Aventurien für die Ohren: Die Geweihten des Totengottes

Vorbemerkung: Einige Zeit ist mittlerweile seit dem letzten Teil der Hörspielreihe rund um den jungen Zwerg Gundar und seine Gefährten vergangen, nun ist mit „Die Geweihten des Totengottes“ die 3. Folge von Audionarchie und WinterZeit Audiobooks erschienen. Interessant ist dabei erneut die Frage, wie sich das Verhältnis von professioneller Machart mit aventurischer Stimmigkeit verbinden lässt.

I. Inhalt

Zu Beginn muss die Abenteurergruppe noch mit den Auswirkungen des Gefechts mit den Banditen und den Garether Stadtgardisten kämpfen, ist die schwer verletzte Leonida doch dem Tode nahe. Allerdings beweist Alinne plötzlich ungeahnte Fähigkeiten und heilt die Kriegerin, was umgekehrt Hothars Argwohn erregt, der in ihr eine Hexe vermutet.

Zunehmend verspürt man jetzt die Annäherung an die Schwarzen Lande, spätestens als die Gruppe auf ein zerstörtes Dorf stößt. Ab hier nimmt die Handlung einiges an Fahrt auf, müssen sich die wackeren Recken doch mit Kannibalen und Wölfen herumschlagen, werden dazu zwischenzeitlich erneut gefangengenommen. Ihren Höhepunkt aber nimmt diese Episode, als die Gruppe ein Boronkloster erreicht und dort um Unterkunft für eine Nacht bittet. Schnell müssen Gundar und seine Freunde feststellen, dass sie hier mitnichten einen sicheren Ort zur Erholung gefunden haben, sondern sich in großer Gefahr befinden.

II. Kritik

Auch der 3. Teil überzeugt wiederum in seiner professionellen Machart, die Sprecherriege wird z.B. dieses Mal um Roland Hemmo erweitert, der unter anderem als Synchronstimme von Brendan Gleeson oder Colm Meaney aus Star Trek bekannt ist und hier den Klostervorsteher Thanatos spricht. In dieser Hinsicht ist die Reihe weiterhin absolut positiv zu bewerten.

Leider kann ich das auf der inhaltlichen Ebene nicht bestätigen, hier setzen sich ebenfalls die Tendenzen der ersten beiden Folgen fort. Zum einen ist da weiterhin das ärgerliche Manko der aventurischen Stimmigkeit, die teilweise überhaupt nicht gegeben ist. Nach wie vor tragen Orte keine Namen, weder das zerstörte Dorf noch das Kloster erhalten eine konkrete Bezeichnung. Genauso werden konkrete Nennungen vermeiden, so erfährt der Hörer beispielsweise nur, dass die Gruppe in das Gebiet des „Nekromanten“ eindringt, nähere Angaben werden nie verwendet. Das ist schlichtweg ärgerlich, weil solche Sachverhalte nun wirklich nicht schwer zu recherchieren sind. Hier fällt knallhart auf, dass die Aventurien-Kenntnisse der Macher viel zu oberflächlich sind. Das führt dann auch zu solchen Stilblüten wie der Erwähnung, dass „die reitenden Boten von Gareth“ die Nachricht von der Flucht Gundars und seiner Freunde in ganz Aventurien verbreiten würden. Hier wäre es wirklich wünschenswert, wenn die Macher bei einer möglichen Folgepublikation auf Experten zurückgreifen würden, die zumindest so offensichtliche Fehler vermeiden helfen könnten.

Ebenso fallen auch abseits von der Hintergrundstimmigkeit einige logische Schwächen auf. So wird der Kannibalismus der Kinder nach dem Angriff der Wölfe plötzlich gar nicht mehr thematisiert. Stattdessen besitzen die Kinder sogar einige Esel, die sie den Abenteuern schenken. Das passt kaum miteinander zusammen, würde doch jeder Mensch zunächst die Tiere verzehren, anstatt zu derart drastischen Mitteln zu greifen. Genauso wenig werden Bemühungen beschrieben, die Situation der Kinder zu verbessern. Auch sonst sind einige Punkte unklar, z.B. wieso die offenbar geheim agierenden Gefolgsleute Rhazzazors ausgerechnet Wölfe verwenden, um gegen Gundar und seine Gefährten vorzugehen. Wenn sie nur eine Minderheit innerhalb des unterwanderten Ordens darstellen, muss das doch viel zu große Aufmerksamkeit erregen. Ohnehin liegt hier für meinen Geschmack viel verschenktes Potential, der an sich stimmungsvolle Aufenthalt in dem düsteren Kloster wird viel zu schnell abgehandelt, eben weil zuvor schon die Begegnung mit den Kindern stattgefunden hat. Die Konzentration auf einen Handlungsstrang hätte für mich zu einer deutlich intensiveren Episode geführt.

Zuletzt fällt auf, dass sich gewisse Handlungsmuster zu oft wiederholen. So wird die Gruppe bereits zum dritten Mal gefangengenommen bzw. lässt sich arglos in Fallen locken. Dem liegen zwar situativ immer logische Voraussetzungen zugrunde, allerdings sollte man hier auf mehr Abwechslung achten.

Positiv fällt auf, dass Alinne sich mittlerweile zur interessantesten Figur entwickelt, wenn sie nun ungeahnte Fähigkeiten entwickelt, eine Erklärung dafür aber noch ausgespart wird, was ihr etwas Rätselhaftes für die weiteren Fortsetzungen verleiht. Auch bei Hothar sind am Ende Tendenzen erkennbar, die ihn endlich aus seiner Rolle als misstrauischer Dauernörgler herausholen können.

III. Fazit

„Die Geweihten des Totengottes“ ist ein formal gut erstelltes Hörspiel in professioneller Umsetzung. Allerdings werden die inhaltlichen Schwächen weiter fortgeführt und offenbaren, dass die Macher viel zu wenig Recherchearbeit zur Hintergrundwelt betrieben haben, gerade auch in Bereichen, in denen dies ohne großen Aufwand besser gestaltet werden könnte. Letztlich entsteht so der Eindruck eines zu lieblosen Umgangs mit dem aventurischen Hintergrund.

 

Links zu den Rezensionen der anderen Reihenteile:

Im Kerker von Gareth

Freund oder Feind

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