Schwarze Kunst und Limbusreisen

Vorbemerkungen: Rohals Erben war als Crowdfunding außerordentlich erfolgreich, sowohl was die Summe der Teilnehmenden als auch den finanziellen Endbetrag angeht. Dementsprechend sind auch viele Bonusziele erreicht worden. Ein Teil dieser Ziele ist wie üblich im Rahmen eines Meisterschirmbandes zusammengefasst worden. Das dazugehörige Heft trägt diesmal den Titel Schwarze Kunst und Limbusreisen. Bei den bisherigen Meisterschirmbänden aus den Crowdfundings handelte es sich meist um Bände, die einige spannende Themen beinhalten (oft im Nischenbereich, da sie nicht Teil des Hauptbandes sind), allerdings besteht aus meiner Sicht auch immer die Gefahr einer gewissen Beliebigkeit, wenn viele Sachverhalte in einem Band zusammengefasst werden, die im Prinzip keine natürliche Verbindung aufweisen.  

In Zahlen:

– 48 Seiten

– Preis: 29,95 Euro (als Bestandteil des Meisterschirmsets zusammen mit dem Abenteuer Lowanger Lügenmärchen)

– erschienen am 30.10. 2022

Aufbau und Inhalt

Den größten Raum innerhalb des Bandes nimmt eine genauere Beschreibung des Institut der Arkanen Analysen zu Kuslik ein, das ja auch in kurzer Form als besonderer Ort im Hauptband Rohals Erben schon beinhaltet ist. Hier allerdings ist der Fokus sehr viel detaillierter. Nach einer stichwortartigen Vorstellung und einem kurzen geschichtlichen Überblick (das Institut wurde ja auch erst 1013 BF gegründet) erfolgt ein ausführlicher Rundgang durch das Gebäude (nebst einer dazugehörigen Karte). Da die drei Spektabilitäten im Hauptband beinhaltet sind, wird sich folgend auf das restliche Personal fokussiert. Anschließend geht es um das Leben am Institut, das sich ja schon insofern von anderen Akademien unterscheidet, als dass dort keine Lehre betrieben wird, sondern ausschließlich Forschung. Als konkrete Spielanregungen gibt es zuletzt einige Beispielszenarien sowie allgemeine Geheimnisse, die das IAA betreffen.

Vergissmeinnicht ist ein Szenario von Julian Härtl, das am Kaiserlich-Garethischen Informationsinstitut zu Rommilys spielt. Dort kommt unter offenkundig gewaltsamen Umständen eine Anwärterin auf eine Dozentenposition ums Leben. Da das Personal der Akademie als potentielle Tätergruppe in Frage kommt, wird auf die Heldengruppe als externe Kräfte zur Ermittlung zurückgegriffen. Auf drei Seiten werden der Tathintergrund, das Institut selbst und die dazugehörigen Personen beschrieben

Wenn Nachtwinde lieben ist ein frei verortbares zweiseitiges Szenario von Fred Ericson, in dem die Spielercharaktere direkt im Einstieg Zeugen eines Angriffs auf eine Bauernfamilie werden. Gelingt ihnen deren Rettung, erweist sich schnell, dass es sich um keine gewöhnliche Familie handelt, sondern dass man in ein Intrigenspiel in magischen Kreisen verwickelt wird.

Mit Zepter der Macht hat Fred Ericson noch ein weiteres dreiseitiges Szenario beigesteuert. Hier geht es um ein mächtiges Artefakt aus der Zeit der Magiermogule. Als Auftraggeber fungiert niemand Geringeres als Thomeg Atherion selbst, mit dem die Gruppe an den Raschthulswall reist, wo sie feststellen müssen, dass sie eine schlagkräftige Konkurrenz aus finsteren Kreisen haben. Daraus kann sich eine Auseinandersetzung geben, die mit durchaus epischen Mitteln ausgetragen wird.

Niemand erwartet die Visitation von Lena und Matthias Kalupner ist mit einer Einzelseite das kürzeste Szenario und versetzt die Heldengruppe in die Rolle der titelgebenden Visitatoren, indem sie von der Weißen Gilde beauftragt werden, in Rommilys einem Fall von Siegelfälschung auf den Grund zu gehen.

Zauberbuch-Zufallstabellen ist eine tabellarische Spielhilfe, mit der man schnell entsprechende Zauberbücher für den Spieltisch erstellen kann. Als Kategorien kann man dabei die Gattung, zwei Themenkategorien, den Inhalt und Äußerlichkeiten erwürfeln.

Graues Wabern – Der Limbus setzt sich als Spielhilfe mit der titelgebenden Zwischenwelt auseinander, die die (außer)derischen Sphären miteinander verbindet. Dabei wird zunächst der Aufbau des Limbus beschrieben, bevor die Fortbewegung thematisiert wird, ergänzt um regeltechnische Aspekte, z.B. in Form von Tabellen für Chaoseffekte und Zufallsbegegnungen.

Taphirels Turm stellt den Magierturm des uralten verhüllten Meisters Taphirelar Ralahan vor. Die Besonderheit dieses Gebäudes liegt darin, dass es seit der Borbaradianischen Invasion immer wieder im Limbus verschwindet und zeitweise nicht in Aventurien existiert. Dabei wird das Innere des sogenannten Mondturms geschildert (auch hier mit einen Gebäudeplan), dazu seine Bewohner. Auch hier sind ein paar Abenteueraufhänger hinzugefügt worden.

Zauberzeichen sind eine Sonderform von aventurischer Magie. Neben einigen allgemeinen Angaben, u.a. zur Geschichte dieser magischen Kategorie werden regeltechnisch eine Reihe besagter Zeichen zur Verfügung gestellt.

Kraftlinien geht auf die astralen Fäden ein, die sich durch ganz Aventurien ziehen. Zunächst werden allgemeine Aspekte thematisiert, z.B. zum Aussehen, dem Ursprung und den Nutzungsmöglichkeiten. Im Speziellen werden dann berühmte Einzelkraftlinien und -knoten erwähnt, auch unter Berücksichtigung von Effekten des Sternenfalls, ebenfalls ergänzt um Regelaspekte.

Den Abschluss des Heftes bildet ein Kapitel zum Borbaradianismus. Auch nach dem Fall des Dämonenmeisters existiert sein Vermächtnis weiter. Dazu findet sich zunächst ein historischer Überblick, der verschiedene Zeitperioden betrifft, bedingt durch dessen einzelne Inkarnationen. Folgend wird der Fokus auf den heutigen Borbaradianismus gelegt, v.a. auf die Borbaradkirche unter Führung von Azaril Scharlachkraut. Dazu ist auch die Tradition Borbaradianer enthalten.

Das Meisterschirmset enthält außerdem noch das von mir bereits besprochene Abenteuer Lowanger Lügenmärchen, dazu viele Handouts, u.a. Heldenbögen für die dort verwendeten Charaktere, Blanko-Heldenbögen für Magier*innen, sowie Karten zu den anderen Inhalten von Rohals Erben. Dazu gibt es eine Sonderausgabe des Salamanders, quasi der aventurischen Fachzeitschrift für Magie und Alchimie, dessen Inhalte auf die Abenteuer des Crowdfundings abgestimmt sind.

II. Kritik

Gerade im Bereich der Hintergrundkapitel muss man klar sagen, dass der Band einige hochspannende Themen aufgreift. Vor allem der Limbus und der Borbaradianismus sind ja keine kleinen Nischenthemen, sondern spezielle Aspekte, die auch in Abenteuern sehr relevant sind, als effektive, aber hochgefährliche Reisemöglichkeit und als Gegnerfraktion. Gerade bei den Borbaradianern empfinde ich es als eine interessante Neuerung, dass diese Setzung als klare Feinde etwas durchbrochen wird, da sie hier auch explizit als potentielle Verbündete erwähnt werden, in Form eines klaren Antagonismus gegen die Anhänger des namenlosen Gottes (aufgrund der Unvereinbarkeit beider zugrundeliegender Lebensmaximen). Zudem ist die Vernetzung der Themen untereinander mehrfach gegeben, z.B. indem Taphirels Turm eine direkte Verbindung zum Limbus darstellt. Auch die Kraftlinien fügen sich in diesen Komplex gut ein, während die Zauberzeichen umgekehrt für meinen Geschmack am wenigsten in den Band passen und etwas beliebig eingefügt werden.

Bei aller Relevanz der genannten Themen muss ich allerdings auch sagen, dass ich es eigentlich eher schade finde, dass Themen wie der Limbus und der Borbaradianismus im Rahmen dieses Heftes doch eher knapp abgehandelt werden. Gerade die Borbaradianer wären aus meiner Sicht als eine der zentralsten Antagonistenfraktionen fast schon eher ein Kandidat für ein ganzen Themenheft. Gute und ambivalente Schurken sind für mich das Salz in der (Abenteuer-)Suppe und vertragen aus der Warte heraus sicher noch deutlich mehr Details.

Die Szenarien stellen für mich wie schon in den vorherigen Meisterschirmbänden ein zweischneidiges Schwert dar. Einerseits bin ich über Abenteuerstoffe grundsätzlich immer froh, auch weil hier durchweg sehr spannende Basisplots beinhaltet werden. Die Umsetzung auf 1-3 Seiten bedingt dann aber immer eine enorme Reduktion auf die absoluten Grundinformationen. Wer sich eines solchen Szenarios wirklich annehmen will, muss sich darauf einstellen, dass der Löwenanteil an Ausgestaltung in Eigenleistung erfolgen muss. In dieser Hinsicht die meiste Vorarbeit leistet Vergissmeinnicht, indem hier mehr Personen und die relevante Akademie (zumindest in Grundzügen) beinhaltet sind, dafür gibt es quasi keine Angaben zu einem möglichen Handlungsverlauf. Besonders spannend und recht episch klingt Zepter der Macht, wo umgekehrt Handlungsabschnitte grob ausgeführt werden, dafür die Personen- und Ortsebene kaum berücksichtigt werden konnte. In dem Kontext empfinde ich das insofern als ausgesprochen schade, als dass die Story so klingt, als hätte sie es eher verdient gehabt, als vollständiges Abenteuer ausgearbeitet zu werden.

Als größte Stärke des Bandes sehe die beiden gut ausgearbeiteten Schauplätze an, also Taphirels Turm und das IAA. Beide Einrichtungen bieten einen interessanten Hintergrund mit vielen relevanten Figuren an und sind um einige gelungene Plotideen ergänzt worden. Beim IAA empfinde ich allerdings die Konstruktion im Zusammenhang mit dem Hauptband als maximal ungünstig, indem die Beschreibung somit auf zwei Bände im selben Crowdfunding gesplittet ist. Es ergibt für mich keinen Sinn, dass man die Spektabilitäten im Hauptband findet, während der Rest des Personals hier eingegliedert wurde.

Einen zusätzlichen Bonusaspekt stellen die vielen Zusatzmaterialien und das Abenteuer Lowanger Lügenmärchen dar. Die Handouts sind zwar auch in den anderen Bänden abgedruckt, es ist aber enorm praktisch, sie hier separat zu haben. Der Salamander ist zudem ein schönes Ingame-Begleitmaterial.  

III. Fazit

Wie die vorherigen Meisterschirmbände, die in Crowdfundings Bonusinhalte zusammenfassen, ist auch Schwarze Kunst und Limbusreisen ein buntes Sammelsurium von verschiedenen Themen geworden. Allerdings handelt es sich dabei um eine Mischung von fast durchweg spannenden Themenkomplexen. Teilweise leiden diese aber wieder einmal unter dem geringen Platz, der zur Verfügung steht. Weiterhin würde ich hier dazu raten, zu bedenken, ob es eventuell sinnvoller wäre, die Menge an verschiedenen Schwerpunkten etwas zu reduzieren, diese dafür aber dann etwas zu vertiefen.

Bewertung: 4 von 6 Punkten (nur für das Heft, für das Zusatzmaterial kann man einen weiteren Punkt addieren)     

1 Kommentar

  1. Taphîrel ar’Ralahan und sein Turm sowie die Mitbewohner sind detailliert und gut ausgearbeitet, sogar alle mit schönen Illus versehen. Inzwischen gibt es sogar eine komplette Karte des Turms.
    Die vorgeschlagenen Abenteueraufhänger finde alle nicht wirklich tauglich, entweder wenig abenteuerlich oder unplausibel. Allerdings finde ich das auch eine sehr schwere Aufgabe in dem Fall. So trug ich einige Tage die Frage herum, ob mir selbst etwas einfiele. Vor allem auch ein Szenario, wo die Karte bzw. der Turm selbst relevant ist. Mein Ergebnis ist ein Rückeroberungsszenario, nachdem Dämonen und/oder feindliche Magier den Turm gekapert haben um den Limbus zu bereisen oder eben Dämonen hin- und herzutransportieren. Die Helden helfen also den Bewohnern ihr Heimstatt wiederzuerlangen. Zumindest gefällt mir die Richtung, dass der Turm und seine aussergewöhnliche Funktion im Zentrum des Plots steht.

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