Rezension: Die Wege des Todes

Vorbemerkung: Zwischen der Vielzahl an Neuerscheinungen für das offizielle DSA (und vor der bald einbrechenden Flut der Auslieferung der Crowdfundings von Die Sonnenküste und Fasar- brüchiger Frieden) möchte ich mal wieder ein Fanprodukt ins Rampenlicht rücken. Die Wege des Todes von Georg Blaudow und Andreas Balsliemke ist insofern interessant, als dass hier eine Art Ergänzung des Boron-Vademecum vorhanden ist (daher auch der Untertitel Handbuch für den volksnahen Borongeweihten), das mich bei seinem Erscheinen damals sehr überzeugen konnte, wobei Georg Blaudow auch schon an dem Vademecum selbst als einer der Autoren mitgeschrieben hat.

In Zahlen:

– 16 Seiten

– Preis: Pay-what-you-want im Scriptorium Aventuris

– Erschienen am 5.11. 2021

I. Inhalt

Dem Titel folgend liegt der Schwerpunkt der Publikation tatsächlich auf den verschiedenen Vorstellungen einer Nachwelt, die sich aus dem Glauben an Boron bzw. die Zwölfe allgemein ergibt. Zu Beginn wird dabei das Totengericht beschrieben, aus dessen Entschluss sich unterschiedliche Varianten eines Nachlebens ergeben. Differenziert wird dabei zwischen drei Optionen: Die Einkehr in Borons Hallen stellt eine Art Zwischendasein dar, in dem ein Leben wie in einem Kloster aufgezeigt wird. Besser treffen es diejenigen, die in eines der zwölfgöttlichen Paradiese einziehen, weil sie sich besonders um eine bestimmte Gottheit verdient gemacht haben. Das schlimmste Schicksal stellt der Weg der Verdammnis dar, der den großen Sündern zugewiesen wird.

Eine Alternative dazu ist hingegen der Totenweg Tsas, in dem das Nachleben durch eine Wiedergeburt ersetzt wird. Eine Sonderrolle nehmen hier noch einmal die Seligen und Heiligen ein, die vor Vollendung ihrer Bestimmung das Zeitliche gesegnet haben und denen die besondere Gnade einer Rettung vor dem Tod zuteil wird.

Zuletzt werden aber auch solche Fälle genannt, die wider die Ordnung der Zwölfe existieren. Der Fluch Satinavs betrifft dabei diejenigen, die als ruhelose Seelen auf Dere verbleiben, weil ihnen großes Unheil geschehen ist (oder weil sie im Gegenteil solches verursacht haben). Gewaltsam ist die astrale Vernichtung, bei der aktiv durch astrales oder karmales Wirken dafür gesorgt wurde, dass eine Seele völlig vernichtet wurde. Ähnliches gilt für den Weg in die Niederhöllen, wobei die Seele an Wesen wie Dämonen fällt.

Dem schließen sich einige weitere Aspekte an, die konkret im Spiel genutzt werden können. So werden beispielhaft Auszüge aus Wortgottesdiensten für Boron vorgestellt, zusätzlich versehen mit einer Aufbaubeschreibung für eine solche Messe. Zudem finden sich noch Anmerkungen zur Verwendung von Reliquien und warum diese keinen Frevel darstellen und zuletzt sind noch einige Gebete vorhanden, die zumeist aber einen konkreten Zweck haben (wie z.B. einen Exorzismus oder ein Banngebet).

Angereichert sind die Spielhilfetexte zusätzlich durch einige Quelltexte, die die theoretisch beschrieben Aspekte lebensnaher werden lassen. Unterstützt wird dies durch einige Illustrationen, die von Diana Rahfoth angefertigt wurden.         

II. Kritik

Zunächst muss man den beiden Autoren ein großes Lob aussprechen, man merkt, dass die einzelnen Texte von Leuten verfasst wurden, die mit der Materie vertraut sind und die auch stilistisch den Ton eines Traktates treffen, das primär der Götterverehrung dient. Das ist auch insofern erfreulich, als dass mit dem Boron-Vademecum an einen Band angeknüpft wird, welcher aus meiner Sicht eine der gelungensten Publikationen der Reihe darstellt, somit liegt die Messlatte grundsätzlich nicht gerade niedrig.

Dazu kommen noch die atmosphärisch gelungenen Illustrationen von Diana Rahfoth, die die Texte gut begleiten und die düstere Thematik unterstreichen. Das gibt dem Ganzen einen sehr individuellen Charakter, da nur ein einziges Mal auf eine Scriptoriums-Illustration zurückgegriffen wird. Generell hat man den Eindruck, dass sich das Endprodukt durchaus mit offiziellen Publikationen messen lassen kann. Gleiches gilt auch für das Layout, das die Mittel des Scriptoriums gut nutzt, stellenweise aber etwas unruhig ausgefallen ist durch wechselnde Spaltengrößen. Die beiden Autoren haben sich dementsprechend auch eine Miniauflage an Printversionen ihres Werkes gegönnt, von denen ich auch eine als Grundlage für diese Rezension erhalten habe (selbstverständlich gegen eine entsprechende Erstattung des Druckpreises, nicht als kostenfreies Rezensionsexemplar). Auch hier muss ich sagen, dass das Endprodukt wirklich schön aussieht.     

Inhaltlich werden die unterschiedlichen Totenwege gut ausdifferenziert. Dabei werden auch sich eigentlich widersprechende Konzepte (wie die Wiedergeburt) stimmig eingebracht und auch solche Wege berücksichtigt, die nicht im Einklang mit den Wegen der Zwölfgötter stehen (hier hätte ich mir fast sogar mehr Material gewünscht, da diese vergleichsweise kurz thematisiert werden). Grundsätzlich wird mit dem Tod ja ein Komplex in den Mittelpunkt gestellt, der für das Rollenspiel eine hohe Relevanz aufweist und der gerade in Aventurien viele unterschiedliche Formen kennt.

In der zweiten Hälfte merkt man, dass die Autoren einen LARP-Hintergrund haben, handelt es sich doch weitgehend um solche Text, die dazu angetan sind, das Rollenspiel anzureichern und die auch konkret genutzt werden können. Gerade der Ablauf eines Gottesdienstes ist sicherlich auch dazu angetan, dies – zumindest in dieser Ausführlichkeit – auch auszuspielen und zeigt ein interessantes Konzept, das irdische Vorbilder angemessen variiert. Gleiches gilt für die Gebete. Einzig der Abschnitt über die Reliquien wirkt an dieser Stelle nicht ganz passend, da hier wieder eher der Stil einer Spielhilfe gewählt wurde.       

III. Fazit

Die Wege des Todes ist eine gelungene Spielhilfe, die sich gut an das Boron-Vademecum anbinden lässt und vor allem den Glauben an ein Nachleben in seinen unterschiedlichen Formen in den Fokus nimmt. Zudem finden sich auch einige Anregungen, mit denen man das Rollenspiel (live oder am Spieltisch) um konkrete Szenen stimmungsvoll anreichern kann, die die Boronverehrung in den Mittelpunkt stellen.

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