Rezension: Heldenwerk-Archiv

Vorbemerkung: Ein wenig habe ich auf der Spielemesse in Essen gezögert vor dem Stapel der Bände mit dem Heldenwerk-Archiv. Warum sollte ich mir einen Band kaufen, der nur Abenteuer enthält, die ich alle schon zuhause stehen habe? Nikolai Hoch hat mich dann schließlich doch noch von einem Kauf überzeugt, mit dem Hinweis, dass zu jedem der sieben enthaltenen Heldenwerk Zusatzmaterial enthalten ist. Ob sich das wirklich lohnt, will ich im Folgenden aufschlüsseln. Ich habe mich dabei allerdings rein auf das Zusatzmaterial konzentriert, zu den eigentlichen Abenteuern verweise ich jeweils auf meine bereits existierenden Rezensionen.

In Zahlen:

– 128 Seiten

– 7 Abenteuer

– Preis: 29,99 Euro

– Erschienen am 15.11.2017

I. Aufbau und Inhalt

Der Band enthält insgesamt sieben Heldenwerk-Hefte als Sammlung, die ersten 6 Ausgaben plus das Sonderexemplar zur Kaiser-Raul-Konvent, „Seelanders Eleven“. Einerseits sind Abdrucke des jeweiligen Heftes die Hauptbestandteile. Zusätzlich hat jeder Band zunächst eine Vorbemerkung des Autors mit einigen Angaben zur Entstehungsgeschichte oder sonstigen Informationen erhalten. Im Anschluss an das Abenteuer gibt es zudem meist spielbares Bonusmaterial, z.B. zusätzliche Szenen.

Hexenreigen

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Autor Dominic Hladek hat sich hier vor allem auf zusätzliche Übersichtlichkeit konzentriert. So werden zwei Optionen zum Umgang mit der Umgebungskarte vorgestellt, wobei zum einen der direkte Weg zum Finale und zum anderen die Komplettvariante mit allen möglichen Begegnungen und Örtlichkeiten skizziert werden. Zusätzlich wird dies mit einem ungefähren Zeitablauf verbunden, wozu im Anhang Tabellen vorhanden sind. Außerdem haben nun neben Cordax auch alle anderen Hexen vollständige Werteblöcke erhalten, genauso wie die damals fehlenden Goblin-Werte ergänzt wurden.

Ein Goblin mehr oder weniger

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Das Krimiabenteuer rund um eine Mordserie an Goblins von Gudrun Schürer enthält einige Vorschläge zu einer Integration in den übergeordneten Kontext der Theaterritterkampagne. Die Zusatzszenen bieten dabei vor allem Verknüpfungsmöglichkeiten mit dem ebenfalls in Festum spielenden Heldenwerk Die Thorwalertrommel. Vor allem geht es dabei darum, bekannte Figuren, die dort und in der gesamten Kampagne eine Rolle spielen, schon in diese Episode zu integrieren, z.B. Jucho von Dallenthin oder Hauptmann Timpski.

Die gehäutete Schlange

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Die Detektiv- und Intrigengeschichte in Vinsalt von Michael Masberg wird zunächst um ihre Entstehungsgeschichte als geplantes Con-Abenteuer ergänzt. Im Anhang findet sich zudem eine Doppelseite mit einer Kurzbeschreibung von Vinsalt, um das Stadtabenteuer auch mit der dementsprechenden Atmosphäre und genaueren Weg- und Örtlichkeitsbeschreibungen auszustatten.

Kibakadabra

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Dominic Hladek nimmt sich zunächst des Umstandes an, dass Uthuria bislang im Rahmen der neuen Edition noch gar keine Berücksichtigung erhalten hat und deshalb keine aktuellen Hintergrundinformationen vorhanden sind. Somit existieren einige Konvertierungsvorschläge, um das Abenteuer in den meridianischen Dschungel und somit nach Aventurien zu verlegen. Der Anhang bietet dem Spielleiter zudem eine Würfeltabelle mit streunenden Monstern, um das Erforschen des Untergrundes zusätzlich zu erschweren, z.B. einen anfangs freundlichen Humusdschinn namens Baobab, der zunehmend zu einer Bedrohung wird. Außerdem findet sich eine Übersichtstabelle, die die Bewegungen der Dungeonbewohner darstellt.

Die Thorwalertrommel

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Daniel Heßler konzentriert sich in seinen Erweiterungen unter anderem auf die Zeit zwischen den beiden Kernereignissen, dem Umzug und dem folgenden Diebstahl. Dabei werden beispielsweise die Handlungen von Gardehauptmann Timpski genauer beleuchtet, der nach dem außer Kontrolle geratenen Festzug mehr und mehr in Bedrängnis und Kritik gerät, zudem einige seiner Gardisten kaum noch im Griff hat. Ebenso wird die Möglichkeit berücksichtigt, dass die Helden sich für die Gegenseite entscheiden und dem Umzug eben nicht schützen, sondern sich den Störern anschließen.

Kaiser der Diebe

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Annette Juretzki stattet ihren Diebeswettlauf in Phexcaer mit einigen zusätzlichen Hintergrundinformationen über die Antagonistin Isa aus, die im Original auf der Strecke bleiben mussten. Der Wettlauf selbst wird um drei Stationen erweitert, unter anderem wird nun die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dass die Helden nach ihrem Erfolg ihre eigene Diebesbande gründen wollen.

Seelanders Eleven

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Das Heist-Abenteuer von Dominic Hladek lebt unter anderem von der Ausgangssituation, dass die Helden anfangs weder wissen, was genau geschehen soll, noch von wem die mögliche Bedrohung ausgehen soll. Dementsprechend werden weitere Optionen ausgelegt, die Ziele für Diebe oder gar Attentäter bieten könnten. Zusätzlich wird die Gästeliste um eine ganze Reihe von neuen Figuren erweitert aus dem Kreis von Veteranen, Patriziern und Geweihten, wobei ergänzend auch Informationen vorhanden sind, welche Komplikationen diese NSCs auslösen könnten.

II. Kritik

Zunächst einmal hat mir die Lektüre mir nochmals vor Augen geführt, dass die Heldenwerk-Abenteuer meiner Auffassung nach mit die sinnvollste Neuerung im Zuge des DSA5- Editionswechsel sind: Hier wurde tatsächlich die Lücke zwischen den großen Kampagnen und den seitenstärkeren Einzelabenteuern geschlossen und das Portfolio um kleine, schnell spielbare Abenteuer erweitert, die dem Spielleiter zudem wenig Vorbereitungszeit abverlangen. Ein klarer Vorteil ist auch die Bandbreite der hier beinhalteten Hefte, die thematisch Detektivabenteuer, Dungeoncrawls und Intrigenplots bieten, dabei Metropolen wie Gareth, Festum oder Vinsalt genauso aufsuchen wie einen Dschungel in Uthuria oder das abgelegene Phexcaer.

Differenzieren muss man natürlich bei einem solchen Sammelband zwischen den unterschiedlichen potentiellen Käufern:

– Wer kein Botenabo hat und keines der Hefte als PDF erworben hat, erhält Material für viele Spielabende, kann dabei von der angesprochenen Vielfalt profitieren. Natürlich sind die Abenteuer inhaltlich durchaus unterschiedlich und weisen meiner Meinung nach auch qualitative Unterschiede auf (siehe die Bewertungen unter den Einzelrezensionen). Aber allein Hexenreigen, Kibakadabra und Seelanders Eleven sind auf jeden Fall mehr als einen Blick wert und übertreffen meiner Meinung nach durchaus das eine oder andere Vollpreisabenteuer der letzten Jahre.

– Wer das Botenabo besitzt, aber Seelanders Eleven weder auf dem Konvent noch als Restposten erworben hat, erhält immerhin ein zusätzliches Abenteuer, zudem nach Kibakadabra das stärkste bislang erschienene Heldenwerk.

– Wer (wie ich) alle Hefte schon sein Eigen nennt, muss mit dem angesprochenen Zusatzmaterial vorliebnehmen.

Hier komme ich zu einem zwiespältigen Eindruck: Das Zusatzmaterial zu jedem Band, bestehend aus den Autorenanmerkungen und den zusätzlichen spielbaren Inhalten, ist genormt. Jedes Abenteuer ist um 3 Seiten erweitert worden, bei 7 Abenteuern kommen somit 21 Seiten zusammen. Besonders gelungen erscheint mir dies im Fall der beiden Bestandteile der Theaterritterkampagne, auch weil die Autoren hier auf viele Ausarbeitungen zurückgreifen konnten, die für die Kampagne vorhanden waren. Die Idee der Verknüpfung beider Szenarien ist zusätzlich eine hervorragende Idee. In anderen Abenteuern sehe ich den Mehrwert deutlich geringer, z.B. in Die gehäutete Schlange, hier hätte ich mir statt einem allgemeinen Stadtrundgang durch Vinsalt (der in ähnlicher Form in den nächsten Jahren ohnehin im Rahmen der zugehörigen Regionalspielhilfe erscheinen wird) lieber mehr konkrete Orte gewünscht, die ganz konkret mit dem Abenteuer verbunden sind. Im Fall von Hexenreigen mögen die Werte und Entfernungsangaben sicherlich durchaus nützlich sein, aber auch hier wären mir inhaltliche Erweiterungen lieber gewesen.

III. Fazit

Letztlich muss hier jeder individuell entscheiden, inwieweit das Heldenwerk-Archiv als Anschaffung konkreten Sinn ergibt, abhängig von den Mehrwerten, die man erhalten kann. Der Sammelband bietet auf jeden Fall sieben abwechslungsreiche Abenteuer, die im Vergleich zur originalen Veröffentlichung durchaus sinnvoll ergänzt wurde, wobei ich allerdings Unterschiede im jeweiligen Mehrwert sehe.

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