Rezension: Die Studierstube der Magier

Vorbemerkung: Was wären kriegerische Charaktere ohne Schild, Schwert, Kettenhemd und Co.? Waffen und Ausrüstung sind elementar und diesem Umstand wird bei DSA5 durch das Erscheinen der sogenannten Rüstkammer-Bände Rechnung getragen. Im Kontext von Rohals Erben aber stehen magische Charaktere im Vordergrund und natürlich haben auch diese einen Bedarf an solcher Ausstattung, nur eben völlig anders geartet als die ihrer profanen Gegenstücke. Genau dies wird in Die Studierstube der Magier thematisiert, indem das Heft die Grundausstattung für solche Figuren vorstellt.

In Zahlen:

– 32 Seiten

– Preis: 14,95 Euro

– erschienen am 30.10. 2022

I. Aufbau und Inhalt

Der Band beginnt mit dem sehr ausführlichen Kapitel Von den Gewändern der Gildenmagier. Bekannterweise tragen diese keine schweren Rüstung, insbesondere keine solchen aus Metall, da es sie beim Zaubern behindert. Stattdessen sind es eher leichte Gewandungen, die benötigt werden, da diese Zauberwirkungen unterstützen können. Insgesamt werden fünf verschiedene Varianten thematisiert: das Leichte Gewand (hilfreich bei Beherrschungsmagie, das Große Gewand (die gängigste Variante für viele Arten von Zauberei), das Beschwörungsgewand, die Reiserobe und das Konventsgewand für zeremonielle Anlässe. Für alle Exemplare finden sich Illustrationen in unterschiedlichen Ausgaben, z.B. für die einzelnen Gilden, aber auch regionale Gewandvariationen. Zudem sind auch regeltechnische Angaben enthalten, ebenso gibt es im gesamten Heft auch wieder Kästen, in denen die archetypischen Charaktere die einzelnen Ausrüstungsgegenstände kommentieren.

Auf die Gewänder folgen die Traditionsartefakte, wobei natürlich an erster Stelle der Magierstab steht. Dessen Bedeutung und Anfertigung wird zunächst erläutert, folgend werden Regeln hinzugefügt, wobei Werte variieren, z.B. beeinflusst von der Holzart, die bei der Herstellung verwendet wurde. Weiterhin werden die Magierkugel, das Bannschwert und die Zauberschale berücksichtigt. Eine Sonderrolle nehmen Siegelstöcke ein, weil sie Unikate sind und nur einmal an einer Akademie existieren, da sie benötigt werden, um den erfolgreichen Absolvent*innen das Magiersiegel zu applizieren.

Magierakademien werden aber nicht nur zum langjährigen Studium aufgesucht, sondern auch profane Charaktere kommen dorthin, um von den Erkenntnissen der dort praktizierten Magie zu profitieren. Aus diesem Grund wird auch auf dort erhaltbare Dienstleistungen eingegangen. Explizit genannt werden magiekundliche Beratung, Bibliothekszugang, akademiespezifische Dienstleistungen, Zerstörung und Erschaffung magischer Gegenstände, Be- und Entschwörungen und alchimistische Dienstleistungen. Dazu ist auch eine Preisliste enthalten. Passend zur Artefakterschaffung sind auch einige Artefakte beinhaltet, das Äthrolabium und das Monoculus als begehrte Objekte, dazu die Porträts der Mächtigen, die die größten Koryphäen einer magischen Disziplin zeigen und die Abbildung wandeln, wenn sich deren Position ändert. Für den ODL besonders relevant sind die vier Grauen Stäbe, die sich im Besitz der Großmeister befinden, sowie das Schwert Famerlin, das der Hochmeister erhält.

Zuletzt folgt wie immer ein Sonderkapitel, das diesmal die Graue Wacht, eine Niederlassung des ODL vorstellt. Das Gebäude wird zunächst in einem Rundgang mit Beschreibungen der Räumlichkeiten erschlossen, was durch einen Gebäudeplan unterstützt wird. Dem schließen sich Charaktersierungen der Bewohner an, angeführt von der Kämmerin Elissa ya Cortelli. Ergänzt wird dies noch um einige kleine Abenteueraufhänger.

II. Kritik

Einen großen Vorteil hat der Band gegenüber den gewohnten regionalen Rüstkammern auf jeden Fall: Während dort kaum noch echte Neuerungen vorhanden sind, sondern nur (regionaltypische) Variationen des Bekannten geliefert werden können, handelt es sich hier eindeutig um eine originelle Ausnahme, die selbstverständlich einen sehr eigenen Weg beschreitet. Das verdeutlicht eben besonders den Aspekt, dass magieaffine Charaktere andere Bedürfnisse haben. Während der durchschnittliche Haufdrauf bei seiner Bekleidung darauf achtet, dass sie ihm hilft, möglichst viel Schaden einstecken zu können, geht es hier um die Frage, inwieweit die Gewandung bei einer speziellen Form von Magieanwendung die Zaubernden unterstützt.

Allerdings setzt schon bei diesem ersten Inhaltspunkt meine zentrale Kritik an: Ich bin nicht wirklich zufrieden mir der Schwerpunktsetzung des Bandes. Das Gewand eines Magiers mag sicher ein relevanter Punkt sein, allerdings nimmt es mir viel zu viel Raum innerhalb des Gesamttextes mit gleich 5 unterschiedlichen Varianten, die dazu auch noch in gildentypischen Ausgaben differenziert werden, was insgesamt bereits ein Drittel des Bandes einnimmt (die Basisbeschreibung der Gewänder finden sich zudem schon in Rohals Erben, hier wird die Beschreibung nur stark vertieft). Natürlich kann das mit der eher bodenständigen Ausrichtung von DSA im Allgemeinen erklärt werden, aber gerade bei der Ankündigung des vorliegenden Bandes hatte ich mir doch eher etwas vorgestellt, dass vor allem die spannenden und weniger die gewöhnlichen Elemente des Themas darstellt, also z.B. Artefakte mit ungewöhnlichen, kuriosen oder mächtigen Effekten. Solche Artefakte sind auch im Band enthalten und stellen für mich auch den spannendsten Teil der Studierstube dar. Allerdings ist auch hier ein wenig der Nachteil vorhanden, dass es sich mehrheitlich um solche Artefakte handelt, die gewöhnliche Magiewirkende wohl niemals in den Händen halten werden (z.B. die Grauen Stäbe oder Famerlin). Aus meiner Sicht wäre es vorteilhafter gewesen, zusätzlich mehr solche Artefakte einzubauen, die „alltagstauglicher“ und zumindest etwas leichter (für magische Verhältnisse) erhaltbar/herstellbar sind. Gleiches gilt für die Traditionsartefakte, vor allem natürlich die Zauberstäbe, die ja gerade in der Populärkultur etwas besonderes Faszinierendes innerhalb des Bereichs der Zauberei haben, auch diese kommen mir im Vergleich zu den Gewändern deutlich zu kurz, auch weil hier Varianten nur tabellarisch aufgezeigt werden. In diesem Bereich hätte ich es analog zu den Rüstkammern für wünschenswert gehalten, mehr beispielhafte Varianten des Bekannten zu zeigen, also z.B. Zauberstäbe in unterschiedlicher Optik aus anderen Materialien mit regeltechnischen Differenzen.          

Für mich besonders relevant ist immer das Sonderkapitel eines solchen Bandes. Die Graue Wacht erscheint mir dabei eine gute Wahl, handelt es sich doch um eine durchaus variabel verortbare Örtlichkeit, um die herum man sicher das eine oder andere Abenteuer aufbauen kann. Die Einrichtung ist mit Beschreibung und Karte zudem gut ausgeführt, zudem existiert eine passend große Figurenriege. Allerdings ist mir diese etwas reizlos gestaltet, handelt es sich doch um eine Ansammlung eher aufrechter und gradliniger Charaktere, die kaum nennenswerte Schwächen oder Schattenseiten haben. Bei der Kämmerin beispielsweise wird in dieser Hinsicht lediglich eine gewisse Unentschlossenheit genannt. Was hier nach meinem Eindruck fehlt, sind mehr Konflikte untereinander und zumindest ein moralisch ambivalenter Charakter, der durch eine dunkle Vergangenheit, einen Schicksalsschlag etc. auch das Potential hätte, sich gegen die anderen Ordensmitglieder zu wenden (was man natürlich auch händisch nachjustieren kann, aber aus meiner Sicht immer auch schon Teil der Vorlage sein sollte).

III. Fazit

Innerhalb der Gesamtprodukte des Crowdfundings halte ich Die Studierstube der Magier eher für einen schwächeren Bestandteil, allerdings klar eingeschränkt um die Feststellung, dass es für mich auch kann schlechter Band ist, viele meiner Kritikpunkte stellen ja auch klar meine subjektive Erwartungshaltung dar. Im Ganzen ist mir die Studierstube aber in der Schwerpunktsetzung zu wenig reizvoll ausgefallen, was einerseits an dem vergleichsweise seitenstarken Gewänderkapitel liegt, aber auch an der Ausführung weiterer Aspekte, z.B. den ausgewählten Artefakten.

Bewertung: 3 von 6 Punkten          

3 Kommentare

  1. Nach deiner Rezi klingt es für mich so als wäre diese Themen aus DSA3 bis DSA4 für DSA5 neu aufbereitet worden, aber kaum sinnvoll ergänzt.
    Alltagsgegenstände vermisse ich bei DSA, wo Magie angeblcih allgegenwärtig sei, schon seit Ewigkeiten. Ebenso magische Mithilfe an Bauprojekten.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s