Werkzeuge des Meisters – ein Gesamtfazit

Vorbemerkung: Anders als einige der vorhergehenden Crowdfundings haben die Werkzeuge des Meisters sich hier im Blog nicht unbedingt zu einem Endlos-Thema entwickelt, immerhin habe ich mich hier auf die für mich relevanten 6 Kernprodukte fokussieren können. Das heißt aber natürlich nicht, dass dies kein interessanter Themenkomplex gewesen ist, im Gegenteil, die Diskussionen der letzten Wochen seit der Versendung an die UnterstützerInnen bzw. seit dem Beginn des regulären Verkaufs waren durchaus lebhaft, natürlich auch bedingt durch unterschiedliche Erwartungshaltung an einen bestimmten Bestandteil der Gesamtpublikation, nämlich Aventurische Meisterschaft.

Auf alten Pfaden

Ein wichtiger Impuls für das Crowdfunding stammt wohl auch aus der Retro-Besinnung, die seit einigen Jahren auch bei DSA immer wieder vorherrscht, indem hier ja mit einer Werkzeuge-Box an eine alte Idee angeknüpft wurde, als in den 80er Jahren die Werkzeuge des Meisters noch aus Pappausstellern bestanden. Direkter wird zudem an die Einsteigerbox Das Geheimnis des Drachenritters angeschlossen, in der erstmals Acrylmarker verwendet wurden, um das Spielgeschehen auch visuell darstellen zu können.

Die Frage, die sich dann aber für ein Crowdfunding offensichtlich zusätzlich gestellt hat, ist die nach einer Produktpalette, mit der man eine solche Werkzeuge-Idee anreichern kann. Hierbei wurde mit einer Neudefinition des längst vergriffenen Inrah-Kartensets ein weiteres älteres Produkt wieder aufgegriffen. Ebenso wurde sich des Aspekts der Charaktergenerierung angenommen, wofür ein Kartenset kreiert wurde.

Zu diesen sehr haptischen Materialien wurde aber ebenfalls noch der traditionelle Weg von reinen Print-Produkten gewählt. Hierbei stand einerseits der titelgebende Meisterbegriff im Vordergrund, indem einerseits ein klassischer Meisterschirm mit Beiheft hinzugefügt wurde. Etwas völlig Neues stellt hingegen Aventurische Meisterschaft dar, indem der Band Alternativregeln zu DSA5 liefern soll. Als letztes Printprodukt wurde mit Hinterhalt und Sturmangriff eine Abenteueranthologie zusammengestellt, die u.a. das Spiel mit den Acrylmarkern mit Story-Material versorgt.

Tatsächlich zieht sich für mich auch hier eine gewisse Trennlinie, in der ich die reinen Werkzeuge durchaus als gelungen betrachte, während ich an den Printmaterialien teils doch sehr starke Kritik anbringen muss.

Die Werkzeuge

Unterm Strich erscheint mir hier eindeutig die Stärke des Crowdfundings zu liegen: Sowohl die Werkzeuge des Meisters als auch das Inrah-Kartenset habe ich positiv wahrgenommen. Die Box mit den Acrylmarkern ist durchdacht aufgebaut und verfügt über wertiges Material, einzig die Preisgestaltung erscheint mir hier etwas schwierig, wenn für drei Boxen 180 Euro aufgerufen wird, wohlgemerkt für ein Produkt, das eher eine Spielergänzung als eine absolute Notwendigkeit ist.

Das Inrah-Kartenset verfügt über eine großartige Optik und bereitet allein beim bloßen Anschauen schon große Freude. Vor allem stellt es aus meiner Sicht hervorragendes Ingame-Material dar, mit dem man seine Spielrunde bereichern kann, u.a. mit der gelungenen Idee eines Transysilischen Decks. Etwas unzufrieden war ich hier lediglich mit der Anleitung, die das Kartenlegen für Laien aus meiner Sicht nicht anschaulich genug aufbereitet, außerdem fehlen mit die Boltanregeln.

Das Kartendeck Heldenerschaffung verfügt ebenfalls über eine durchdachte Konzeption und ermöglicht in der Tat eine schnelle Generierung. Allerdings sehe ich hier kaum Vorteile im Vergleich zu digitalen Alternativen, die deutlich komfortabler sind, zudem mutet es für mich sehr merkwürdig an, dass die Erläuterungen zur Verwendung des Decks nicht als Anleitung beiliegen, sondern in Aventurische Meisterschaft abgedruckt wurden.

Die Printprodukte

Hier wird ja eher der klassische Kernbereich von DSA bedient. Das Meisterschirmheft Straßenstaub und Halsabschneider bietet dabei die gängigen Hilfestellungen und Tabellen, was es für mich zu einem absolut nützlichen Hilfsmittel werden lässt. Aber auch hier irritiert es etwas, dass Aventurische Meisterschaft gleiche Elemente enthält, womit wieder ein Produkt nicht kompakt wirkt, sondern auf zwei Bände verteilt ist.

Hinterhalt und Sturmangriff stellt für mich einen Sonderfall dar. Grundsätzlich finde ich einen Abenteuerband immer nützlich und auch hier kann man durchaus gutes Material erhalten, vor allem das Einzelabenteuer Tage des Feuers halte ich für sehr gelungen. Die beiden anderen Abenteuer habe ich teilweise auch inhaltlich kritisiert, allerdings erscheint mir das größte Problem die unbedingte Anbindung an die Acrylmarker zu sein. Die Autoren mussten also offenbar die Marker und die Bodenpläne aus der Werkzeuge-Box in die Handlung einbauen. Es erscheint zwar theoretisch logisch, das Material direkt nutzbar werden zu lassen, in der Praxis führt das aber dazu, dass teilweise unnötig viele Kämpfe aneinandergereiht werden und sonstige Interaktion manchmal etwas zu kurz kommt.

Aventurische Meisterschaft ist für mich zuletzt der absolute Problemfall. In der Geschichte dieses Blogs habe ich bislang nur zwei Mal auf die Niedrigwertung von einem Punkt zurückgegriffen, hier blieb mir aus meiner subjektiven Sicht leider nichts anderes übrig, weil ich den Band in jeglicher Hinsicht misslungen finde. Die Inhalte sind für mich teilweise nicht überzeugend (vor allem der erste Teil mit der Ermittlung von Spielertypen und dem Fragebogen), der Aufbau nicht konsistent (die letzten Kapitel sind in meinem Verständnis eher Meisterschirmanteile und keine Alternativregeln). Ich bleibe hier auch bei der Haltung, dass man dem Produkt anmerkt, dass es bei Beginn des Crowdfundings noch nicht durchkonzeptioniert war, so dass die Ankündigung der Inhalte sehr schwammig wirkte und zumindest bei mir eine andere Erwartungshaltung geweckt wurde, nämlich dass man vor allem Alternativregeln erhalten sollte, was aber eben nur teilweise der Fall ist. Beispielsweise wird jetzt im Nachgang seitens Ulisses oft der Begriff des „Sammelsuriums“ verwendet, was während des Crowdfundings nicht der Fall war, sicher auch, weil das kein Begriff ist, den man als Käufer gerne hört, eben weil er nichts Konkretes aussagt. Und das ist der Band eben leider auch und auch das ist für mich ein Zeichen eines mangelndes Konzepts. Das größte Ärgernis sind aber die vielen Doppelungen, ein gutes Drittel des Bandes (gut 80 Seiten, gerechnet sogar ohne Illustrationen) sind in gleicher oder ähnlicher Form schon einmal in anderen DSA5-Publikationen abgedruckt worden. Es gibt sogar eine Reihe von Doppelungen zum vorliegenden Crowdfunding, besonders augenfällig bei dem vieldiskutierten Abdruck der Inrah-Karten auf über 30 Seiten.

Braucht man das?

Sicherlich kann man die Frage unterm Strich verneinen, aber eben auch nicht in einem absoluten Sinne, als dass es sich gar um völlig unnötige Produkte handelt. Niemand braucht die Werkzeuge-Box, die Inrahkarten oder das Meisterschirmheft, um effektiv DSA spielen zu können. Allerdings sind es aus meiner Sicht durchaus brauchbare Hilfsmittel, die das Spiel bereichern können, wenn man sie denn gerne einsetzen möchte. Gerade die haptischen Materialen halte ich zudem für wertig gemacht. Beim Kartendeck Heldenerschaffung würde ich das aus oben genannten Gründen etwas einschränken, weil ich hier kostengünstigere Alternativen sehe, die schlicht einfacher zu handhaben sind.

Bei Hinterhalt und Sturmangriff bin ich ja insgesamt der Auffassung, dass DSA nie genug Abenteuer haben kann, insofern freue ich mich darüber, dass diese Kategorie hier bedient wurde. Allerdings denke ich, dass es schwierig ist, Kreativen derart technische Vorgaben zu stellen, die letztlich dazu führen, dass der Inhalt darunter leiden kann. Gerade auch unter dem Aspekt des sinnvollen Ressourceneinsatzes sollte man dies bedenken.

Dieser Gedanke führt mich dann auch direkt zu Aventurische Meisterschaft. Ich kann zwar grundsätzlich den Impuls verstehen, dass man auch noch ein zentrales und seitenstarkes Printprodukt haben wollte. Aber so etwas sollte dann eben auch weit im Vorfeld sinnvoll konzeptioniert werden und natürlich auch in Teilen schon fertig gestellt sein. Hier scheint aber die Erkenntnis bei Ulisses schon selbst gezogen worden zu sein, als Konsequenz aus dem Thorwal-Crowdfunding und den vorliegenden Werkzeugen und für folgende Finanzierungsprojekte wurde Besserung gelobt (den DSK-Kernband haben die Unterstützer beispielsweise sehr zeitnah nach dem Crowdfunding erhalten). Das führt dann (vor allem beim Crowdfunding zur Sonnenküste sichtbar) zu deutlich exakteren Produktbeschreibungen, was ich ausdrücklich begrüße. Aber auch inhaltlich sehe ich wenig Bedarf für diesen Band, die vielen Doppelungen legen nahe, dass zum Teil nichts neues entstanden ist, die anderen Bereiche werden ja zudem nicht nur hier bei mir, sondern auch an anderen Stellen sehr kontrovers besprochen (z.B. in der Rezension von Orkenspalter TV, dem Thread im Orkenspalter-Forum und dem Bewertungsthread im DSA-Forum). Als sehr positiv habe ich in diesem Kontext die Bereitschaft der Redaktion gefunden, im Hinter dem Auge-Fantalk ihre Sicht auf den Band zu erläutern. Auch wenn ich dort die geäußerte Sicht auf Inhalt, Konzept und Doppelungen überhaupt nicht teile, ist es dennoch sicher wichtig, die Sicht der Redaktion wahrzunehmen.

Trotzdem bleibt bei mir einmal mehr der Eindruck, dass die Hinzunahme der Printprodukte dafür gesorgt hat, dass wieder viel redaktioneller und kreativer Aufwand betrieben wurde, der viel Arbeit von Redaktion und Autorenschaft abverlangt hat. Zumindest im Fall von Aventurische Meisterschaft steht diese Arbeit für mich in keinem Verhältnis zum Ertrag. Ich sehe hier zwar aufgrund der gelungenen Teilprodukte eine andere Qualität als im Falle der von mir ebenfalls stark kritisierten Wege der Vereinigungen und dem Mythos-DSA, trotzdem würde ich mir eigentlich deutlich mehr Kernfokus wünschen, eben vor allem in Hinsicht auf die vielen ausstehenden Regionalspielhilfen. Nimmt man das finanzielle Endergebnis der Crowdfundings (ohne freilich die folgenden regulären Verkaufszahlen zu kennen), erscheint es mir doch so, dass man auch mit den regulären Publikationen gute Zahlen erreichen kann (nimmt man die Regionalspielhilfen zu Thorwal und der Sonnenküste, die als Crowdfundings sehr erfolgreich waren).

Fazit

Im reinen Werkzeuge-Bereich halte ich das Crowdfunding durchaus für gelungen, vor allem die Werkzeuge-Box und die Inrahkarten sind für mich gute Produkte, was auch überwiegend für das Meisterschirmheft gilt. Extrem negativ bleibt aber der Eindruck von Aventurische Meisterschaft vorherrschend, was für mich einen extrem misslungenen Band darstellt, sowohl inhaltlich als auch konzeptionell. Ich hoffe sehr, dass gerade die Kritik hieran von Verlagsseite nicht als substanzloses Nörgeln wahrgenommen wird, sondern als Rückmeldung zur Publikationsstrategie, gerade das Thema der Doppelungen sollte meiner Meinung nach nochmal selbstkritisch angegangen werden, dies legt ein Band, der zu einem Drittel aus solchen besteht, aus meiner Sicht schonungslos offen.                  

4 Kommentare

  1. Ja wir haben schon ofters Inrah-Karten für Prophezeihungen am Spieltisch eingesetzt. Ist auf jeden Fall Stimmungsvoll und cool, wenn man sich etwas reinfuscht und eine Held*in hat die prophezeihen kann. Ich hätte mir gewünscht, wenn Ulisses mit der Veröffentlichung der neuen Karten zum einen die Infos aus Kartenglück und Schicksaalszeichen wieder aufgelegt hätte und v.a. Angaben dazu gemacht hätte wie Prophezeihen denn in DSA5 Regelseitig umgesetzt werden kann. In 4.1. gab es einen teuer zu Steigenden Vorteil. Den gibts aus bei DSA5 allerdings bringt der nur noch Chip Sonderfertigkeiten. Man kann natürlich alles Handwedeln, aber es wäre halt schön wenn man auf irgendeinen Talent würfeln kann um rauszufinden wie gut die Prophezeihung diesmal gelungen ist und was die Spielleitung einem so an wissen einstreuen kann.

    Danke Engor für den guten Kommentar. Ich bin leider auch Maßlos enttäuscht was die Werkzeuge des Meisters angeht.

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