet haben. Glücklich ist niemand von denen was mit dem System unter Ulisses passiert ist, denn sie sind alle mit DSA aufgewachsen (die Bezeichnung Ü30 wäre geschmeichelt) und viele erinnern sich noch an die magische Prä-Ulisses Zeit, mich eingeschlossen.

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    1. Harte Worte, denen ich so nicht folgen kann. Die Wahrheit liegt wohl wahrscheinlich eher in der Mitte. Was ich halt noch nie gut fand, ist das Setzen auf Exklusivität, in Form von irgendwelchen Sammlerausgaben oder Limitierung von Produkten. Das braucht das Spiel nicht, es gibt andere Methoden, um DSA attraktiv zu halten.
      Was Preissteigerungen angeht, kann ich das nicht beurteilen. Ich kann das Gesamtpaket eines DSA-Bands nicht einordnen mit Texten, die geschrieben und lektoriert werden müssen, Illustrationen, die angefertigt werden müssen und dann kommt da noch ein Druck- und Lieferprozess dazu. Eine Rolle spielt dann wohl auch, dass das alles in kleineren Auflagen stattfindet, das macht das eben teurer. Das Beispiel Pegasus passt da vielleicht im Vergleich nicht so, die sind wesentlich größer und verlaufen ihre Spiele in ganz Deutschland in großen Läden. Von daher kann ich das für den Print akzeptieren, im aktuellen Crowdfunding finde ich aber den krassen Sprung für das PDF-Gesamtpaket im Vergleich zur Sonnenküste von 40 auf 100 Euro schwer nachvollziehbar.

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      1. Der Sprung von 40 auf 100 € ist schon erheblich.
        Aber ist der Umfang nicht auch deutlich erhöht?
        Allein die beiden Kernbücher scheinen deutlich umfangreicher.

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      2. Hallo,

        Zu den Printpreisen: Beispiel Sonnenküste RSH: Bei fünf Produkten (RSH, Vademäcum, Landkarten, Abenteuer, Rüstkammer / also die Basics) aus der „Flöte“ habe ich Mehrkosten von 16 Euro bei Null Mehrwert. Zumindest wird nochmals der wahre Grund deutlich, warum Ulisses viele Dinge gesplittet hat. Ich denke Prozentrechnen wird wohl jeder können, das ist in meinen Augen Irrsinn. Dazu die weiterhin üble Materialqualität der Broschüren (Nicht HC). Es steht Ulisses ebenfalls frei, ihre Spiele in großen Läden zu verkaufen. Wenn dazu, egal von welcher Seite, kein Interesse besteht oder die Auflagen geringer sind/werden, sollte Ulisses sich vielleicht einmal fragen warum das so ist. DSA5 soll sich doch angeblich so gut verkaufen. Das die Preise für PDFs nun ebenfalls so anziehen wundert mich indes nicht. Ich vermute (nicht eruierte These) dass sich kaum noch jemand, bis auf ein paar wenige „Großkunden“, die Printprodukte leisten kann oder will. Dann wird eben auch hier an der Preisschraube gedreht. Ulisses hat mit den PDFs so gut wie keine Mehrarbeit. Und wer bedruckte Pappkartons für 20 Euro anbietet, um dem eigens verursachten Printchaos im Regal noch irgendwie Herr zu werden, braucht sich letzten Endes nicht zu wundern, wenn das ohnehin nicht so gute Image weiter leidet.

        Zur Verdeutlichung: Ich beziehe mich hier auf die Verlagsleitung, also die Entscheider, nicht auf den Redakteur, oder gar Autor der sich den … aufreißt.

        Bei der Exklusivität sind wir zumindest einer Meinung, ein Anfang 🙂

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