Rezension: Heldenwerk-Archiv III

Vorbemerkung: Weiter geht das buchstäbliche Wühlen im Archiv, indem ich mit dem Heldenwerk-Archiv III gleich den nächsten Heldenwerk-Sammelband anschaue. Wie gehabt verweise ich für das eigentliche Abenteuer auf die ursprüngliche Rezension, die ich im Regelfall ungefähr zum Erscheinungsdatum verfasst habe und lege den Fokus wieder auf die Frage, welches Zusatzmaterial enthalten ist und ob dieses aus meiner Sicht eine sinnvolle Bereicherung darstellt oder nicht.

In Zahlen:

– 128 Seiten

– 7 Seiten

– Preis: 29,95 Euro

– Erschienen am 24.10. 2019

I. Aufbau und Inhalt

Wieder handelt es sich um eine Sammlung von 7 Heldenwerken, von denen 6 regulär mit dem jeweiligen Aventurischen Boten erschienen sind und dazu Hoffnung in der Finsternis, das zunächst exklusiv an die Teilnehmer des KRK 2019 verteilt wurde. Jedes Heldenwerk ist nun um eine einführende Seite mit zusätzlichen Erläuterungen der Autoren ergänzt und wird im Anschluss an den Originaltext um 2-6 Seiten neues Material erweitert.

Des Wandelbaren Schicksal

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Hier wird zunächst die ungewöhnliche Genese des Abenteuers erläutert, das ursprünglich bereits 2010 als Wettbewerbsbeitrag verfasst wurde und lange auf eine Veröffentlichung warten musste. Im Zusatzmaterial werden zunächst einige Möglichkeiten ausgeführt, wie das Abenteuer nach dem Abschluss der eigentlichen Handlung fortgesetzt werden könnte. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf einer Ausgestaltung von Qunbulasab, der zentralen Antagonistin, für die ein Hintergrund entworfen wurde. Zudem sind als Option dämonische Kräfte mitsamt Regeln enthalten, auch ist es möglich, Qunbulasab als Paktiererin anzulegen.

Der Dunkle Mhanadi

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Der Dungeonteil des Abenteuers (der auch das Herzstück darstellt) wurde nicht erweitert, stattdessen wurde sich auf die Hinführung konzentriert. So findet sich ein alternativer Einstieg, in dem die Heldengruppe von der Drachenei-Akademie beauftragt wird, das Schicksal einer vorhergehenden Expedition zu ergründen. Folgend wird dann die Reise durch das Delta ergänzt um unliebsame Begegnungen mit einem Schlinger und einem Kaiman. Zuletzt wird die Auseinandersetzung mit einer Piratenbande weiter ausgeschmückt, so dass man sich z.B. Konflikte innerhalb der Gruppe zunutze machen kann.

Gekreuzte Klingen

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Immer noch eine Sonderstellung nimmt Gekreuzte Klingen ein, das einerseits als Zweiteiler angelegt ist und andererseits lebendige Geschichte zum Mitgestalten bieten sollte, wurde doch der Ausgang des Abenteuers in vielen Spielgruppen ermittelt und kanonisch gemacht. Genau dieser Ausgang wird in den einführenden Worten nun auch vorgestellt. Das Zusatzmaterial ergänzt vor allem die anfängliche Suche nach Diebesgut, indem die Adelige Imperia vorgestellt wird, die von den Helden vor einigen Söldnern gerettet wird und anschließend eskortiert werden muss. Als weiterer Ort wird die die Siedlung Heroicum beschreiben, in der viele Menschen aus dem zerstörten Arivor Zuflucht gefunden haben.

Grimme Herzen

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Das Detektivabenteuer in Tobrien wird vor allem szenisch ergänzt, z.B. um das Treffen mit einem zwielichtigen Krämer und um die Konfrontation mit einigen Ghulen. In einem größeren Kontext wird zudem mit Arnbert Schinder von Blutsfelden ein zusätzlicher Antagonist vorgeschlagen, der von Arngrimm mit der Verfolgung Grimmwulfs beauftragt wurde und somit als weitere Fraktion in die Handlung eingreifen kann. Regelseitig sind einige Regelergänzungen für Werwölfe enthalten.

Rückkehr in den Wald ohne Wiederkehr

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Die Besonderheit des DSA1-Abenteuers wird alleine optisch schon durch ein wesentlich helleres Papier hervorgehoben. Im Zusatzmaterial wird zunächst der Hintergrund der sogenannten Alten, die im Abenteuer eine wichtige Rolle spielen, genauer beschrieben. Dem schließt sich eine zusätzliche Begegnung mit einem Troll an, der wahlweise ein paar Informationen vermitteln kann, aber auch ein gefährlicher Gegner werden kann, je nachdem wie die Heldengruppe sich ihm gegenüber verhält. Außerdem wurde eine Tabelle mit Zufallsbegegnungen zur Ausgestaltung der Reise entworfen.

Tyrannenmord

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Das Intrigenabenteuer in den Tulamidenlande wurde zunächst um lokalen Flair erweitert in Form eines Glossars tulamidischer Begriffe. Der weitere Fokus liegt vor allem im abschließenden Machtkampf in Al´Khomaney. Der Palast, in dem mutmaßlich der Endkampf stattfinden wird, hat sowohl einen Plan als auch eine Kurzbeschreibung erhalten, in dem besonders auf Schwachstellen eingegangen wird, die man zum Eindringen nutzen kann.

Hoffnung in der Finsternis

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Mit 6 Seiten hat dieses Heldenwerk die umfangreichste Erweiterung erfahren. So wird zuerst auf das Theriak eingegangen, was in den von den Zwölfen verlassenen Gegenden eine mögliche Regenerationsquelle darstellt, dessen Nutzung aber mit Risiken behaften ist. Inhaltlich wird ein Außenposten der Festung Wolfsblick vorgestellt, der als Zwischenstation verwendet werden kann. Der Irrhalk Glutschwinge stellt zuletzt einen wichtigen Antagonisten dar, der im Abenteuer aber wenig Hintergrund erhalten hat, was hier um eine komplette Charakterisierung und einen umfangreichen Wertekasten ergänzt wird.

II. Kritik

Zunächst möchte ich wieder auf das Heldenwerk-Archiv III als Abenteuersammlung eingehen. Was im Vergleich zum vorhergehenden Archiv II auffällt, ist dass sich in dieser Auswahl im Prinzip kein einziges typisch-bodenständiges Abenteuer in dörflicher Atmosphäre befindet, sondern alle Abenteuer entweder in einem größeren Rahmen spielen oder aber atmosphärisch essenzielle Bedrohungen aufwerfen, oft mit sehr düsteren Untertönen. Zudem sind relativ viele der Abenteuer als Dungeon-Crawler angelegt, geht es doch beispielsweise gleich mehrfach darum, in verfallenen Gemäuern alte Geheimnisse zu lüften (Des Wandelbaren Schicksal, Der Dunkle Mhanadi und Rückkehr in den Wald ohne Wiederkehr). Auch ein gewisser Epikfaktor ist gegeben, wenn wahlweise auf gewichtige Kirchenkonflikte (Gekreuzte Klingen), den Sturz eines lokalen Machthabers (Tyrannenmord) und ein Kommandounternehmen in den Schattenlanden (Hoffnung in der Finsternis) eingegangen wird. Auch wenn ich kleinere Handlungsrahmen durchaus zu schätzen weiß, entspricht dies in der Gesamtheit eher meinen Vorlieben. Mit Der Dunkle Mhanadi, Grimme Herzen und Hoffnung in der Finsternis sind aus meiner Sicht auch einige absolute Highlights der Heldenwerkreihe enthalten, vor allem solche, die eher die Horror- und Gruselschiene bedienen. Dies bedingt umgekehrt, dass ich hier eine etwas geringere Einsteigertauglichkeit sehe, die Mehrheit der Abenteuer ist sicherlich eher für solche Spielercharaktere angedacht, die schon einiges an Erfahrung besitzen.

Nachdem ich das Zusatzmaterial des Heldenwerk-Archiv II als eher durchwachsen betrachtet habe, gefällt mir die vorliegende Version deutlich besser. Ein Grund ist, dass diesmal völlig auf die Verknüpfung zu anderen Abenteuern verzichtet wurde und stattdessen mehr Augenmerk darauf gerichtet wurde, die Inhalte der Heldenwerke entweder sinnvoll zu erweitern oder einige Aspekte mehr zu unterfüttern.

An vielen Stellen finde ich im Abgleich zu meinen ursprünglichen Rezensionen Aspekte erweitert, die ich damals kritisiert habe, was somit aus meiner Sicht auch immer eine Aufwertung des Originals darstellt: In Des Wandelbaren Schicksal fand ich den Hintergrund der zentralen Antagonistin zu wenig ausgeschmückt, was nun geschehen ist. Der Dunkle Mhanadi wurde schon im Original sehr positiv von mir betrachtet, was vor allem an dem sehr guten Dungeon als Kernstück lag, während die Hinführung etwas gekürzt wirkte. Genau dieser Bereich wurde nun mit einem Einstieg ergänzt, ebenfalls wurde die Piratenbande mit mehr Hintergrundinformationen ausgestattet. Bei Rückkehr in den Wald ohne Wiederkehr fehlte mir ein explizites Eingehen auf die sogenannten Alten, deren Ursprung mir zu diffus blieb, genau das wurde nun hinzugefügt. Im Fall von Tyrannenmord fehlte mir unter anderem der Finalschauplatz, der nun mitsamt Karte vorhanden ist. Von Hoffnung in der Finsternis war ich im Ganzen ohnehin schon angetan, aber das Finale fiel mir zu knapp aus, dessen Antagonist nun einen ausführlichen Hintergrund erhalten hat. Genau solche Inhaltserweiterungen an den Stellen, die offensichtlich zu kurz kamen, halte ich für sehr sinnvoll. In den Anmerkungen der AutorInnen merkt man auch, dass dies scheinbar gerade für die SchreiberInnen eines Heldenwerks immer ein großes Dilemma ist, worauf man den vorhandenen Platz verwenden kann und wo man teils schmerzhafte Kürzungen vornehmen muss, die denjenigen, die das Abenteuer verfasst haben, auch oft völlig bewusst sind.

Natürlich gibt es dabei durchaus qualitative Unterschiede und an einigen Stellen handelt es sich wieder um eher versatzstückartige Hinzufügungen, in denen vornehmlich neue Szenen oder Figuren hinzugefügt wurden, im Ganzen ist dies aber nicht so dominant geworden im Vergleich zum Vorgänger.

III. Fazit

Das Heldenwerk-Archiv III bietet eine gute Auswahl von sieben Abenteuern, die mehrheitlich einen eher düsteren Unterton haben und sich eher an erfahrenere Charaktere richten. Gelungen ist diesmal auch das Zusatzmaterial, weil in vielen Abenteuern gezielt an den Stellen Texte hinzugefügt wurden, die in der Originalversion zu kurz aufgefallen waren oder ganz entfallen mussten. Somit wirken viele der Abenteuer jetzt noch etwas abgerundet.

1 Kommentar

  1. Ich hatte den Band auf dem Kaiser Raul Konvent 2019 erworben. Ganz aktuell werde ich heute voraussichtlich Zusatzmaterial aus Grimme Herzen verwenden.Die Heldenwerk-Archive finde ich generell eine gute Sache.

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