Rezension: Heldenwerk-Archiv V

Vorbemerkung: Wenn im Oktober die Blätter fallen, gibt es parallel zu den herbstlichen Naturphänomenen auch eine DSA-Konstante: das neue Heldenwerk-Archiv erscheint (früher eigentlich als Neuerscheinung für die Spielemesse). Mittlerweile sind wir beim Heldenwerk-Archiv V angekommen, das wie üblich einen Jahrgang der regulär erscheinenden Heldenwerk-Abenteuer sowie das Con-Abenteuer des Jahres in einem Band zusammenfasst. Wie bisher auch soll der Fokus der Besprechung auf dem Bonusmaterial liegen, während ich für die allgemeine Rezension auf die jeweilige Verlinkung verweise.

In Zahlen:

– Heldenwerk-Archiv Nr.5

– 7 Abenteuer

– 128 Seiten

– Preis: 29,95 Euro

– Erschienen am 27. 10. 2021

I. Inhalt

Wie immer sind die angesprochenen 7 Abenteuer enthalten. Jedes davon hat zu Beginn ein einseitiges Vorwort mit den Gedanken der Autor:innen erhalten, dann schließt sich der Abdruck des Originals an. Zuletzt folgen als eine Art von Anhang die Bonusseiten mit zusätzlichen Szenen, Figuren etc.

Federfall

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Tina Hagner und Jens Marx erläutern zunächst, wie aus einem Abenteuer für die private Spielgruppe eine Heldenwerk-Einreichung wurde und welche Anpassung an die Platzmöglichkeiten der Heftserie notwendig waren. Das einseitige Bonusmaterial fokussiert sich primär auf den Teil, der mit der Suche nach dem Meteor verbunden ist, indem zwei weitere Gruppen beschrieben werden, die als mögliche Kontrahenten verwendet werden können. Zudem gibt es noch einen ergänzenden Stimmungstext zur Bestattung eines NSC.

Bis ins Mark

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Autor Julian Härtl geht zunächst auf seine Grundidee ein, einen verstärkten Fokus auf mittelalterliche Einflüsse und das Rittertum zu setzen. Die beiden Seiten Bonusmaterial konzentrieren sich auf zwei unterschiedliche Aspekte: Einerseits wird der Hintergrund Althofs etwas mehr ausgestaltet, indem die Statue einer lokalen Heiligen und ein Sokramorkult vorgestellt werden. Während die Entdeckung des Sokramorkults keine konkrete Konsequenz hat, kann man bei der Statue ein hilfreiches Artefakt finden. Die Jagd nach den Rostigen Rittern wird andererseits mit zwei zusätzlichen Figuren angereichet. So kann man einem weiteren Mitglied der Stahlherzen begegnen und dieses als Verbündete gewinnen, zudem kann man auf die Schwester des zentralen Antagonisten Ludegers treffen, die sich in einem Loyalitätskonflikt befindet.   

Blutiger Pelz

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Auch hier geht Christoph Trauth zunächst auf die Genese des Abenteuers ein, das ursprünglich deutlich großflächiger war. Das Zusatzmaterial ist mit 6 Seiten umfangreicher und berücksichtigt unterschiedliche Stationen des Abenteuers. So kann die Anwerbung mit weiteren Szenen angereichert werden, in denen die aktuellen Konflikte zwischen Orks und Menschen aber auch zwischen den Handelskompanien noch stärker betont werden. In Hilgerds Heim wird ein zusätzlicher Antagonist eingeführt, der im Verborgenen agiert und die Heldengruppe zu behindern versucht. Zuletzt wird ein orkischer Blutkrieger hinzugefügt, der der gegnerischen Seite mit seinen animistischen Fähigkeiten helfen kann und der für die Spielercharaktere einen kompetenten Gegenspieler darstellt. Eine Seite ist regeltechnisch auch diesen Animistenkräften vorbehalten.  

Der stille Pfad

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Zu seinem Abenteuer hat Wolf-Ulrich Schnurr im Vorwort eine eher persönliche Herangehensweise, indem er schildert, dass ein solches Heldenwerk auch für einen erfahrenen Autor eine gewisse Herausforderung darstellt. Das 2seitige Zusatzmaterial konzentriert sich auf zwei weitere Szenen, die in die Handlung eingefügt werden können. In Haros Nachlass soll seine Witwe gefunden werden, um ihr ihren Anteil am Erbe geben zu können, allerdings muss sie davon erst überzeugt werden. Der neue Müller setzt die Suche nach einem Nachfolger für Haro in den Mittelpunkt, was sich nicht einfach gestaltet.   

Madas Blaue Augen

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Das Vorwort geht vor allem darauf ein, wie das erste Heldenwerk-Solo entstand und wie es zur Wahl des ungewöhnlichen Protagonisten Hasrabal kam. Dazu wird erläutert, wie die 4 Redaktionsmitglieder Niko Hoch, Zoe Adamietz, Johannes Kaub und Alex Spohr die Arbeit daran unter sich aufgeteilt haben. Im Anhang finden sich auf 2 Seiten Vorschläge, wie man das Abenteuer auch als Gruppenabenteuer spielen kann. Ausgehend von der Prämisse, dass die Heldengruppe von Hasrabal als Begleitschutz angeworben wird, wird aufgeschlüsselt, wie man die zusätzlichen Personen (also die Spielercharaktere) in den einzelnen Stationen des Abenteuers einbinden kann.

Hinter der Fassade

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Das Augenmerk von Markus Keck liegt darauf zu erklären, wie aus seiner ursprünglichen Idee eine deutliche Anlehnung an den Klassiker Unter dem Nordlicht wurde. Im Bonusmaterial werden vor allem bereits im Abenteuer existente Aspekte angesprochen und erweitert. So wird das im Mittelpunkt stehende Gemälde genau erläutert und der Aspekt der Seelenwanderung auch regeltechnisch hergeleitet. Ebenso wird das abschließende Ritual beschrieben, das es zu verhindern gilt. Zusätzlich wird eine weitere Figur eingefügt, die wahlweise eine nützliche Hinweisgebern oder eine erbitterte Gegnerin darstellen kann.

Sohn einer Heldin

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Auch das Con-Abenteuer von David Schmidt erfährt eine Erweiterung, wobei der Autor als einziger im Vorwort direkt schon seine Überlegungen zu den Archiv-Inhalten erwähnt. Hier ist das reichhaltige Bonusmaterial (immerhin ganze 7 Seiten) in zwei Kategorien eingeteilt. Zunächst wird eine Einbindung in die Rabenkrieg-Kampagne vorgeschlagen, wozu es Optionen gibt, dies vor oder während der Kampagne stattfinden zu lassen. Aber auch allgemein gibt es Erweiterungen, wobei alle Abschnitte des Abenteuers außer dem Finale berücksichtigt werden. Zum Beispiel wird der Großwildjäger aus der Dschungel-Passage mit zwei zusätzlichen Szenen breiter aufgestellt oder in Al´Anfa wird eine Möglichkeit vorgeschlagen, wie es schwieriger wird, herauszufinden, in welcher Söldnereinheit sich der Gesuchte eingeschrieben hat. 

II. Kritik

Leider beginnt der Band zunächst mit einer ziemlichen Ernüchterung: Das Bonusmaterial zu Federfall ist eine ziemliche Enttäuschung. Auf lediglich einer Seite kann man meiner Meinung nach kein ansprechendes Bonusmaterial darbieten, das unterläuft ja auch völlig den Aspekt, dass Heldenwerke tendenziell eh wenig Gestaltungsraum haben, dann sind für mich 2-3 Seiten das Minimum. Immerhin ist das Bonusmaterial für viele Leute der Hauptgrund für einen Kauf, schließlich besitzen ja Boten-Abonnenten wie ich alle diese Abenteuer ohnehin schon und dann erwarte ich für einen Band mit einem Preis von 30 Seiten auch einen ausgewogenen Mehrwert. Zwei zusätzliche konkurrierende Gruppierungen sind prinzipiell durchaus eine gute Idee, aber auf einigen wenigen Zeilen können diese nicht wirklich ausreichend beschrieben werden, ohne der Spielleitung noch mehr Zusatzarbeit zu verschaffen. Eine reine Stimmungsszene zum Vorlesen ist ebenfalls kaum von reellem Nutzen. Mich wundert, dass nicht an den eigentlichen Schwächen des Abenteuers gearbeitet wurde, z.B. indem die Passage in Omlad mit mehr wirklichen Einflussmöglichkeiten für die Heldengruppe ausgestattet wurde oder man dem Magier Zulqaman mehr Handlungsoptionen gibt.

Wie man wenig Bonusmaterial sinnvoll einsetzen kann, beweist Julian Härtl mit den Erweiterungen zu Bis ins Mark. Althof erhält hier etwas mehr Profil und ein hilfreiches Artefakt für eine göttergefällige Mission (hier buchstäblich aus der Hand einer Heiligen erhaltbar) ist immer willkommen. Der Sokramor-Kult passt gut in die Region, allerdings fehlt mir an dieser Stelle eine Anregung, wie dies das konkrete Abenteuer beeinflussen könnte. Die beiden zusätzlichen NSC erweitern die Personenriege sinnvoll. Das einzige Manko ist hier aus meiner Sicht, dass es sich wieder um Figuren gleichen Typs handelt, hier hätte ich mir vielleicht etwas anderes als zwei weitere Ritterinnen gewünscht. Umgekehrt hat der Autor dies aber in seinem Vorwort als explizites Anliegen betont, den nachhaltigen Einbau einer ritterlichen Schicht nach mittelalterlichem Vorbild (mit dem Konfliktfeld des Raubrittertums, der mit den beiden Figuren nochmal nachhaltig unterfüttert wird).

Blutiger Pelz ist von mir schon in seiner ursprünglichen Version als starkes Heldenwerk eingeordnet worden, das Zusatzmaterial bekräftigt diesen Eindruck noch einmal nachdrücklich. 6 Seiten sind hier eine größere Erweiterung und diese wurden sinnvoll genutzt, um unterschiedliche Etappen auszubauen. Vor allem kann man sich in Hilgerds Heim und Umgebung nun mit zwei weiteren Gegenspielern verschiedener Prägung auseinandersetzen. Im Prinzip kann man sie auch als unterschiedlich schwere Hürden einsetzen, da der Spion einer Handelsgesellschaft eher Stolpersteine legt, während der Blutkrieger Naggai eine zusätzliche Herausforderung im Endkampf darstellen kann, zudem ist er ein stark ideologisch geprägter Gegner, die anders als die anderen Antagonisten nicht materiell orientiert ist, was die orkische Kultur noch mehr einbringt.

Bei Der Stille Pfad lassen sich die beiden Zusatzthemen sicher passend in das Abenteuer einfügen. Allerdings irritiert mich hier, dass nicht daran gearbeitet wurde, das Abenteuer spannender zu gestalten. In meiner Kritik z.B. lag der Fokus eindeutig auf dem Aspekt der übertriebenen Bodenständigkeit, indem das Zuckerbäcker-Motiv quasi bis zum Exzess bedient wurde. Genau solche Szenen werden jetzt erneut hinzugefügt, nach wie vor empfinde ich das als nicht abenteuerlich.

Hier stört mich aber noch ein weiterer Aspekt, der weniger den Textinhalt betrifft. Es sind ohnehin nur knapp zwei Seiten Bonusmaterial vorhanden, dies wird aber noch durch zwei alte Illustrationen beschränkt, die addiert fast eine der beiden Seiten einnehmen. Leider passen diese aber gar nicht zum Inhalt, sondern sind reine Lückenfüller. Mir ist klar, dass es wahrscheinlich viel zu aufwändig wäre, für das Bonusmaterial auch noch neue Illustrationen anzufertigen. Aber es lassen sich doch sicher solche finden, die zum Inhalt passen. Hier ist eine Dryade abgebildet (ein Ausschnitt des Covers von Dryadenhain und Dschinnenzauber), obwohl im Abenteuer keine vorkommt. Und neben Der neue Müller, worin es um eine junge Frau Anfang 20 geht, die durch unterschiedlich lange Beine etwas beeinträchtigt ist, ist ein älterer Mann beim Ausrollen eines Teiges (also auch noch eher Bäcker als Müller) abgebildet.

Als Soloabenteuer stellt Madas Blaue Augen ohnehin schon einen Sonderfall dar. Dementsprechend ist auch das Bonusmaterial anders gestaltet, in Form der Adaptionsvorschläge für ein Gruppenabenteuer. Grundsätzlich sind die Anregungen dem Gedanken einer Gruppenabenteuer-Umsetzung folgend logisch, allerdings halte ich hier die Grundprämisse für eher unpassend. Es wirkt kaum realistisch, dass eine derart machtvolle Figur wie Hasrabal auf Geleitschutz durch eine Heldengruppe angewiesen ist, jemand in seiner Position sollte doch entweder alleine klarkommen oder über vertraute Personen verfügen, die er eher mitnehmen würde. Zudem besteht bei so einem NSC aus meiner Sicht immer die Gefahr, dass die Handlungen der Heldengruppe keine allzu hohe Relevanz haben. Hier hätte ich mir eigentlich eher analog zu den schönen Ergänzungen, die Sebastian Thurau zur Neuauflage von Nedime, Tochter des Kalifen verfasst hat, eine Bonusszene für das Soloabenteuer gewünscht.   

Ausdrücklich loben möchte ich das Zusatzmaterial zu Hinter der Fassade. In der Vergangenheit habe ich oft die Schwierigkeit angesprochen, mit dem geringen Umfang des Heldenwerks ein vollständiges Abenteuer zu kreieren. Manchmal gelingt es nicht, wichtige Details zufriedenstellend einzubauen. Deshalb halte ich es für wichtig, das Bonusmaterial eher dafür zu nutzen, solche Aspekte dann mit mehr Raum auszustatten, anstatt völlig neue Dinge zu ersinnen (was für meinen Geschmack viel zu oft in den Archiven geschieht, auch in dieser Ausgabe). Hier wird aber stattdessen sinnvoll das ausgebaut, was in der Originalversion zu kurz gekommen ist. Beispielhaft sind hier das Porträt und das Ritual zu nennen, was ich auch in meiner damaligen Rezension kritisiert habe. Genau diese Passagen wurden ausgebaut, was für mich dafür sorgt, dass ich das Abenteuer in der vorliegenden Form für klar verbessert halte.    

Auch Sohn einer Heldin erfährt eine starke Erweiterung. Wie schon in der ursprünglichen Rezension angesprochen, wäre mir persönlich eine direkte Anbindung an die Rabenkrieg-Kampagne nicht so wichtig. Allerdings geht dies nicht zu Lasten anderer Bonusanteile, da ja noch weit mehr Seiten die Einzelpassagen des Abenteuers erweitern. Besonders die Methoden des Großwildjägers werden hier gut ausgebaut. Der ist schon im Original eine schöne Idee, kommt aber dort recht kurz. Schade finde ich lediglich, dass der Finalschauplatz nicht noch mehr Hintergrund erhalten hat.

Allgemein möchte ich noch eine Kleinigkeit ansprechen: Aus meiner Sicht sollten die Autor:innen auch nochmal bei den jeweiligen Abenteuern namentlich genannt werden. Das ist einerseits ein Zeichen von Wertschätzung, andererseits habe ich auch teilweise Zuordnungsprobleme. Dies gilt übrigens auch für die Vorwörter, bei denen nur in zweien der Autor seinen Namen erwähnt. Verwirrend wird dies dann bei Madas Blaue Augen. Hier gibt es ja vier Autor:innen und es ist nicht klar, wer davon den einleitenden Text geschrieben hat.

III. Fazit

Nach wie vor gilt, dass man mit einem Heldenwerk-Archiv wenig falsch machen kann, sind doch immer 7 Kurzabenteuer mit einer breiten thematischen und regionalen Streuung enthalten. Tatsächlich sind diesmal aus meiner Sicht eher durchschnittliche Abenteuer vorhanden, heraus ragt für mich vor allem Blutiger Pelz, mit Abstrichen gilt dies auch für Bis ins Mark und Sohn einer Heldin, die auch alle gut erweitert wurden. Eine ordentliche Aufwertung erfährt auch Hinter der Fassade, weil gerade das ausgebaut wurde, was wirklich zu kurz gekommen ist. Die anderen Erweiterungen sehe ich eher kritisch, generell sollte man schon darauf achten, auch ausgewogen Zusatzseiten anzubieten, wenn man von Leuten nicht selten auch erwartet, sich die Abenteuer quasi auch ein zweites Mal zu kaufen. Eine einzige Textseite wie im Fall von Federfall empfinde ich da als zu wenig, ähnliches gilt für Der stille Pfad.      

1 Kommentar

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